Biberist
Anwohner mit Bedenken: «30 Asylbewerber, das ist halt schon eine Masse»

Nächste Woche sollen die Asylbewerber in den unterirdischen Zivilschutz-Bunker einziehen. Für Anwohner und Betreuer bleibt trotz der baldigen Ankunft vieles ungewiss.

Christof Ramser
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Gabriela Burkhalter, die Wirtin im Restaurant Biber, steht neben der kurzerhand aufgestellten Sichtschutzwand. Sie trennt die Terrasse vom Treppenabgang in die Zivilschutzanlage ab.
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Rezdije Nuredini (49) Köchin, Nachbarin der Unterkunft «Ich wurde noch nie belästigt, aber einmal hat jemand um 5 Uhr ans Fenster geklopft. In der bestehenden Unterkunft wird mit Drogen gehandelt. Ansonsten habe ich keine Probleme, ich halte immer Abstand zu den Leuten.»
René Pfister (62) Taxichauffeur und Anwohner der Unterkunft «Ich denke, das gibt hier einen Drogenumschlagplatz. 30 Personen, das ist halt schon eine Masse. Probleme mit meinen jetzigen Nachbarn im bestehenden Wohnheim hatte ich noch nie, es gibt keinen Lärm. Gestohlen wurde auch noch nie etwas.»
Anwohner des Zivilschutzbunkers in Biberist haben Bedenken, dass Asylsuchende einziehen

Gabriela Burkhalter, die Wirtin im Restaurant Biber, steht neben der kurzerhand aufgestellten Sichtschutzwand. Sie trennt die Terrasse vom Treppenabgang in die Zivilschutzanlage ab.

Solothurner Zeitung

Noch dürfte es ein paar Tage dauern, bis die Asylbewerber in die Zivilschutzanlage unter dem Restaurant Biber in Biberist einziehen. So richtig weiss man bei der privaten Betreuungsfirma ORS auch nicht, wann die Ersten kommen. «Mitte oder Ende nächster Woche», sagt Peter Wenger, operativer Leiter der ORS. Obwohl die drei bestehenden Zentren im Kanton überbelegt sind, brauche man diese Zeit, um den Betrieb gut vorzubereiten.

Bereits am Donnerstag liess die Gemeinde zwischen der Restaurant-Terrasse und dem Treppenabgang in den Zivilschutzbunker eine Holzwand aufstellen. Für die Wirtin Gabriela Burkhalter, die im Obergeschoss des Hauses wohnt, ist die Asylunterkunft trotzdem «eine Zumutung». «Es gibt doch sicher andere Unterbringungsmöglichkeiten in Biberist», sagt sie. Burkhalter sorgt sich um ihre Mitarbeiterinnen, vor allem wenn der Parkplatz abends nicht beleuchtet ist. «Jetzt müssen wir abwarten, was passiert.»

Schräg gegenüber des «Bibers» wird seit 17 Jahren ebenfalls eine Asylunterkunft von der ORS betrieben. Dort leben derzeit 13 Personen. «Dank der guten Betreuung halten sich die Reklamationen aus der Nachbarschaft in Grenzen», sagt Marlies Jeker, Leiterin im regionalen Sozialdienst. Die Polizei komme ihrer Aufsichtspflicht nach. Die Dichte an Asylheimen führt bei einem Anwohner jedoch zur Frage, aus welcher Region die neuen Asylsuchenden kommen werden. «Ich hoffe, dass die Leute untereinander keinen Krach kriegen.»

Keine Traumatisierten im Bunker

Laut Peter Wenger ist es schwierig zu sagen, woher die Asylbewerber kommen. «Wir schauen, dass die Zusammensetzung gut ist, dass es harmoniert.» Es sei möglich, dass Leute aus dem Krisengebiet in Syrien darunter sein werden. Fest steht, dass ausschliesslich Männer in der Anlage Grüngen untergebracht werden. Traumatisierte Menschen indes sollten nicht in den Zivilschutzbunker runter. «Wir werden triagieren, damit möglichst keine vorbelasteten Leute in der Anlage sein werden.»

Aus Sicht des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK ist es problematisch, traumatisierte Menschen in unterirdischen Anlagen unterzubringen. «Leute, die im Gefängnis sassen oder in Luftschutzbunker bei beengten Bedingungen traumatisiert wurden, gehören nicht in einen unterirdischen Raum», sagt Oliver Schwald, ärztlicher Leiter des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer beim SRK.

«Das ist eine Notlösung»

Für die ORS, die auch die temporäre Unterkunft in der Zivilschutzanlage beim Bürgerspital Solothurn geführt hatte, ist die Unterbringung eine Notlösung. Man habe jedoch in Solothurn recht gute Erfahrungen gemacht, sagt Wenger. Klar sei, dass die Leute keinen Tag zu lang unter Tag leben sollen. «Das ist immer eine Zwischenlösung. Sobald eine Unterkunft im Kanton frei wird, werden die Leute umplatziert.» Sechs Monate soll die Unterkunft im Grüngen in Betrieb sein.

«Fötzelen» gegen Langeweile

Die Situation sei auch für die ORS-Angestellten nicht nur einfach, sagt Wenger. Rund sechs Personen kümmern sich um die Betreuung der Asylsuchenden. Die Arbeit unter Tag sei anspruchsvoll. «Sie brauchen viel Beschäftigung, das ist zentral.» Die Betreuer sorgen dafür, dass die Asylsuchenden ihre offiziellen Termine wahrnehmen, dass sie in die hauswirtschaftliche Arbeit eingebunden werden und die Unterkunft sauber halten. Ausserdem nehmen sie an Beschäftigungsprogrammen wie dem «Fötzelen» teil und besuchen Deutschkurse. Vor Ort werden die Asylbewerber auf die «zweite Phase» ihres Aufenthalts, auf das zivile Leben in den Gemeinden vorbereitet. Wichtig zu wissen sei zudem, dass immer jemand von der ORS vor Ort ist. «Es ist ein 24-Stunden-Betrieb.»

Eine Küche gibt es in der Anlage nicht, das Essen wird von einer Firma geliefert. Für Wenger keine ideale Situation. Denn Verpflegung zu organisieren und Kochen seien eine sinnvolle Beschäftigung für Asylbewerber.