Altreu war eine mittelalterliche Kleinstadt, die um 1200 gegründet wurde. Erstmals aktenkundig wurde «Altrua» im Jahr 1279. Das Städtchen umfasste eine annähernd rechteckige Fläche von etwa 120 mal 150 Meter und war durch ein mehrfaches Wall-Graben-System und eine zusätzliche Ringmauer befestigt.Der heutige Burgweg verläuft ungefähr auf der Mittelachse des damaligen Städtchens.

Im Laufe der Zeit wurde ein grosser Teil des Stadtareals von der Aare unterspült und weggerissen. Davon zeugen heute noch erkennbare Mauerfragmente auf dem Grund der Aare. Laut den Schriftquellen wurde Altreu im Jahre 1375 von den «Guglern» – aus Frankreich eingefallenen Söldnertruppen – vollständig zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Somit blieben die Überreste dieser spätmittelalterlichen «Stadtwüstung» im Boden erhalten und wurden nicht von jüngeren Bauten zerstört, wie dies in Städten der Fall ist, die kontinuierlich bis heute besiedelt wurden.

Von der ehemaligen Befestigungsanlage ist heute noch der innere Graben im Gelände zu erkennen. Bisherige archäologische Untersuchungen in den Jahren 1949 und 1992 deckten die Reste eines stattlichen Steingebäudes sowie eines bescheideneren Fachwerkhauses aus Holz und Lehm auf. 

Mit dem Grabungsteam auf den Spuren der Vergangenheit von Altreu

Mit dem Grabungsteam auf den Spuren der Vergangenheit von Altreu

Enblick in den mittelalterlichen Alltag

Die aktuelle Grabung bietet die seltene Gelegenheit, eine mittelalterliche Kleinstadt grossflächig archäologisch zu untersuchen. Denn in wenigen Wochen beginnen an dieser Stelle die Bauarbeiten für ein Einfamlienhaus.

Auf einer Gesamtfläche von etwa 700 Quadratmetern wurden bis jetzt Mauerreste, verkohlte Schwellbalken und mehrere Feuerstellen verschiedener Wohnbauten freigelegt. Eine ausgedehnte, mindestens 10 mal 15 Meter messende Stein-«Pflästerung» könnte von einem öffentlichen Platz stammen.

Die bisher entdeckten Funde und Befunde deuten auf eine Besiedlung während des 13. und 14. Jahrhunderts. Aus der Frühzeit der Siedlung stammt viel verkohltes Getreide, das wahrscheinlich in einem Holzgebäude eingelagert war; aus der Spätzeit wurden viele Ofenkacheln und Topfscherben, Eisenwerkzeuge und Geschossspitzen sowie zahlreiche Tierknochen geborgen: Alle diese Funde und Befunde geben Einblick in die Wohnsituation, den Alltag und die Essgewohnheiten der damaligen Bevölkerung.

Tag der offenen Grabung Die Kantonsarchäologie lädt am kommenden Sonntag, 17. Juni 2012 zwischen 11 und 17 Uhr, zum Tag der offenen Grabung. Der Zugang zum Grabungsgelände in Altreu befindet sich zwischen der Grebnetgasse 12 und 16. Es ist der öffentliche Parkplatz beim «grünen Aff» zu benutzen.