Repla Espace Solothurn

Abtretender Präsident der Repla hat gerne provoziert

Johannes Friedli tritt als Präsident der Repla Espace Solothurn zurück

Johannes Friedli tritt als Präsident der Repla Espace Solothurn zurück

Nach zehn Jahren tritt Johannes Friedli am Freitag als Präsident der Regionalplanungsgruppe Espace Solothurn zurück. Eine klare Linie, Ausdauer und Beharrlichkeit bestimmten sein Schaffen. «Zielstrebig», so bezeichnen ihn die Mitglieder des Repla-Vorstands.

Daneben gab es auch Stimmen, die ihm Sturheit vorgeworfen haben. Jetzt sei er leer, sagt Johannes Friedli im Vorgespräch zu diesem Interview. «Ich habe gemacht was ich konnte. Es gibt eigentlich nichts mehr zu sagen». Trotzdem soll das Gespräch eine Stunde dauern.

Im Vorwort zum letzten Repla-Jahresbericht schreiben Sie: «Neues schaffen heisst Widerstand leisten». Sind Sie mit ihrer Haltung nicht auch manchen auf die Füsse getreten?
Johannes Friedli: Ich habe mit dieser Aussage bewusst gerne provoziert. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Stéphane Hessel, von dem dieser Ausspruch stammt, hat ja nicht nur pauschal zur Empörung aufgerufen. Er hat in seinem Leben sehr vieles ermöglicht. Ich habe bewusst immer auch Aussagen gemacht, die am Ziel vorbei geschossen sind. Provokation kann durchaus belebend wirken.

Haben Sie es sich mit der Provokation nicht auch mit vielen verscherzt?
Das muss einem in diesem Amt vielleicht sogar egal sein. Bei einem Kritiker setze ich voraus, dass er sich mit einer Thematik auseinandergesetzt hat. Wenn ich jedoch spüre, dass jemand nur kritisiert, weil er keine besseren Argumente findet, kann ich das nicht ernst nehmen. Ich habe mich immer an denen orientiert, die etwas erreichen wollen. Kritik muss weiterführen statt verhindern. Ein Verein mit der Zielsetzung der Repla verträgt ein gewisses Mass an Reibungsverlusten. Aber eigentlich lebt er nur von dem, was er erreicht. Die Unterstützung habe ich sehr oft ganz direkt und motivierend erfahren.

Was gab Ihnen die Gewissheit, in die richtige Richtung zu gehen?
Nehmen wir das Beispiel Verkehr. Da geht es in unserer Region darum, Missstände, Belastungen und Störungen zu beheben, die unsere Lebensqualität beeinträchtigen. Sei es aufgrund von Lärm, schlechter Luftqualität oder wegen unbefriedigender Wohnsituationen in manchen Dörfern. Dass ich mich in diesen Bereichen für eine qualitative Verbesserung einsetze, ist doch klar. Da müssen wir nur den politischen Willen definieren, und dann handeln. Es gibt genügend Untersuchungen, Verkehrsmodelle, auch die Zielsetzungen vom Bund, die den Weg weisen.

Die Repla hat vieles für den Langsamverkehr getan, aber wenig für den motorisierten Individualverkehr. Richtig?


Das stimmt überhaupt nicht. Aber in den letzten 50 Jahren hat man vor allem an den Individualverkehr gedacht. Offenbar wollen wir diese Art der Mobilität. Doch wir haben einen hohen Preis dafür bezahlt. Dörfer und Landschaften gingen dabei kaputt. Viele sind heute davon gesättigt. Wenn wir die Infrastruktur für den Individualverkehr ständig weiter ausbauen, vergrössern wir die Probleme und Belastungen.

