«Die Welt ist komplexer geworden», sagte Bellachs Gemeindepräsident Anton Probst und verwies auf das frisch gedruckte räumliche Leitbild. Das alte Leitbild, das 1997 als Grundlage für die letzte Ortsplanungsrevision verabschiedet worden war, habe lediglich 15 Seiten beinhaltet. Das neue Dossier gibt auf insgesamt 30 Seiten die Überlegungen der Spezialkommission wieder: Überlegungen zur Entwicklung der Gemeinde während der nächsten 15 bis 20 Jahre. Dabei geht es sowohl um Bevölkerungswachstum und Wohngebiete als auch um wirtschaftliche Entwicklung, Landschaft und Verkehr.

Am Informationsanlass im Turbensaal stellte Kommissionspräsident Beat Späti diese Überlegungen erstmals der Bevölkerung vor und startete damit die öffentliche Mitwirkung: In einer Fragerunde konnten die rund 100 Anwesenden zum Leitbild Stellung nehmen.

Zusätzlich können die Bellacher bis zum 3. Mai mittels Fragebogen ihre Änderungswünsche am Leitbild vorbringen. Anton Probst, der zu Beginn des Jahres für seine Vorgehensweise bei der Mitwirkung zum Marti Recycling Center vom Gemeinderat gerügt worden war (wir berichteten), hielt vorsorglich fest: «Keine Angst, mit diesem Fragebogen habe ich nichts zu tun gehabt.»

Einzige Chance zur Mitgestaltung

Apropos Marti Recycling Center (MRC): Dieses sorgte am Infoanlass einmal mehr für Gesprächsstoff und dürfte einer der heikleren Stolpersteine des räumlichen Leitbilds 2013 darstellen - obwohl es im Dossier der Spezialkommission Ortsplanungsrevision gar nicht konkret behandelt wird. Auf dem Plan zur Siedlungsentwicklung ist im Südwesten der Gemeinde lediglich eine Zone eingezeichnet, die als «Künftige Erweiterung des Arbeitsgebietes» ausgewiesen ist.

«Die zentralen Fragen des Leitbilds sind: Wie soll die Gemeinde 2030 aussehen? Wie soll der Boden genutzt werden?», erklärte Beat Späti. Ein gewisser Spielraum müsse offenbleiben, damit man mit dem Leitbild arbeiten könne. Dennoch bestätigte der Kommissionspräsident auf Anfrage eines Zuschauers: «Richtigerweise gilt, wer das MRC nicht will, muss das Leitbild ablehnen.» Auch solle man sich als MRC-Gegner im Fragebogen kritisch zu dieser «Erweiterung des Arbeitsgebietes» äussern.

Denn die Mitwirkung ist die «einzige Möglichkeit» für die Bevölkerung, sich an der «planerischen Gestaltung ihres Lebensraums» zu beteiligen, wie es im Leitbild heisst. Sind die Fragebogen erst einmal eingereicht und die Änderungen vom Gemeinderat abgesegnet, können die Bellacher nur noch zum ganzen Paket Ja oder Nein sagen - an der Gemeindeversammlung vom 18. Juni. Auch die Ortsplanungsrevision, die auf dem Leitbild basiert, kann dereinst nur als Ganzes angenommen oder abgelehnt werden. «Einzelne Zonen können von der Bevölkerung nicht separat behandelt werden», mahnte Späti.

Fluchtverkehr stört die Bellacher

Natürlich gehe es beim räumlichen Leitbild 2013 um mehr als nur das Marti Recycling Center, so der Präsident. Es gehe um die Zukunft des Dorfes. Gemäss der Vorlage der Spezialkommission werden etwa eine ausgewogene Bevölkerungsstruktur, verdichtetes Bauen sowie eine hohe Wohnqualität angestrebt. Im nördlichen Dorfteil soll primär gewohnt, im Süden gearbeitet werden. So sei etwa auch denkbar, in den älteren Grederhofblöcken Gewerbe anzusiedeln, erläuterte Späti. «Eine klare Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten wird es aber nicht geben.»

Offen bleibt auch die Frage nach einem Dorfzentrum: «Braucht es ein Zentrum? Haben wir schon eines?», wollte Späti wissen. Hier erhoffe sich die Spezialkommission Inputs von der Bevölkerung.

Ein Thema, das den Anwesenden jedoch viel mehr unter den Nägeln brannte, war der Verkehr. «Vor allem abends entsteht sehr viel Fluchtverkehr durch die Quartiere», so ein Votant. Ob man dem nicht bereits jetzt mit Tempo-30-Zonen entgegenwirken könne, fragte er. Späti versicherte, dass man solche Zonen mit der Ortsplanungsrevision «möglichst umfänglich» in den Quartieren einführen wolle. Im Leitbild wurde dieses Anliegen entsprechend als Massnahme formuliert. «Im Moment sind wir aber noch nicht so weit.»

Übrigens: Beim derzeitigen Wachstum wird Bellach laut Leitbild bis in 20 Jahren rund 5700 Einwohner haben. Die Spezialkommission gehe aber von einem Maximum von 6000 Leuten aus, um genügend Raum für kleinere wie grössere Bauprojekte zu lassen, erklärte Späti.