Feldbrunnen
Adrian Flury kauft sich «Spielwiese für das Alter»

Adrian Flury hat mit der Villa Serdang in Feldbrunnen viel vor. Der neue Besitzer baut die 18-Zimmer-Villa zu einem nicht für alle öffentlichen Begegnungsort für Kultur um.

Bruno Utz
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In der Villa Serdang haben derzeit noch die Handwerker das Sagen.

In der Villa Serdang haben derzeit noch die Handwerker das Sagen.

Bruno Utz

«Die Villa Serdang hat 18 Zimmer, Säle mit antiken Cheminées und originalen Kronleuchtern, einige Ateliers, einen nostalgischen Wintergarten mit altem Original-Steinboden aus dem 18. Jahrhundert, einen Weinkeller sowie mehrere Nebenräume.» So wurde die im Jugendstil erbaute Immobilie am westlichen Dorfrand von Feldbrunnen in den Verkaufsunterlagen unter anderem beschrieben. Als Verhandlungspreis nannte die Maklerin den Betrag von gut 4 Millionen Franken.

«Als Spielweise für das Alter hatte ich schon immer so etwas gesucht. Das Haus ist 100-prozentig geeignet für das, was ich machen will», sagt der 56-jährige Adrian Flury. Den bereits im März 2011 erfolgten Kauf möchte der in Günsberg wohnende Unternehmer – er besitzt die weltweit in Bahntechnik, Blitzschutz und Energienetztechnik tätige Arthur Flury AG in Deitingen– nicht an die grosse Glocke hängen. «Ich realisiere zwar einen Kultur-Begegnungsort, mache die Villa aber nicht öffentlich», erklärt Flury. Er wolle keine Eintrittsbillette verkaufen und benötige weder Sponsoring noch Marketing.

Serdang: Villa trägt Namen eines Sultanats aus Sumatra

Friedrich Alfred Lüthy wurde 1851 als jüngster Sohn des Kommandanten und Pulverhändlers Eduard Lüthi in Solothurn geboren. 1859 kaufte Eudard Lüthy den Feldbrunnenhof an der Baslerstrasse. Wie seine zwei Brüder wählte Friedrich A. Lüthy den Kaufmannsberuf und ging ins Ausland. 1877 wurde er Assistent auf einer grossen Tabakplantage der Schweizer Firma Näher und Grob im Sultanat Serdang auf Sumatra. Lüthy und sein Partner leiteten später die Plantage. Im Frühjahr 1890 kam der Bürger von Solothurn mit einem grossen Vermögen nach Feldbrunnen zurück (nach heutigem Wert über 16 Millionen Franken). Hier liess er 1892/93 durch die renommierten Zürcher Architekten Alfred Chiodera und Theophil Tschudy den Feldbrunnenhof zur Villa Serdang umbauen.

1894 heiratet Lüthy Dora Arbenz, die Tochter eines früheren Zürcher Kantonalbankdirektors. Lüthy engagierte sich wenig in seiner Wohngemeinde und lag immer wieder mal im Streit mit ihr. Hingegen war er ein grosser Förderer des heutigen Naturmuseums und sozialer Institutionen der Stadt Solothurn. Lüthy starb 1909. Bis Mitte der 1920er-Jahre blieb die Familie Lüthy die wichtigste Steuerzahlerin von Feldbrunnen-St. Niklaus.

Quelle: Feldbrunnen-St. Niklaus. Ein Porträt.

Auf höchstem Niveau

Wie ist Flurys Bemerkung, «als Unternehmer will ich etwas an die Gesellschaft zurückgeben», denn zu verstehen? Im Anschluss an «Classic Solothurn»-Konzerte könne er sich Soloauftritte von Künstlern in der Villa Serdang vorstellen. Aber einzig für geladene Gäste. «Der Saal bietet nur Platz für 50 Personen», verweist Flury auf die räumlichen Vorgaben. Ein Steinway-Flügel sei bereits vor Ort. Der Eröffnungsevent sei für den September geplant. «Klein, aber auf höchstem Niveau», laute sein Motto. Derzeit sei er noch mit einer Künstleragentur in Zürich am Verhandeln.

Er beginne in bescheidenem Rahmen. Flury: «Wenn ein Bedürfnis für solche Anlässe besteht, baue ich aber gerne aus.» Ein Konzept bestehe, dieses müsse aber nicht umgesetzt werden, lässt sich Flury selber Freiheit und Zeit. «In erster Linie muss ich meine Firma führen, die geht vor.» Im Obergeschoss würden Büros eingerichtet. Er kenne viele Leute, die gerne einen passenden Raum mieten möchten.

Für spezielle Anlässe werde er auch den Saal zur Verfügung stellen. «Etwa für Sitzungen von Verwaltungsräten oder für Diskussionsrunden der Handelskammer», nennt Flury zwei Beispiele. Falsch liege jedoch, wer seine Hochzeit in der Villa feiern möchte. Im Rahmen des umfassenden Umbaus werde die Villa wieder in die Zeit ihrer Erbauung zurückgeführt. «Ich mache sie aber modern nutzbar», betont Flury. Der Name Serdang gefalle ihm, es sei sein Ziel, diesen wieder in den Vordergrund zu rücken. Mit Friedrich A.Lüthy – der Erbauer der Villa war viele Jahre Manager einer Tabakplantage auf Sumatra (vergleiche Kontext) – verbinde ihn eine Art Seelenverwandtschaft. «Lüthy verdiente sein Geld wie ich im Ausland», erklärt Flury.

Galerie Vita zog nach Bad Zurzach

Zum Kaufpreis sind weder von Flury noch von der vorherigen Besitzerin, der Galeristin Anita Keller, Angaben erhältlich. «Unter Berücksichtigung meiner Umbaukosten löste ich weniger als ich 2003 für die Villa bezahlte», sagt Keller. Nach dem Kauf zügelte Keller ihre Galerie Vita von Bern nach Feldbrunnen. Jetzt führt sie ihre Galerie im aargauischen Bad Zurzach weiter. «Im Vergleich zu Feldbrunnen sind wir hier sehr klein, können aber sehr viel zeigen», sagt Keller. Von Adrian Flury habe sie seit September 2011 nichts mehr gehört. «Er versprach damals, mich und meinen Lebenspartner zum Eröffnungsanlass einzuladen.»

Ebenfalls mit einem gelegentlichen Aufgebot rechnet die Gemeinde Feldbrunnen. «Wir sind froh, dass wieder Leben in die Villa Serdang kommt», kommentiert Gemeindepräsident Rolf Studer Flurys Absichten. Gemeinsam müsse man noch die Parkplatzsituation anschauen. Feldbrunnen könne sich zusätzliche «Rasenziegelparkplätze» auf dem Gemeindeland bei der Einmündung des Längweges in die Baselstrasse vorstellen. «Damit könnten wir gleichzeitig das Parkierproblem des Schlosses Waldegg lösen.»