Was sagen Sie jemandem, der auf das Auto angewiesen ist?
Wenn wir den öV und den Langsamverkehr fördern, bringen wir Autos von der Strasse weg. Der Strassenraum steht damit jenen zur Verfügung, die ihn im beruflichen Alltag brauchen. Im Agglomerationsprogramm sprechen wir davon, den Verkehr zu verlagern, zu vermeiden, schliesslich verträglicher zu gestalten. Es geht um Lebensqualität.

Sind Sie stolz auf das Erreichte in der ersten Generation des Agglomerationsprogramms?
Nein, stolz ist der falsche Ausdruck. Das ist ein Ergebnis aus der Zusammenarbeit vieler Akteure. Ohne die Unterstützung der kantonalen Ämter für Verkehr und Tiefbau und Raumplanung hätte uns die nötige Kapazität gefehlt. Es braucht zwingend die Spezialisten der zugezogenen Planungsbüros. Meine Aufgabe war es, den Finger auf die Problemfelder zu halten und zu fragen: Sind wir auf dem richtigen Gleis? Sind wir im Zeitplan? Verfolgen wir die strategischen Ziele? Ich kann für mich höchstens in Anspruch nehmen, im Jahre 2003 auf die Wichtigkeit des Agglomerationsprogramms hingewiesen zu haben. Mehr nicht.

Hängt dieser Hang zum Visionären auch mit Ihrem Beruf als Architekt zusammen?
Ich denke schon, dass ich Planungsprozesse in Fleisch und Blut habe. Man muss wach sein, um überhaupt Mängel und Bedürfnisse zu erkennen. Man muss die Antennen herausfahren. Die kreative Phase führt zu Lösungsansätzen, die es zu bewerten gilt. Es sind zielführende Mittel und Wege zu bestimmen. So kann schliesslich eine Umsetzung erfolgen.

Manche sagen Ihnen nach, Sie seien zu forsch, gingen zu schnell vorwärts.
Sie machen schon wieder eine pauschale Feststellung. Wenn ein Politiker sagt, ein Prozess brauche mehr Zeit, dann kann das auch heissen: «Mir fehlt der Mut, die Energie, die Einsicht, das Vertrauen auf Erfolg». Deswegen braucht es ungeduldige Menschen auf der Welt. Und deshalb bin ich vielleicht manchmal unausstehlich.

Sie haben sich stets für die Kultur eingesetzt, etwa mit der uneingeschränkten Unterstützung des Kofmehls. Damit haben Sie sich in den ländlichen Regionen nicht nur Freunde geschaffen.
Aber auch. Das Kofmehl ist ein absoluter Glücksfall. Und ich glaube, das sieht mittlerweile ein grosser Teil in der Region so. Die Repla hat als Erste den Handlungsbedarf erkannt. Dass die Gemeinden das Kofmehl heute finanziell unterstützen, ist sehr erfreulich.

Ist es denn die Aufgabe der Repla, Gelder für Institutionen wie Theater, Zentralbibliothek oder Altes Spital einzutreiben?
Die Stadt Solothurn ist durch die vielfältige Kultur geprägt. Schon unter meinem Vorgänger Peter Vitelli wurde vereinbart, dass alle Gemeinden zumindest diese drei Institutionen unterstützen sollen. Das Kofmehl kam viel später dazu. Es kann doch nicht sein, dass die Gemeinden jedes Jahr in der Budgetierungsphase neu über die Beiträge an diese Institutionen befinden müssen und damit Unsicherheiten schaffen. Es ist sinnvoller, die Beiträge als gebundene Ausgaben zu tätigen. Ich kann es nur wiederholen: Die Region nutzt die kulturellen Angebote in einem Mass, das ein stärkeres finanzielles Engagement rechtfertigt.

