Wunder von Büsserach
Als Ida Jeker plötzlich Holz spalten konnte

Vor genau 80 Jahren ereignete sich das Wunder von Büsserach. Ida Jeker, die einen verkrüppelten Arm und epileptische Anfälle hatte, wurde bei einem Besuch des Grabes von Bruder Klaus geheilt. Ein Wunder.

Esther Lawrence-Vögtli
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«Wie ein elektrischer Schlag fuhr es durch meinen ganzen Körper»: Ida Jeker, vormals schwer krank, beim Holzhacken.

«Wie ein elektrischer Schlag fuhr es durch meinen ganzen Körper»: Ida Jeker, vormals schwer krank, beim Holzhacken.

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Die 1918 geborene Ida Jeker ist die vierte von sechs Töchtern einer mittellosen Bauernfamilie aus Büsserach. Als Ida zweieinhalb Jahre alt ist, zieht ihre Schwester Erna sie unachtsam aus dem Bettchen und verletzt ihr dabei das Oberarmgelenk. Idas linker Arm verkümmert, am Oberarm klafft eine bleibende Wunde, die eitert und bis auf den Knochen reicht.

Esther Lawrence-Vögtli Die Autorin ist freie Journalistin, sie wohnt in Breitenbach. 

Esther Lawrence-Vögtli Die Autorin ist freie Journalistin, sie wohnt in Breitenbach. 

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Im Schulalter folgt ein weiteres Leiden: Das sogenannte fallende Weh, wie man Epilepsie damals im Volksmund nennt. Mehrere Anfälle erleidet das Mädchen pro Woche. Nur selten kann es die Schule noch besuchen: Im Winter bringt man es auf dem Schlitten, im Sommer mit einem Wägelchen. Epileptische Anfälle und Schmerzen bestimmen Idas Alltag und belasten sie an Leib und Seele. Die Ärzte prognostizieren, «dass sie wohl kaum dreissig Jahr alt werde». Ida leidet. Und betet in ihrer Verzweiflung zu Bruder Klaus. Auf ihm, zu seiner Zeit (1417–1487) selbst Vater von zehn Kindern, ruht ihre ganze Hoffnung.

Als die Marienkongregation am 26. Juni 1937 eine Wallfahrt zum Grab des seligen Einsiedlers plant, will Ida unbedingt teilnehmen. Der Arzt ist dagegen und lehnt jede Verantwortung ab. Zu schwach sei die mittlerweile bettlägerige junge Frau für eine Carreise. Idas Wille ist stärker. Sie fährt mit und erhält in der Pfarrkirche in Sachseln Gelegenheit, den Leibrock des Eremiten zu berühren.

Ida führt mit ihrer gesunden Hand den verkrüppelten linken Arm zur Reliquie. «Wie ich nun den Rock des Bruder Klaus berührte, fuhr es wie ein elektrischer Schlag durch meinen ganzen Körper. Es durchzuckte mich in Händen und Füssen und im Kopf zugleich, und es war fast schon ein Wunder, dass ich nicht laut aufschrie. Ich spürte eine Veränderung, getraute mich aber nicht, etwas zu sagen», erzählt Ida Jeker im Buch «Das Wunder von Sachseln» von Walter Studer.

Später, allein auf einer Bank, spürt sie Kraft in ihrer linken Hand und wagt es, Arm und Finger zu bewegen. Es gelingt ihr mühelos. Schmerzfrei. Unter dem Wundverband ist auch das tiefe, eiternde Geschwür verschwunden. Nicht einmal eine Narbe zeugt mehr davon. Ein Wunder!

Ida ist überzeugt: «Hätte man mich tot heimgebracht, meine Eltern wären kaum mehr erschrocken!» Der Vater drückt seiner Tochter einen Stuhl in die Hand, heisst sie, diesen mit dem linken Arm zu stemmen. Ida hievt das Sitzmöbel linkshändig in die Höhe. Fünfmal! Und schon am übernächsten Tag sieht man die zuvor schwerkranke Frau beim Holzspalten und Kirschenpflücken. Vom fallenden Weh ist sie ab dem wundersamen Moment in Sachseln ebenfalls geheilt.

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht von Idas Heilung, und Scharen von Menschen kommen, um sie zu sehen. Die unglaubliche Geschichte gelangt bis in den Vatikan, der die Heilung nach kirchenrechtlichem Verfahren prüft. Immer wieder wird Ida untersucht, befragt, und zuletzt vor ein geistliches Gericht geladen. Richter, Ärzte und Wissenschaftler kommen übereinstimmend zum Schluss, dass die Heilung nach Kriterien der Wissenschaft nicht erklärbar ist, und Papst Pius XII. anerkennt Ida Jekers Heilung schliesslich als Wunder. Ihre und die 1939 eingetretene Wunderheilung der an Multipler Sklerose erkrankten Bertha Schürmann aus Egerkingen bilden die Grundlage für die Heiligsprechung des Niklaus von Flüe.

Am 15. Mai 1947, dem Tag der Heiligsprechung, werden Ida Jeker und ihre Eltern vom Papst empfangen. 6000 Pilger folgen der Familie nach Rom, um den Feierlichkeiten beizuwohnen. Büsserach ehrt die Ereignisse um seine berühmte Einwohnerin mit einer neuen, «ihrem Fürbitter und Helfer» geweihten Kirchenglocke und Messkelch.

Insgesamt 17 Mal kehrt Ida noch mit Familie und Bekannten nach Sachseln zurück. Immer zu Fuss. Nach ihrer Heirat mit Alois Schwarb zieht sie nach Pratteln, bleibt ihrer Heimatgemeinde aber bis zu ihrem Tod im Jahr 2010 eng verbunden. Ihre letzte Ruhestätte finden Ida und ihr kurz vor ihr verstorbener Mann denn auch in Büsserach. Ihr Grabmal ziert – wie könnte es anders sein – ein Bildnis des heiligen Bruder Klaus.

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