Grindel

Als junge Lehrerin am Königshof von Kairo und Konstantinopel

In Kairo war Imma Grolimund als Erzieherin aktiv. (Archiv)

In Kairo war Imma Grolimund als Erzieherin aktiv. (Archiv)

Imma Grolimund aus Grindel hatte ein bewegtes Leben, schrieb darüber und verfasste heimatliche Erzählungen.

In einem Nachruf, erschienen in der Schweizerischen Lehrerinnenzeitung von 1944, war zu lesen: «Am 30. März starb 72-jährig in Zürich die einstige Aarauer Lehrerin und spätere Schriftstellerin Imma Grolimund. In ihrem Buch ‹Der Weg zu Amon Ré› schilderte die Verstorbene die ‹Kreuzfahrt› ihrer einstigen Liebe, die sie aus zehnjährigem Wirken an einer Aarauer Schule hinweg einer ungewissen Zukunft in Afrika entgegenführte. Nach kurzer Ehe verlor sie ihren Gatten, war Erzieherin in Kairo, Sprachlehrerin in Konstantinopel und Barcelona. Später kam sie wieder in den Schuldienst in die Schweiz zurück.» Ein bemerkenswerter Lebenslauf für eine Frau in der damaligen Zeit. 

Imma Grolimunds (1872–1944) Vater Sigmund Grolimund stammte aus Grindel. Er war Lehrer in Rodersdorf und ein eifriger Volksliedsammler. Als Imma 16 Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Aarau, denn ihr Vater fand eine Stelle als Korrektor bei der damaligen Buchdruckerei Sauerländer. Imma, eigentlich Emma Grolimund, hatte noch vier Brüder. Sie erhielt, für ein Mädchen sehr fortschrittlich, eine Ausbildung. Sie ging ans Lehrerseminar in Aarau und wurde Primarlehrerin. Dann unterrichtete sie rund zehn Jahre auch in der Kantonshauptstadt und las als 30-Jährige eines Tages in der Zeitung ein Inserat, welches ihr Leben komplett veränderte. Sie begann einen Briefkontakt mit einem angeblichen Chilenen, der in Deutschland lebte. Der Mann war jedoch ein Deutscher und hatte sich den abenteuerlichen Namen «Amun Ré» als Pseudonym gegeben.

In Wirklichkeit hiess er Dietrich Mövius, ein weltgereister Geschäftsmann, der mehrere Sprachen beherrschte. Er verzauberte die junge Lehrerin, und sie beschloss, ihre sichere Stelle aufzugeben. Sie wollte es ihrem neuen Geliebten gleichtun, nämlich universal gebildet zu sein. Sie verliess die Schweiz und begann in München, Paris, Rom, Barcelona und Madrid, Kunst- und Literaturgeschichte zu studieren.

Danach wurde in Oberägypten Hochzeit gefeiert – auf zwei Kamelen, wie sie schrieb. Doch das Eheglück dauerte nicht lange, Emma wurde krank. Nach nur wenigen Monaten musste sie ihren Ehemann verlassen, um in Jerusalem, wo das Klima günstiger war, gesund zu werden. Doch während ihres Aufenthaltes in Palästina bekam sie die Nachricht, dass ihr Ehemann gestorben sei. 

Königskinder

Was sollte die Lehrerin nun so alleine im Nahen Osten tun? Was war mit ihrem Hausrat, mit ihren Büchern? Glücklicherweise hatte Emma Mövius-Grolimund durch die Geschäfte ihres Mannes gute Beziehungen zum ägyptischen Königshof. Sie wurde im Palast von Kairo als Hauslehrerin aufgenommen und wurde, nachdem die Familie aus dem Land flüchten musste, später Erzieherin in Konstantinopel.

Wegen einer Kropfoperation und eines Herzleidens kam sie Jahre später wieder in die Schweiz, nach Bern. Scheinbar des Auslandes überdrüssig, entschloss sie sich, eine ausgeschriebene Stelle als Lehrerin der Gesamtschule im kleine Aargauer Dorf Uezwil anzutreten. Nach Königskindern sollten Bauernkinder ihre Schüler sein. In Uezwil blieb sie bis zu ihrer Pensionierung.

Sie übersiedelte noch einmal, und zwar nach Zürich, wo sie begann, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Ihre Bücher «Der Weg des Amon Ré», die Erinnerungen an ihr Leben in Ägypten oder «Die Eulenfibel», ein Roman aus der Urzeit, waren damals gut verkaufte Lektüren. Oft reiste sie in jenen Jahren in ihre alte Heimat, das Schwarzbubenland: Nach Nunningen, Bärschwil, Breitenbach oder Mariastein und schuf eine Reihe von Erzählungen.

Einige davon hat nun der Herausgeber der «Solothurner Klassiker» Hans Brunner, ehemaliger Lehrer und Konservator des Historischen Museums Olten, zusammengestellt. Sie sind in einem weiteren Bändchen der Reihe aus dem Knapp Verlag Olten zu finden. Neben einigen Artikeln, die das Leben von Imma Grolimund beschreiben, sind geschichtliche oder reportage-artige Schilderungen aus dem Schwarzbubenland zu finden. All diese Erzählungen sind in den 1930er- bis zu den 1960er-Jahren im «Dr Schwarzbueb» erschienen. Eine Neuentdeckung, die sich lohnt.

«Solothurner Klassiker – Imma Grolimund, Grindel», 124 Seiten, und «Solothurner Klassiker – Walter von Arx, Solothurn», 108 Seiten, beide Olten, Knapp Verlag, je 34 Franken.

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