Das weitere Schicksal des Geländes der Ende 2017 geschlossenen Papierfabrik Utzenstorf beschäftigt die Bevölkerung in der Region. Wie sehr, das zeigte der Aufmarsch zum öffentlichen Informationsanlass in der Mehrzweckhalle Utzenstorf: 440 Personen aus den vier umliegenden Dörfern Bätterkinden, Utzenstorf, Wiler, Zielebach sowie aus der solothurnischen Umgebung fanden sich ein.

Heinz Rüedi, Leiter Entwicklung, Bau und Betrieb der Genossenschaft Migros Aare – die seit Jahresbeginn 2018 das Gelände besitzt –, bezeichnete den Kauf dieser Landreserve als wichtigen strategischen Schritt. Nicht geplant seien hier in der Industriezone Wohnbauvorhaben oder etwa ein grosses Shoppingcenter. Auch der gut funktionierende Migros-Supermarkt im Ortszentrum Utzenstorf sei davon in keiner Weise betroffen. Geplant werde die Nutzung des Papieri-Areals durch die Migros-Gemeinschaft. Der Bedarf der Konzerntöchter und der weiteren «Anverwandtschaft» in Industrie und Handel bezüglich Produktion, Logistik und moderner Vertriebskanäle wie etwa Online-Handel wird laut Rüedi jetzt in Erfahrung gebracht.

Rückbau bis Ende 2022

«Die rund vier Jahre, in der das Gelände bis Ende 2022 zur «grünen Wiese» rückgebaut wird, brauchen wir dringend in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden», so der Migros-Vertreter. «Wir sehen für eine Weiterentwicklung dieses historischen Arbeitsplatz-Standortes von kantonaler Bedeutung gute Chancen», unterstrich Rüedi. Bis das Projekt steht, seien Zwischennutzungen wie beispielsweise das aktuelle Abstellen von Neuwagen auf dem früheren Papieri-Holzplatz durch einen Importeur durchaus erwünscht.

Wer also erwartet hatte, hier am Anlass die Präsentation einer im Detail bereits ausgereiften Planung zu erleben, tröstete sich mit der Zusicherung, dass «zeitnah» weiter informiert werde. «Wir wollen das Projekt gemeinsam mit euch in Angriff nehmen», sicherte Utzenstorfs Gemeinderatspräsident Beat Singer zu, der die Veranstaltung moderierte.

Früher wichtiger Arbeitgeber

Jonas Lauter, Mitglied in der Geschäftsleitung der Papierfabrik Utzenstorf, weckte mit seinem Rückblick auf die jahrzehntelang erfolgreiche Geschäftstätigkeit des 1892 gegründeten Unternehmens besonders bei früheren Arbeitnehmenden teils wehmütige Erinnerungen. Denn trotz der jährlichen Produktionsmenge von über 200 000 Tonnen überwiegend von Zeitungspapier und der immer wieder erfolgten Modernisierung der technischen Abläufe waren die Verkaufserlöse zu gering, um einen Weiterbetrieb zu garantieren. Auf Ende 2017 wurde allen Angestellten gekündigt.

Das auf dem Gelände ebenfalls beheimatete Altpapiersortierwerk (früher Lerch) wird durch die Papierfabrik Perlen weitergeführt. Lauter zeigte, welche Gebäude der Abrissbirne zum Opfer fallen, sprich «rückgebaut» werden. Im Gang sei die Demontage der Maschinen, die es «im besten Fall» zu verkaufen gelte. Verantwortlich für den Abbau ist die Riedholzer Firma Java Rückbau und Recycling, die Bauherrenvertretung nimmt die Firma Geotest (Zollikofen) wahr.

Interessiertes Publikum

Viel Zeit eingeräumt wurde den Fragen aus dem Publikum. Zum Schmunzeln Anlass gab das angeblich aus Wiler gehörte nächtliche Umparkieren der Neufahrzeuge, für die das Mietverhältnis bereits im kommenden Februar endet. Im Rahmen des Energierichtplans habe das den BKW gehörende Kraftwerk weiterhin Bestand, erläuterte der kommunale Bauverwalter Hanspeter Rentsch. Die als wertvoll beurteilte Gleiserschliessung vom Bahnhof Wiler her interessierte ebenso wie eine möglichst «nachhaltige» Strassenerschliessung.

Wohl kaum umsetzbar sei die vor Jahrzehnten angedachte Umfahrungstrasse Utzenstorf. «Die heutige Strassen-Lösung zur Anbindung des Areals hat vermutlich keine Zukunft mehr», hielt Gemeindepräsident Singer fest. Eine chemische Überprüfung hat ergeben, dass von der früheren Deponie unter dem Werkgelände keine Gefahr ausgehe. Ein Anwesender erinnerte an die in der definierten Arbeitsplatzzone A1 zulässige, häufig sehr störende Lärmentwicklung. «Wir befinden uns aber nicht in einer rechtsfreien Zone», verwies Singer auf gesetzliche Grundlagen. Zum jetzigen Zeitpunkt unrealistisch blieb die Frage nach der Anzahl künftiger Arbeitsplätze im Gebiet. «Fragen Sie mich in einigen Jahren wieder», riet Migros-Vertreter Heinz Rüedi.

Beat Linder, Gemeindepräsident im benachbarten Bätterkinden, wünschte in einem Votum der Migros Aare «viel Glück und alles Gute zum Start» in der Neubesiedlung des Papieri-Areals. Der «Schicksalsschlag» durch die Schliessung des Unternehmens habe die erweiterte Region erschüttert. Deshalb sei das neue Engagement sehr zu begrüssen. Linder würdigte die Bemühungen der Migros, die bereits Hilfe bei der Sanierung des Emmestegs zwischen Bätterkinden und Wiler zugesagt habe.