Hans heisst der heutige Landwirt, der mit seiner Frau, der welschen Catherine, den Hof in Schwung hält. Als sein Nachfolger steht bereits der Sohn fest, der sich eidgenössisch diplomierter Landwirt nennen darf. Doch die Idylle ist gefährdet. Ein böser Nachbarschaftsstreit verhindert das Projekt eines Kuhstalls.

Das Land, auf dem sie bauen wollen, liegt in der landwirtschaftlichen Freihaltezone. Gebaut werden darf einzig für landwirtschaftliche Zwecke. So bestimmt es das Reglement, das heisst, bestimmten es die damaligen lokalen Verfasser, die das landschaftliche Bild des Dorfes erhalten wollten. Ein Freilaufstall sollte da schon möglich sein, vermutet man.

So war Reglement nicht gemeint

Gegen das Vorhaben von Hans Affolter und Familie wendet sich seit längerer Zeit der Nachbar. Bis vors Bundesgericht ging er mit seinem Begehren und erhielt dort Recht. Das stört gar die Gemeindebehörde. «Die Leute, die seinerzeit das Reglement ausgearbeitet haben, leben noch. Man kann sie befragen, wie das Reglement auszulegen ist. Sicher nicht so, wie es die Herren am Bundesgericht am Bürotisch entschieden haben. Sinn und Zweck der Freihaltezone war eine andere», sagt Gemeindepräsident Roger Siegenthaler.

Der Streit zwischen Landwirt Hans Affolter und seinem Nachbarn fand immer gehässigere Formen. Im letzten Jahr sah man sich vor Amtsgericht wieder. Diese Zeitung schrieb damals: Sie kennen sich von Kindheit an, waren Spielgefährten und haben zusammen die Primarschule besucht. Bis vor vier Jahren waren sich die beiden wohlgesinnt. Dies sollte sich schlagartig ändern, als der Landwirt plante, einen neuen Kuhstall zu errichten. Der Nachbar erhob Einsprache. Es entbrannte ein unschöner Streit. Der Landwirt soll Drohungen ausgesprochen und den Nachbarn schikaniert haben. Der Nachbar wiederum antwortete mit Anwälten und eingeschriebenen Briefen. In der Verhandlung kam es zu einem Vergleich. Der Landwirt verpflichtete sich, auf dem Grundstück nur Rindvieh zu halten. Der Nachbar verpflichtete sich, einen Bau nicht zu bekämpfen.

Die Baubewilligung für den Kuhstall wurde aber zuvor schon vom Bundesgericht aufgehoben, weil dieses Sinn und Zweck der Freihaltezone anders interpretierte als die seinerzeitigen Verfasser.

Nun soll aber alles gut kommen. Die Affolters hoffen auf die Ortsplanungsrevision. Darin könnte ihr Land von der Freihaltezone in Landwirtschaftsland umgezont werden. Und der Stall schliesslich gebaut. Aber zur Umzonung der Freihaltezone in die Landwirtschaftszone wurde eine Beschwerde eingelegt. Diese stammt von der Firma AT Immobilien, in deren Besitz eine Doppelgarage ist. Die Garage liegt gegenüber vom Haus des Nachbarn und grenzt nicht an das Land des Bauern. Im Gerichtsfall vor einem Jahr bestätigte der Nachbar, dass er die Aktienmehrheit der Firma besitzt und VR-Präsident ist.

Es droht eine Aussiedlung

«Ein Buebetrickli», sagte der Gemeindepräsident beim Ortstermin vor dem Bauernhaus der Familie Affolter verärgert. Gemeint ist die Beschwerde der Immobilienfirma. Zum Ortstermin erschien eine Delegation des Bau- und Justizdepartements unter der Leitung der Juristin Regula Reber, die Rechtsvertretung der Beschwerde führenden AT Immobilien, Affolters mit einem Sachvertreter vom Wallierhof, die kommunale Baubehörde und der Gemeindepräsident samt Rechtsvertreter. Die Delegation sollte an diesem Tag noch weitere Beschwerden im Rahmen der Ortsplanungsrevision Lüterkofen vor Ort anschauen und beurteilen. Der erste Termin war eben bei Affolters.

Bemerkenswert war: Kann die Familie den Kuhstall nicht bauen, droht eine Aussiedlung. Die Freihaltezonen wurden vor zwölf Jahren eingeführt, um Landschaftsschutz zu betreiben. Diesen mache man heute mit dem Vernetzungsprojekt. Deshalb seien die Freihaltezonen nicht mehr erwünscht. Die Ortsplanung hatte zwei Mitwirkungsphasen. An der ersten wurden die lokalen Freihaltezonen nicht verändert. Bei der zweiten Mitwirkung seien die Bauern gemeinsam aufgetreten und hätten verlangt, alle Freihaltezonen im Dorf in Landwirtschaftsland umzuzonen. Diese liegen verstreut in der Gemeinde. Einzig die Freihaltezone im Kern der Gemeinde soll bleiben, um das besondere Dorfbild nicht zu verändern. Die Vertreterin der Immobilienfirma monierte dieses Vorgehen und erklärte die Beschwerde damit, dass ihr Klient den räumlichen Schutz durch die Freihaltezone beanspruche.

Die Chancen sind da, dass der Kanton die Umwandlung der Freihaltezone in Landwirtschaftszone akzeptiert und die Beschwerde abweist. Noch lieber wäre es aber Gemeindepräsident Roger Siegenthaler, «wenn nun nach diesem Ortstermin die Beschwerde zurückgezogen wird». Dann könnten Affolters auch die nächsten Jahre auf ihrem Hof in der Breite Landwirtschaft betreiben.