«Wenn sie uns die Fähre wegnehmen, nehmen sie uns die Existenz weg.» Betroffen und ratlos schaut Verena Antener auf die Verfügung, die sie und ihr Mann am 27. Dezember von der Kantonspolizei Solothurn erhalten haben. Das Schreiben wurde einen Tag vor Heiligabend verfasst. «Der Polizist hat gesagt, er habe mit der Zustellung bis nach Weihnachten warten wollen, damit wir in Ruhe feiern können.»

Doch seither ist es vorbei mit der Ruhe auf dem Aareinseli. Sie könne nicht mehr schlafen und habe Magenprobleme, sagt Vreni Antener. Denn die polizeiliche Verfügung gefährdet die Zukunft des 100-jährigen Familienbetriebs auf der Insel zwischen Nennigkofen und Selzach. Per sofort, so heisst es im Schreiben, dürfen Anteners mit ihrer Fähre keine Personen mehr über die Aare befördern.

Ab dem 31. Januar ist auch der Materialtransport untersagt. Zu gefährlich sei das Gefährt, das an einem Seil befestigt und von Hand gezogen die Insel mit dem Festland verbindet. Das Sicherheitsrisiko habe die Kantonspolizei vor einigen Monaten per Zufall entdeckt, heisst es auf deren Medienstelle.

33 Jahre ohne Zwischenfall

Für Ehemann Simon Antener ist die Verfügung völlig unverständlich. Die Fähre - eine Sonderanfertigung, die in der Schweiz einmalig sei - ist seit 33 Jahren in Betrieb. Alle zwei Tage benutze er sie, um die Milch seiner zwölf Kühe ins Dorf zu führen.

Schwere Aussaatmaschinen, die er sich von einem Kollegen borge, sein Traktor, der Milchtank, dies alles könne nur per Fähre übers Wasser gebracht werden. «Und nie ist etwas passiert», sagt der 58-Jährige. Zudem sei das Gefährt der Wasserpolizei ja längst bekannt gewesen.

«Die Fähre ist quasi unsere Strasse», ergänzt Vreni Antener. Und ohne diese Strasse läuft auf dem Bio-Hof nichts. Die Verfügung komme einem Berufsverbot gleich. Doch es ist nicht nur der Landwirtschaftsbetrieb, der von der Welt abgeschnitten wird. Seit 21 Jahren bewirten Vreni und Simon Antener auf ihrem Inseli Gäste: Hochzeitsfeiern, Brunchs, Firmenanlässe und Grillfeste mit bis zu 120 Personen führen sie in der warmen Jahreshälfte regelmässig durch.

«Von der Landwirtschaft allein kann man auf einer sieben Hektar grossen Insel schon lange nicht mehr leben», erklären die beiden.

Zwar verfügen Anteners noch über ein Motorboot, aber für grössere Gesellschaften müssten sie damit bis 34-mal die Aare überqueren - allein um alle Gäste auf die Insel zu bekommen. Anfragen für die Saison 2014 kommen täglich. Verena Antener weiss nicht, was sie antworten soll.

Den Jahreswechsel hat das Ehepaar damit verbracht, jemanden zu suchen, der ihnen eine neue Fähre bauen kann. Doch das dauert und kostet Geld. Beim Departement des Innern (DDI) haben Anteners deshalb Beschwerde eingereicht, besonders wegen der einmonatigen Frist, die «völlig unrealistisch» sei.

Eine aufschiebende Wirkung, so ist es im Brief der Kapo festgehalten, gebe es jedoch bei einer Einsprache nicht. Die Anteners müssen darauf zählen, dass der Kanton rasch reagert - und die Gnadenfirst verlängert.«Bei uns wird keine Arbeit liegen gelassen», versichert Beatrice Schibler, Leiterin der Administration des DDI. «Wenn eine Beschwerde eintrifft, wird sie umgehend behandelt.»

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Bei der Medienstelle der Polizei sagt man indes zur Frist lediglich, diese liege im Ermessen der verfügenden Instanz. Begründet wird sie aber nicht. Auch auf die Frage, was mit der Milch der zwölf Kühe geschehen soll, geht die Kapo lieber nicht ein. «Das Problem muss der Betreiber lösen», heisst es.