Derendingen
Ärztemangel auf dem Lande - Was kann man dagegen tun?

Können die Wasserämter Gemeinden aktiv etwas gegen den drohenden Hausärztemangel tun? Dies war eine der Fragen, die an der Gemeindepräsidentenkonferenz beschäftigte.

Rahel Meier
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Als Arzt alleine in einem Dorf wirken: Diese Vorstellung ist nicht mehr zeitgemäss.

Als Arzt alleine in einem Dorf wirken: Diese Vorstellung ist nicht mehr zeitgemäss.

Hanspeter Baertschi

Hardy Jäggi (Recherswil) stiess die Hausarztdiskussion in der Gemeindepräsidentenkonferenz Wasseramt (GPKW) an. Nachdem vor rund einem Jahr klar war, dass der Recherswiler Hausarzt seine Praxis aufgibt, ohne dass eine Nachfolge übernimmt, hat der Gemeinderat eine Studie in Auftrag gegeben. «Diese zeigt, dass wir im Wasseramt jetzt schon 13 Hausärzte zu wenig haben und dass sich dieser Mangel wegen anstehender Pensionierungen noch verstärken wird», erklärte Jäggi das Fazit. Die Problematik liege zudem darin, dass die noch praktizierenden Hausärzte stark ausgelastet seien. «Viele Recherswiler hatten Mühe, einen neuen Arzt zu finden.»

Jäggi fragte sich, welche Möglichkeiten die Gemeinden hätten, mitzuhelfen, Hausärzte wieder anzulocken. «Sollen wir Räume bereitstellen, sollen wir zinslose Darlehen ausrichten?»

Einzelkämpfer sind out

«Das haben wir vor 30 Jahren in Etziken gemacht und haben heute trotzdem keinen Arzt mehr», so Bruno Meyer. Dieser habe sich nämlich dazu entschlossen, in eine Gruppenpraxis nach Subingen zu gehen. «Das ist wohl auch die Zukunft. Einzelkämpfer sind nicht mehr gefragt.» Franz Schreier (Horriwil) bedauerte, dass viel zu wenig Hausärzte ausgebildet würden. Kuno Tschumi (Derendingen) machte darauf aufmerksam, dass die ärztliche Grundversorgung ein Leistungsfeld des Kantons sei. «Solange die Spezialisten die angenehmeren Arbeitszeiten und mehr Lohn haben, ist die Diskussion schwierig.» Marcel Linder (Oekingen) unterstütze Hardy Jäggi insofern, als er zu bedenken gab, dass da effektiv ein Problem aufkomme. «Denken wir doch nur an die demografische Entwicklung in unseren Dörfern.» Und Hans Ruedi Ingold motivierte die Recherswiler dazu, im Dorfzentrum Räumlichkeiten für eine Gemeinschaftspraxis zu reservieren. «Das ist sicher eine Chance. In einer Gemeinschaft lassen sich auch leichter Nachfolger finden.»

Die GPKW fasste zwar keinen Beschluss, aber es fanden sich bereits einige Interessierte, die gemeinsam mit einem Hausarzt aus dem Wasseramt die Situation analysieren und Ideen sammeln möchten.

Frist bis Ende 2016

Vorgängig liessen sich die Gemeindepräsidenten über die gesetzlichen Aufgaben und Kompetenzen der Gemeinden in Sachen Bevölkerungsschutz informieren. Klar ist, dass sich die Gemeinden bis Ende 2016 zu neuen Bevölkerungsschutzkreisen formieren müssen. Neu sind statt der bisher 6000 nämlich 20 000 Personen in einem Kreis eingeteilt. Die Änderungen seien verglichen mit der Situation heute nicht allzu gross, wie Diego Ochsner (Chef Amt für Militär und Bevölkerungsschutz) erklärte. Was es nicht mehr gebe, seien die Gemeindeführungsstäbe, die heute schon grösstenteils durch regionale Führungsstäbe ersetzt wurden. «Welcher Region sich eine Gemeinde anschliesst, ist letztlich ein politischer Entscheid. Der Kanton redet da nicht rein.»

Das scheint genau der springende Punkt zu sein. «Ich stelle fest, dass der Kanton Organisationsformen ändert, aber niemand weiss, was jetzt zu tun ist», so Martin Blaser (Biberist). Bruno Meyer erklärte, dass es heute rund um die Stadt Solothurn fünf Bevölkerungsschutzorganisationen gebe. «Sinnvollerweise schliesst man sich innerhalb dieser Regionen neu zusammen.»

Peter Jordi (Gerlafingen) als Vorsitzender der GPKW wird deshalb die Kommandanten dieser Regionen und die Gemeindepräsidenten der Leitgemeinden zu einer Sitzung einladen. Damit sollen Fakten zusammengetragen und Ideen gesammelt werden.

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