Gemeindepräsidium Zuchwil

«Als Gemeindepräsident hat man mehrere Herren, denen man dienen muss»

Stefan Hug und Carlo Rüsics, beides Kandidaten für das Gemeindepräsidium, diskutierten im Zuchwiler Lindensaal - Stephan Schöni wollte nicht. Die beiden Vertreter der Pol-Parteien unterschieden sich mehr im Äusseren als inhaltlich.

Rein optisch haben sie sich deutlich voneinander unterschieden, der grössere und ältere Stefan Hug im parteiroten Hemd und der kleinere Carlo Rüsics im eleganten Anzug, der einst zu Hugs Frau in die Schule ging. Die Ansichten, welche die beiden Kandidaten am Gemeindepräsidenten-Podium im Zuchwiler Lindensaal vertraten, waren hingegen häufiger kompatibel, als man das von Vertretern zweier Pol-Parteien erwartet hätte. So beteuerte der ehemalige Fusionsgegner Rüsics, dass er als Gemeindepräsident sein «Bauchgefühl abstellen» und - wie auch Hug - offen an die Fusionsverhandlungen herangehen würde. Nur wer offen sei, könne sich überzeugen lassen. «Ich bin kein Wendehals», versicherte der SVPler. «Aber ich bin flexibel.»

Selbst als Silvio Auderset, Zuchwiler SVP-Präsident, bei der Fragerunde wissen wollte, was man gegen die abwandernden Schweizer Steuerzahler im Dorf unternehmen wolle, schienen die beiden Kandidaten ein Herz und eine Seele. «Es entstehen neue Wohnräume in Zuchwil, die sicher auch wohlhabende Leute anlocken werden», sagte SP-Kandidat Hug. «Ob das jetzt Schweizer sind oder nicht, ist mir eigentlich egal. Zuerst kommt der Mensch, dann die Nationalität.» Rüsics nickte: «Für mich auch.»

Die Gemeinde ins Lot bringen

Für kontroversere Meinungsäusserungen sorgte die wirtschaftliche Entwicklung Zuchwils. «Bei der momentanen finanziellen Lage können wir keine heiligen Kühe unangetastet lassen», so Rüsics. «Wir müssen das Parteihemd ausziehen und das weisse Kommunionshemd anziehen.» Er wolle etwa das Kinder- und Jugendzentrum (das er im Übrigen sehr schätze) wie auch das Sportzentrum in private Hände übergeben und «valable juristische Personen» nach Zuchwil holen.

Firmen ansiedeln will auch Hug. Mit der Synthes und anderen Betrieben sei man bereits auf gutem Weg. «Ein Umbruch ist vorhanden», sagt er. «Es gibt Möglichkeiten, die Gemeinde finanziell wieder ins Lot zu bringen. Mit Sparen allein ist das aber nicht gemacht.» Auf die Ausgaben habe die Gemeinde nur bedingt Einfluss, und man wolle das Dorf ja attraktiv halten, um gute Steuerzahler anzulocken. Er bevorzuge daher eine «Flucht nach vorne». Man müsse investieren, um Geld zu schöpfen. Und letztlich brauche es wohl auch ein wenig Glück.

Firma so gross wie Coop und Migros zusammen in Zuchwil?

«Glück is no option», konterte Rüsics, bevor er ein regelrechtes Wundermittel präsentierte: Er habe Kontakt zu einer Firma, die so gross wie Coop und Migros zusammen sei und einen Holding-Sitz in Europa suche. Die könnte Zuchwil zu Wohlstand verhelfen. Um welche Firma es sich handelt, wollte der SVP-Mann aber selbst auf Nachfrage des Moderators Christof Ramser (Solothurner Zeitung) nicht verraten. Hug zeigte sich skeptisch. «Es gibt durchaus Firmen, die nach Zuchwil ziehen. Auch wenn sie nicht doppelt so gross sind wie die Migros oder das Coop. Die Barrieren für Unternehmen werden niedrig gehalten.» Wichtig sei dabei eine unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Behörden, nicht der Steuerfuss. Dem Sportzentrum stehe indes auch er kritisch gegenüber. «Wenn es aber so einfach wäre, dort eine Lösung zu finden, dann hätte man sie inzwischen vermutlich umgesetzt.»

Ein Diener mehrerer Herren

Ein unkonventioneller SVPler und ein SP-Mann, der Schulleiter ist, aber intensiv über die Wirtschaft diskutiert: Das Publikum kriegte im gut gefüllten Lindensaal einiges geboten, auch wenn der dritte Kandidat, Stephan Schöni von der FDP, der Veranstaltung fernblieb. Überrascht zeigte sich ein Zuschauer aber schon, dass trotz FDP-Absenz so wenig über soziale Themen gesprochen wurde. «Zur Bildung und der sozialen Wohlfahrt müssen wir Sorge tragen», erklärte Hug. Aber dazu brauche man finanzielle Mittel.
Eine weitere Zuschauerin wunderte sich, was man denn nun von dem «flexiblen» Rüsics halten solle, der sich gelegentlich widerspreche und nach eigener Aussage «mehrere Hüte» tragen kann. Das gehe gar nicht anders, so Rüsics. «Als Gemeindepräsident hat man mehrere Herren, denen man dienen muss.»

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