Auch die Verbesserung des öV-Angebots nimmt die Repla für sich in Anspruch.
Da wollen wir präzise sein. Der Anstoss kam von der öV-Abteilung im Amt für Verkehr und Tiefbau. Wir haben aber das nötige Ausmass der Verbesserungen erkannt und als Minimalziel bestimmt. Nach mehreren Niederlagen hat ein Auftrag aus dem Kantonsrat zum Erfolg geführt. Die Gemeinden haben in dieser Frage ausgezeichnet mitgespielt. Und heute ist allen klar: Der Effort hat sich absolut gelohnt. Das Angebot wurde um bis zu 25 Prozent gesteigert. Und mit dem Kraftakt haben wir auch den Weg für Olten und Grenchen geebnet.

Anderes konnte die Repla mangels Kompetenzen nicht umsetzen. War das nicht frustrierend?
Davon kann keine Rede sein. Trotzdem, ich hoffe natürlich, dass die regionalen Trägerschaften gebildet werden können. Wie sollten die offenbar unumstrittenen Replas denn sonst gestärkt werden? Die Qualität der Zusammenarbeit aus Überzeugung bleibt ein besonderes Gut. Das Projekt wird übrigens durch den Gemeindeverband geleitet, zusammen mit dem Raumplanungsamt.

Wo sind Sie angestossen?
Bei den Agglomerationsprogrammen stehen wir noch immer am Anfang der Umsetzung. Allerdings sind die Vorleistungen zu beachten, denken Sie als Beispiel an die bewachte Velostation im Hauptbahnhof Solothurn. Gescheitert, so glaube ich, sind wir in keinem Punkt. Auch nicht beim Regionsprogramm Kultur. Andererseits kann ein Misserfolg auch der Anfang von etwas Neuem sein. Denn Frust bringt ja keine Lebensqualität.
Sie haben Markus Zubler als ihren Nachfolger vorgeschlagen. Haben Sie den Namen schon mal gehört, bevor er in den Repla-Vorstand gewählt wurde?
Nein. Er ist ein Quereinsteiger. Aber es ist gut, dass ich ihn kennen gelernt habe. Markus Zubler wurde vom Vorstand übrigens fast einstimmig vorgeschlagen. Als Schnelldenker wird er sich rasch genug in die Dossiers einarbeiten können.

Kann er das besser als der Kandidat Roger Siegenthaler, der vom Vorstand für das Präsidium nicht berücksichtigt wurde?
Ich bin überzeugt, dass die Delegierten mit Markus Zubler die richtige Wahl treffen und dass er die Repla zusammen mit dem neuen Geschäftsführer Markus Schneider weiterbringt.

«Was gibt es Schöneres, als Projekte zu realisieren» - ein weiteres Zitat aus ihrem Vorwort. Was haben Sie nach ihrem Rücktritt für Projekte?
Mein Beruf als Architekt erfüllt mich nach wie vor. Ansonsten bin ich offen für Neues. Gerne würde ich nochmals in eine Aufgabe einsteigen, die mich dank gewonnenen Erfahrungen interessiert.
Ist die Kommunalpolitik für Sie als ehemaliger Gemeindepräsident von Balm bei Messen ein Thema?
Nein.

Was haben Sie rückblickend in den zehn Jahren als Repla-Präsident gelernt?
Wenn ich mich für eine Sache einsetze, dann setze ich mich damit auch aus. So gehört es dazu, einzustecken. Es braucht eine innere Sicherheit, damit umzugehen und vor allem weiter zu gehen. Diese Eigenschaft galt es, in den Jahren auszubauen. Ich kann keine Felswände hochklettern, aber Gratwandern, das liebe ich. Sich in verschiedensten Aufgaben gleichzeitig zu bewegen, heisst die Fähigkeit entwickeln und darauf vertrauen, dass es gelingt, den Fokus immer auf den Augenblick zu richten. Für alles, was ich in diesen Jahren lernen durfte, bin ich sehr dankbar.

Was geben Sie ihrem Nachfolger mit?
Ich werde ihm sicher keine Papiere übergeben. Stattdessen werde ich nach meinem Rücktritt als Repla-Präsident eine Altpapiermulde vor mein Büro stellen und aufräumen.

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