Es gibt sie, Paare, die unterschiedliche Hobbys nicht nur akzeptieren, sondern den Partner in allem unterstützen und motivieren. Früher assistierte Rosemarie Lätt ihrem Mann beim Pferdesport und der Pferdezucht, heute geht Kurt Lätt der ehemaligen Postbeamtin bei den Apéros zur Hand. «So kann ich ihr etwas zurückgeben. Ohne Rosemarie hätte ich mich nicht voll im Beruf einsetzen und meine Passion leben können», sagt er und blickt liebevoll auf seine Frau. Sie haben sich sehr jung kennen und lieben gelernt, drei Töchter grossgezogen und nach der ersten Station im Bucheggberg in Rüttenen sowie in Bellach gewohnt.

Damals betreute Kurt Lätt die Pferde vom Fraisa-Gründer Hans Stüdeli und arbeitet 16 Jahre als Allrounder im Betrieb des Patrons. Als er zur Décolletage Glatzfelder nach Selzach wechselte und in Altreu Land kaufte, pendelten sie oft zur Baustelle. Landwirt Urs Reinhard ermunterte sie, bis das Haus bezugsbereit sei, in einem seiner Bauernhäuser zu wohnen. «Das komfortable Angebot war aber an eine Bedingung geknüpft», schmunzelt Rosemarie Lätt. «Wir mussten die verwaiste ‹Chäsi› führen respektive am Morgen und am Abend die Milch annehmen.»

Mulmiges Gefühl

Das Ehepaar ging die Verpflichtung ein, und nach einem Monat hiess es antreten. «Uns war mulmig zumute», erinnert sich Kurt Lätt. Für einmal waren alle Landwirte versammelt und beschieden ihnen, sie seien jetzt aufgenommen und richtige «Altriger». Franz Affolter, damaliger Präsident der Milchgenossenschaft, ermahnte sie, einfach nie zu sagen, dass sie zwischen Bellach und Bettlach wohnen. Den Namen des Dorfes sprach er nicht aus. «Das Wort Selzach war bei den Bauern verpönt. Wer im Storchendorf wohnt, lebt in Altreu und ist Altriger.»

Früher betrieben elf Landwirte Milchwirtschaft, heute bewirtschaften noch fünf Bauern das Land, wobei nur noch einer Kühe hält. Vom Bauern versteht Kurt Lätt etwas, ist er doch auf einem Hof in Mühledorf aufgewachsen und diplomierter Landwirt. «Aber mir stehen Pferde näher als Kühe», witzelt der ehemalige Champion im Spring- und Dressurreiten und Wagenfahren, der nicht nur viele Siege einheimste, sondern auch als Dragoner und als Pferdezüchter Furore machte. Obschon seine Frau sich anfänglich vor den edlen Tieren fürchtete, war sie immer an Kurts Seite.

Sie hielt ihm den Rücken frei und fungierte als Pferdepflegerin. Einmal seien sie zu spät an einem Wettkampf eingetroffen. Wegen der tiefen Startnummer blieb dem Reiter keine Zeit, den Parcours zu studieren. «Also schickte ich Rosemarie auf Erkundungstour. Da ich mir die vielen erst Links, dann Rechts, dann ... nicht merken konnte, lotste sie mich mit Zurufen durch die Prüfung», erinnert er sich voller Stolz auf das erfolgreiche Teamwork. Kurt Lätts Leidenschaft hat nicht nur manchen Ratsuchenden geholfen, die Pferde zum «Anreiten» unterstellten, sondern jahrelang den Familienalltag bestimmt.

Zwei «Chrampfer»

Ein lebensgrosses Pferd im Garten erinnert an das verstorbene Lieblingstier, dem er in einem kürzlich erschienenen Buch ein Denkmal setzte. «Irgendwann gibt es eine Vernissage», erklärt Rosemarie. Bestimmt zaubert sie dann einen so fantasievollen Apéro auf den Tisch, wie sie diese jeweils bei Events in der Storchensiedlung oder nach den Konzerten im Museum Blumenstein serviert. Rosemarie Lätt ist zudem bei den Landfrauen aktiv und früher im Frauenverein. Ihre selber gemachten Häppchen schmecken nicht nur hervorragend, sondern sind eine Augenweide. Perfekt wie alles, was sie anpackt.

Als sie neu am Postschalter arbeitete, gab es noch keine Navigationsgeräte und Fremde fragten auf der Post nach dem Weg. «Als ich eine Strasse nicht kannte, radelte ich am Sonntag durch das Dorf, um die Adresse zu erkunden, damit ich künftig richtig Auskunft geben konnte.» Fragen zum Mithelfen hat das Ehepaar meistens bejaht. Lätts sind zwei «Chrampfer», beide Anfang siebzig, die geistig und körperlich vital geblieben sind und sich voller Elan für ehrenamtliche Projekte engagieren.