Seilpark Balmberg
Angerissenes Seil, schlechte Aufsicht: «Gesundheitstipp» kritisiert Seilpark Balmberg

Ein Gesundheitsmagazin «Gesundheitstipp» kritisiert den Seilpark auf dem Balmberg heftig. Der Seilpark schneidet im schweizweiten Vergleich sogar am schlechtesten ab. Betriebsleiter Bele Schmid hält den Sicherheits-Check für eine «Schweinerei».

Christoph Neuenschwander
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Die Schlagzeile im «Gesundheitstipp» ist haarsträubend. «Achtung: angerissenes Seil!», steht über einem Bericht, der die mangelhafte Sicherheit in Schweizer Seilparks aufs Korn nimmt. Und, zumindest für Outdoorfans aus der Region, noch haarsträubender: Der Park, der im Titel gemeint ist – und im Test des Gesundheitsmagazins am schlechtesten abschneidet –, ist der Seilpark Balmberg. Wieder einmal. Schon 2010 waren die Kletterparcours auf dem Balmberg in die Kritik geraten. Damals in einem Test der Fernsehsendung «Kassensturz».

Jetzt, drei Jahre später, bemängelt der «Gesundheitstipp» sowohl die Instruktion als auch die Aufsicht im Park. So habe die Testperson, ein deutscher Seilpark-Experte, die Beinschlaufen seines Klettergurts absichtlich zu wenig festgezurrt – was vom Personal nicht korrigiert wurde. «Am stärksten ist aber schon das angerissene Seil ins Gewicht gefallen», sagt Tobias Frey, Redaktor des Magazins, gegenüber dieser Zeitung.

Beim beanstandeten Seil handelt es sich um eine Sicherungsleine, an der die Besucher mittels Karabiner ihren Gurt befestigen, bevor sie sich an einer Schaukel von einer Plattform zur nächsten schwingen. Doch das Seil wiege die Benutzer in «falscher Sicherheit» und stelle eine «akute Gefahr» dar, heisst es im Artikel. Wenn man von der Schaukel falle, könne das Sicherungsseil reissen.

Alles nur Sensationshascherei?

Bele Schmid ist sauer: «Dass ein Gesundheitsmagazin einen solchen Test veröffentlicht, ist eine Schweinerei», sagt der Betriebsleiter. «Die sollten dafür sorgen, dass die Leute Sport treiben, und nicht den Anbietern das Messer in den Rücken lassen und die Besucher abschrecken.»

In sieben Jahren habe man im Seilpark Balmberg nie einen Unfall gehabt. Und trotzdem werde immer nur das Negative hervorgehoben. Tatsächlich wurden im «Gesundheitstipp» sechs von zehn getesteten Seilparks als ungenügend beurteilt; fünf liegen zwischen Note 3,1 und 3,6. Der Balmberg ist mit einer Note von 1,8 das traurige Schlusslicht. Das sei Sensationshascherei, findet Schmid.

Schmid wusste von dem Seil

Ob der vernichtenden Kritik gerät Bele Schmid in eine Sinneskrise. «Ich frage mich schon, wofür ich das eigentlich mache», sagt er aufgebracht. «Ich hätte Lust, einfach alles hinzuschmeissen.» Insbesondere deshalb, als er sich keiner Schuld bewusst ist. Die Kritikpunkte findet der Seilparkbetreiber allesamt unberechtigt.

Beispielsweise könne er sich nicht vorstellen, dass seine Instruktoren einen schlecht sitzenden Klettergurt nicht erkennen und korrigieren würden. «Wir überprüfen alle Besucher, bevor wir sie auf die Parcours lassen. Aber wenn sich natürlich einer in den Wald abschleicht, kann man nichts machen.»

Von dem beschädigten Sicherungsseil habe er gewusst, erklärt Schmid zudem. Er habe den Mangel kurz vor dem Test bemerkt und hätte ihn in den kommenden Tagen ohnehin behoben. Gefährlich sei die Situation aber zu keinem Zeitpunkt gewesen, versichert er. «Es handelt sich um eine doppelte Sicherung. Reisst ein Seil, ist immer noch das zweite da.» Überhaupt ist der Betreiber überzeugt: «Unsere Kunden sind sicher und fühlen sich auch sicher bei uns, das zeigen unsere Umfragen.»