Asylzentrum
Aedermannsdorf soll 30 bis 40 Asylsuchende aufnehmen

Im ehemaligen Landgasthof Eisenhammer in Aedermannsdorf sollen Asylsuchende einquartiert werden. 30 bis 40 an der Zahl. Das will die Gemeinde nicht so hinnehmen. «Wir haben gute Gründe uns zu wehren», meint Gemeindepräsident Bruno Born.

Alois Winiger
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So kennt man den stattlichen Gasthof mit Scheune von der Kantonsstrasse her, ursprünglich führte diese vor dem Haus durch. Bruno Kissling

So kennt man den stattlichen Gasthof mit Scheune von der Kantonsstrasse her, ursprünglich führte diese vor dem Haus durch. Bruno Kissling

Sehr schnell verbreitete sich die Nachricht im Ort und in der Umgebung: Im ehemaligen Landgasthof Eisenhammer in Aedermannsdorf sollen schon bald Asylsuchende untergebracht werden. Entsprechende Kommentare folgten auf dem Fuss: «Gehts noch? Aber sicher nicht dort!», hiess es sinngemäss am häufigsten. «Kunststück», hiess es anderswo, «wenn man ein Haus nicht sonst wie verkaufen oder vermieten kann, dann bietet man es eben dem Kanton als Unterkunft für Asylsuchende an.» Man wisse ja, dass Räume gebraucht werden.

Eine Art Weihnachtsbotschaft

«Ja, es ist so. Von 30 bis 40 Personen ist die Rede, und zwar bereits ab Februar», bestätigt Gemeindepräsident Bruno Born auf Anfrage. Dass im Dorf niemand deswegen Freudensprünge macht, dürfe ja kaum erstaunen. «Ich tu es auch nicht», schiebt Born nach, «und wir akzeptieren die Situation nicht einfach so.» Das Unbehagen in der Bevölkerung sei ernst zu nehmen.

Die Nachricht vom Amt für soziale Sicherheit kam telefonisch just vor Weihnachten am 22. Dezember, zum Reagieren blieb kaum mehr Zeit, denn involvierte Büros hatten bereits tags darauf geschlossen. «Den Anwalt habe ich noch erreicht. Mit ihm klären wir ab, wie wir uns wehren können. Wir haben gute Gründe dafür.» Der gesamte Gemeinderat, der sich unverzüglich zu einer ausserordentlichen Sitzung eingefunden hat, sei einhellig derselben Meinung.

Widerspricht Gomms Aussage

«Natürlich ist uns bewusst, dass Lokalitäten zur Verfügung gestellt werden und wir gesetzliche Bestimmungen akzeptieren müssen», sagt Born weiter. «Aber es kommt auf den Standort an, und jener bei uns widerspricht genau dem, was Regierungsrat Peter Gomm im Interview zum Landammannjahr erklärt hat: Die neuen Unterkünfte sollen in der Nähe der Zentren sein, weil dort die Kontrolle durch die Polizei besser funktioniert.» Man frage sich ernsthaft, wie das in Aedermannsdorf gewährleistet werden solle, zumal im Thal die Polizeipräsenz vor etwa zwei Jahren reduziert worden sei.

Fragen seien auch in Bezug auf das Gebäude offen, sagt Born. «Es ist zwar ein Gasthof, aber wir wollen noch genau wissen, ob die Liegenschaft einfach so und vor allem so schnell für den neuen Zweck umgenutzt werden kann.» Vom Amt für soziale Sicherheit waren dazu gestern keine Angaben erhalten.

Wie im Dorf richtig vermutet wird, kam das Angebot an den Kanton vom Liegenschaftsbesitzer, dem im Aargau wohnenden Dieter Meier; seine Gattin hat den Sachverhalt bestätigt. Der Betrieb als Gastwirtschaft sei vor wenigen Jahren aufgegeben worden. Von sich reden gemacht hatte der «Eisenhammer» Ende 2002. Weil die Erträge nicht zum Überleben reichten, eröffnete die damaligen Betreiber zusätzlich ein Nachtlokal mit Bauchtanz und Striptease im Angebot. Der Erfolg blieb aus.

Beginn zu von Rolls Zeiten

Die Wurzeln des Landgasthofs Eisenhammer gehen gemäss Dokumentation «700 Jahre Aedermannsdorf» von Albert Vogt ins Jahr 1821 zurück. Damals wurde auf Betreiben von Ludwig von Roll, der in unmittelbarer Nähe eine Eisenhütte betrieb, das Tavernenrecht zugesprochen. Damit verbunden war, warme Speisen zu servieren und Gäste übernachten zu lassen.

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