Deitingen
Am Sense-Mähkurs lernten die Teilnehmer zu mähen wie zu Grossvaters Zeiten

Die Teilnehmer das ausgebuchten Sense-Mähkurs im Naturschutzreservat Mürgelibrunnen lernten mit einer Sense zu Mähen - eine ungewohnte Arbeit, welche viel Gefühl und Präzision verlangt.

Agnes Portmann-Leupi
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Umsetzen der Theorie: Im Vordergrund Kursleiter Hansjörg von Känel.

Umsetzen der Theorie: Im Vordergrund Kursleiter Hansjörg von Känel.

Agnes Portmann-Leupi

Das Bild beim Vereinshaus des Natur- und Vogelschutzvereins Deitingen (NVVD) ist ungewöhnlich: Dengelstöcke stehen herum, Sensen und Wetzsteine liegen am Wegrand. Sieben Frauen und zehn Männer hat Kursleiter Hansjörg von Känel an diesem Samstagmorgen in seinen Bann gezogen. Denn der ehemalige Landwirt aus dem luzernischen Gunzwil mit eigener Sensenwerkstatt ist nicht nur ein kompetenter, sondern auch ein amüsanter Kursleiter. Dass Sense nicht gleich Sense ist, lernen die Teilnehmenden schnell. «Man muss sich wohlfühlen beim Mähen», sagt Hansjörg von Känel. Die Sense müsse unbedingt zur Körpergrösse passen. In seiner Werkstatt stellt er «massgeschneiderte» Sensen her.

Vorerst macht der Kursleiter im «Trockenkurs» klar, dass Mähen abschneiden bedeute und nicht abschlagen. «Die Sense muss am Boden schwimmen wie ein Schiffchen auf dem Wasser», veranschaulicht er. Beim Mähen sollten alle Muskeln etwas zu tun haben. Konkret heisst das für die Lernenden: rechtes Bein zuerst nach vorne, Oberkörper drehen und Gewicht auf linkes Bein sowie vor sich mähen und nicht neben sich. Klingen sollte es wie «ein letzter Hauch».

Mit einer passenden Sense ausgerüstet gehts nach dem Anschauungsunterricht zur Wiese beim Mürgelibrunnen. Unterwegs bekundet die Besitzerin einer Berghütte im Tessin, dass sie bisher mit der Sense nicht zurechtkam. Eine andere Frau mit Ferienhaus im Freiburgischen meint, dass ihre Versuche jeweils in einem furchtbaren Muskelkater enden. Oberhalb des Mürgelibrunnens zeigt sich bald eine Szene, einem Anker-Gemälde gleich. Die Kursteilnehmenden versuchen, im hohen Gras die Theorie umzusetzen.

«Es ist eine schöne Bewegung, wie ein- und ausatmen», bemerkt eine Frau, die künftig ihre Blumenwiese mähen will. Von Känel geizt nicht mit anschaulichen Ratschlägen und lässt die Sensenblätter zwischendurch wetzen. Er weist auf die unterschiedlichen Mähtechniken hin, je nach Gelände und Bewuchs. Unter den Aktiven befindet sich auch Thomas Bürki, Präsident des NVVD. Er freut sich über das grosse Echo des Kurses. Bereits vor einer Woche war ein Kurs des Kantonalen Vogelschutzverbandes ausgebucht.

«Dängele und chlingele»

Nach getaner Arbeit müssen die Sensenblätter auf den Dengelstöcken mit dem speziellen Hammer geschärft werden. Bald ertönt ein «Dängele und Chlingele» wie zu früheren Zeiten. «Bei meinem Grossvater hat das Dengeln jeweils sehr elegant ausgesehen», bemerkt eine junge Frau ernüchtert zur ungewohnten Arbeit, die Gefühl und Präzision verlangt.