Rodersdorf
Asylgruppe will Flüchtlinge ins Dorfleben integrieren

In Rodersorf im Schwarzbubenland hat eine Gruppe von Einwohnern beschlossen, dass für die im Dorf lebenden Asylbewerber die Isolation enden soll. Die kürzlich gegründete Asylgruppe will Flüchtlinge ins Dorfleben integrieren.

Dimitri Hofer
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Im Chrüttlihof ausserhalb von Rodersdorf wohnen zurzeit fünf Eritreer.

Im Chrüttlihof ausserhalb von Rodersdorf wohnen zurzeit fünf Eritreer.

Roland Schmid

In Rodersdorf leben momentan fünf männliche Asylbewerber aus dem autoritär regierten Land Eritrea an der afrikanischen Ostküste. Damit die Flüchtlinge nicht nur unter sich bleiben, sondern am Dorfleben teilnehmen, schlossen sich einige Einwohner zu einer Kontaktgruppe zusammen. Ziel ist es, mit unterschiedlichen Angeboten die Integration zu fördern. Dazu gehören das gemeinsame Kochen, sportliche Aktivitäten und Deutschunterricht.

Die vor wenigen Tagen gegründete Gruppe besteht aus rund 15 Personen aus dem an Frankreich grenzenden Dorf im Schwarzbubenland. Besonders freut sich Gründungsmitglied Sibilla Marelli Simon über die vielen jungen Rodersdörfer, die der Asylgruppe beigetreten sind. Diese entstand auf Initiative der SP Rodersdorf, welcher auch Marelli Simon sowie einige der Beteiligten angehören. Es würden sich zudem viele Personen engagieren, die nicht in der Partei sind, «aber mithelfen wollen, damit sich die jungen Leute zurechtfinden und auf die eigenen Beine kommen».

Isolation hilft niemandem

Gemeindepräsidentin Karin Kälin Neuner-Jehle ist ebenfalls Sozialdemokratin. Für sie leistet die Asylgruppe einen bedeutenden Beitrag zum Wohl des Dorfes. «Die jungen Männer sind hier, weshalb wir versuchen sollten, sie auf verschiedene Art zu integrieren.» Wenn sie isoliert seien, helfe das niemandem, ist sie überzeugt. Als Scharnier zwischen der Gemeinde und der Gruppe fungiert eine dreiköpfige Asylkommission. Deren Präsident ist Roland Luzi, der für die Seelsorge im Bundesempfangszentrum für Flüchtlinge in Basel zuständig ist. Die dortige Tätigkeit brachte ihn dazu, sich im selben Bereich auch in seiner Wohngemeinde zu engagieren. Luzi betont, dass es der Kommission alleine nicht möglich wäre, die Asylsuchenden angemessen zu betreuen.

Ein U-Abo für fünf Personen

In die Bresche springen nun freiwillige Dorfbewohner, die kürzlich durch eine von der SP organisierte Informationsveranstaltung eine erste Annäherung mit den in der Gemeinde lebenden Flüchtlingen erlebten. In der Folge wurde die Asylgruppe ins Leben gerufen, die sich in kleine Teilgruppen aufteilt. Jeweils einige Personen beschäftigen sich in unterschiedlicher Weise mit den jungen Afrikanern. Eine der Gruppen werde zusammen mit den Männern Gerichte aus Eritrea kochen und anschliessend das restliche Dorf zu einem Mahl einladen.

Trotz der guten Voraussetzungen in Rodersdorf sieht Sibilla Marelli Simon auch Verbesserungspotenzial. Vor allem der Lage des Chrüttlihofs, in dem die Asylbewerber wohnen, steht sie kritisch gegenüber. Das ausserhalb des Dorfes gelegene Bauernhaus am Waldrand wirke isolierend. «Deshalb sind wir momentan daran, geeignetere Räumlichkeiten zu finden.» Dass den Eritreern zu fünft nur ein Umweltabonnement zur Verfügung steht, müsse ebenfalls geändert werden.

Beide Seiten können profitieren

Wie in Rodersdorf betreuen vielerorts im Kanton Solothurn engagierte Einwohnerinnen und Einwohner Flüchtlinge. Derartige Projekte würden den Goodwill in der Bevölkerung stärken, sagt David Kummer, Abteilungsleiter Sozialleistungen und Existenzsicherung beim Solothurner Amt für Soziale Sicherheit. Das persönliche und berufliche Netzwerk der involvierten Rodersdörfer könne überdies für die soziale und berufliche Integration der Asylbewerber genutzt werden.

Im Baselbiet existieren laut dem kantonalen Asylkoordinator Rolf Rossi in mehreren Gemeinden ähnliche Angebote wie jene am äussersten Zipfel des solothurnischen Leimentales. Meist seien es Vereine und Privatpersonen, die mit ehrenamtlichen Projekten die ansässigen Flüchtlinge begleiten. Vom direkten Austausch mit der Dorfbevölkerung könnten dabei beide Seiten profitieren. Diese Art der Betreuung ist effektiv: «Je niederschwelliger die Integration von Asylsuchenden stattfindet, desto nachhaltiger ist sie», erklärt Rossi. Wichtig ist für ihn, dass die Aktivitäten jeweils vielseitig und vielfältig sind. Es möchte schliesslich nicht jeder Asylbewerber Fussball spielen», gibt er zu bedenken.