Selzach
Altreuer will nicht, dass Unbefugte seinen privaten Zugang zur Aare nutzen

Per Gerichtsbeschluss will ein Altreuer das Betreten seines Grundstücks verbieten. Dieses ist das einzige mit privatem Anschluss an die Aare. Der Gemeinderat will das Verbot verhindern.

Christof Ramser
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Schild des Liegenschaftssbesitzers: «Zutritt für Unbefugte verboten» und «Schiffsbesitzer erlaubt».

Schild des Liegenschaftssbesitzers: «Zutritt für Unbefugte verboten» und «Schiffsbesitzer erlaubt».

Felix Gerber

Der Sommer ist da - und mit den warmen Tagen kehren auch die Badegäste ans Altreuer Sängli zurück. Doch daran haben nicht alle ihre helle Freude. Im Gegenteil: Claudio von Büren, Anstösser an der Aare in Altreu, stört sich massiv an einigen Badegästen vom Sängli. Die beliebte Sandbank liegt einige Meter Aare-aufwärts, quasi in Sicht- und Hörweite von Bürens. «Die Leute kommen auf mein Grundstück, verrichten hier ihr Geschäft und lassen Abfall liegen.»

Nun will er ein gerichtliches Verbot erlassen, das Unbefugten das Betreten seines Grundstücks untersagt. Die Krux dabei: Sein Landstück an der Grebnetgasse 21 reicht teilweise bis ans Wasser heran. Zwischen Biel und Solothurn ist es notabene das einzige Privatgrundstück mit privatem Anschluss an die Aare. Einen öffentlichen Uferweg sucht man dort indes vergebens.

Toleriert Zugang

Hinzu kommt, dass vor von Bürens Grundstück ein Bootssteg mit mehreren Anlegestellen liegt, die vom Kanton vermietet werden. Einer der «Böötler» hat das Heu nicht auf der gleichen Bühne wie von Büren. Er fürchte, dass ihm durch das richterliche Verbot der Zugang zum Steg abgeschnitten wird. Claudio von Büren wiegelt ab: «Ich habe den Zugang immer toleriert und werde das auch weiterhin tun.»

Auch der schmiedeeiserne Zaun, den er ziehen liess, sei von Anwohnern kritisiert und als Verschandelung der Landschaft abgetan worden. Aber der Zaun sei ästhetisch, so von Büren, und keine Schikane, wie ihm vorgeworfen wurde - im Gegenteil: Der Zaun schütze die Boote vor den Badegästen am Sängli. Zudem sei er ordentlich bewilligt worden.
«Verletzt übergeordnetes Recht»

Im Interesse der Öffentlichkeit

Nun soll das Betreten des Grundstücks auch richterlich untersagt werden. Wer es trotzdem tut, soll mit einer Busse von 2000 Franken bestraft werden. So steht es in einer kürzlich veröffentlichten Publikation im Anzeiger. Die Ausschreibung hat den Gemeinderat von Selzach auf den Plan gerufen. Er erhebt Einsprache gegen das Verbot. Denn mit dessen Inkrafttreten wäre das Aareufer in Teilen nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Das verletze das Recht der uneingeschränkten Begehbarkeit der Uferzonen aller öffentlichen Gewässer in der Schweiz, das im Zivilgesetzbuch festgehalten ist.

Fakt ist: Auch das Raumplanungsgesetz auf Bundes- sowie Kantonsebene schützt den öffentlichen Zugang zu See- und Flussufern. «Das beabsichtigte Verbot verletzt somit übergeordnetes Recht und darf nicht in Kraft gesetzt werden», so der Gemeinderat. Um die Interessen der Öffentlichkeit zu wahren, hat der Rat Einsprache erhoben. «Der Uferbereich soll auf einer Breite von rund drei Metern öffentlich bleiben», sagt Gemeindeverwalter Christoph Brotschi.

Was weiter landeinwärts liege, sei tatsächlich von Bürens Privatangelegenheit. Der Gemeinderat beruft sich zudem auf eine Deklaration des Vereins Rives Publiques, der schweizweit für einen freien Zugang zu Seen und Flüssen und durchgehende Uferwege kämpft.

Bereits mit der letzten Ortsplanungsrevision hatte der Gemeinderat einen Anlauf genommen, um eine Uferzone auszuscheiden. Diese konnte jedoch nicht umgesetzt werden.
Anwohner hat die Nase voll

Ob am Aareufer bei Altreu schon bald eine Verbotstafel prangt, wird nun vom Richteramt Solothurn-Lebern entschieden. Claudio von Büren wird der Entscheid kaum mehr direkt betreffen. Nach sieben Jahren an exklusiver Lage an der Grebnetgasse mag er sich die Vorwürfe aus der Nachbarschaft nicht mehr anhören. Er will sein Einfamilienhaus verkaufen und zügelt nach Grenchen.