Recherswil
Ärztemangel im Wasseramt: Recherswil sucht aktiv nach Ärzten für Gruppenpraxis

Geht es nach dem Gemeinderat Recherswil sollte in der geplanten Überbauung im Zentrum eine Gemeinschaftspraxis mit mehreren Ärzten entstehen. Damit will man dem Mangel an Hausärzten im Wasseramt entgegenwirken - und die Gemeinde attraktiver machen.

Rahel Meier
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Einzelpraxen wie die von Jörg Lüthy dürften in Zukunft weniger gefragt sein.

Einzelpraxen wie die von Jörg Lüthy dürften in Zukunft weniger gefragt sein.

Rahel Meier

Die medizinische Versorgung in Recherswil steht vor einer ungewissen Zukunft. Dr. med. Jörg Lüthy geht im Frühling 2014 in Pension, eine Nachfolge ist bislang nicht in Sicht. Dieser Umstand und die Tatsache, dass im Zentrum eine neue Überbauung realisiert werden soll, haben den Gemeinderat dazu bewogen, eine Situations- und Bedarfsanalyse in Auftrag zu geben.

Diese zeigt klar auf, dass es in Recherswil eine Hausarzt-Praxis braucht. Am besten wäre es, eine Gemeinschaftspraxis mit mehreren Ärzten einzurichten.

Sache der Gemeinde?

«Wir haben im Gemeinderat diskutiert, ob es unsere Sache ist, aktiv nach einem Hausarzt zu suchen», erklärt Gemeindepräsident Hardy Jäggi. Einen Arzt im Dorf zu haben, mache einen Wohnort attraktiv, ist sich Jäggi sicher. Schon vor 30 Jahren wurde der heutige Arzt aktiv in die Gemeinde geholt. Laut Jäggi wurde ihm seinerzeit das Land für sein Wohnhaus mit der integrierten Praxis günstiger angeboten. «Für mich als Gemeindepräsident ist es ebenso wichtig, einen Arzt im Dorf zu haben, wie mitzuhelfen, dass die Einkaufsmöglichkeiten erhalten bleiben.»

Recherswil hat heute 1750 Einwohner. In den letzten zehn Jahren wuchs die Bevölkerung kontinuierlich an. Dieses Wachstum dürfte wohl weitergehen. Immerhin sind mehrere Mehrfamilienhäuser gebaut worden und mit der Überbauung im Zentrum könnten weitere 80 bis 100 Wohnungen dazukommen. Das Einzugsgebiet für einen Hausarzt in Recherswil liegt in erster Linie im Dorf selbst. «Ich habe Rückmeldungen, dass unsere Einwohner im Wasseramt kaum einen Arzt finden, der sie in seiner Praxis fest aufnimmt. Alle sind jetzt schon überbelegt.»

Die Analyse zeigt denn auch klar auf, dass das Wasseramt eher unterversorgt ist, was die Anzahl Ärzte angeht. In der Regel rechne man mit einem Arzt pro 1000 Einwohner, so Jäggi. In Recherswil ist es ein Arzt für 1734 Einwohner. Im Wasseramt sind es 49 093 Einwohner und 36 Ärzte und Ärztinnen. Das macht eine Ärztedichte von 1:1364.

Die Analyse zeigt zudem, dass im Wasseramt in den nächsten fünf bis zehn Jahren überdurchschnittlich viele Hausärzte in Pension gehen werden. Interessant ist auch, wie die Praxen verteilt sind. Im gesamten äusseren Wasseramt (Oekingen, Halten, Horriwil, Drei Höfe, Etziken, Bolken und Aeschi) gibt es keinen einzigen Arzt.

Es fehlen Hausärzte

Die Analyse zeigt, dass in Recherswil heute schon fast zwei Ärzte genügend Arbeit finden könnten. Sieht man sich das ganze Wasseramt an, sind bis zu 13 neue Ärzte nötig, um die Bevölkerung im Bezirk ausreichend versorgen zu können.

Recherswil ist verkehrstechnisch gut erschlossen und weist eine gute Infrastruktur auf. Das heisst, die Gemeinde ist ein attraktiver Wohnort. Die Tatsache, dass im äusseren Wasseramt keine Arztpraxis liegt, zeigt, dass genügend Nachfrage da ist. Auch könnte eine bestehende Hausarztpraxis mit einem bestehenden Kundenstamm übernommen werden. «Recherswil ist für einen Hausarzt sicher attraktiv», fasst Jäggi zusammen. Der Gemeinderat hat Federer & Partners, der Firma, die die Analyse erstellt hat, deshalb den Auftrag erteilt, nach einem Hausarzt zu suchen. «Am idealsten wäre sicher eine Gruppenpraxis», so Jäggi.

Weil der Arzt im Dorf in einem halben Jahr pensioniert wird, ist es höchste Zeit, nach einem Nachfolger zu suchen. Gleichzeitig ist auch klar, dass eine neue Praxis nicht so schnell gebaut werden kann. «Wir warten ab und suchen nach der besten Lösung für alle», so Jäggi.

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