Wenn Liliane Fluri über ihre musikalischen Vorlieben spricht, beginnt sie regelrecht zu strahlen: «Johann Sebastian Bach ist für mich einfach das Höchste.» So hat sie sich - und vermutlich ebenso ihren jetzt 70 Chormitgliedern - mit einem Konzert-Programm alter Meister einen grossen Wunsch erfüllt. Und dann verrät sie, dass sie mit ihrem Pfarreichor noch nie Bach-Kompositionen in dieser Fülle gesungen habe.

Aber weil es sich für das Abschlusskonzert nach 30 Jahren Tätigkeit und um einen Projektchor handelt, der sich mit vielen erfahrenen Zuzügern erweitert hat, freut sie sich auf die Aufführungen. Denn die Proben auch mit den vier Vokalsolisten und dem Orchester «musica viva schweiz» verlaufen vielversprechend, wie sie mit sichtbarer Freude festhält.

Es sei das vierte Mal, das der Chor sich für singende und individuell zu Hause übende Gäste öffnet, weil die Vorbereitungszeit dank oftmals gehörter Aufnahmen aller Registerstimmen viel zielgerichteter als früher verlaufen kann. «An der Arbeit sind wir nämlich erst seit Februar», gesteht sie.

Für Liliane Fluri persönlich war der Vorfrühling eine harte Zeit, da sie sich bei einem Sturz ein Schultergelenk brach. Ihr liegt vor allem am Herzen, dass ihre Arbeit weitergeht. Auch wenn sie auf ihrer Violine bisher nur wenige Minuten spielen kann.

«Das Klavier liebte ich immer»

Dass Liliane Fluri sich beruflich für die Musik entschied, entstand nicht aus einem Schlüsselerlebnis, sondern aus dem Vorbild ihres Vaters Josef Meyer, der diesen Weg als Chorleiter und Organist vorlebte. «Das Klavier war mein liebstes Spielzeug, auf dem ich autodidaktisch schon als sehr junges Mädchen die Chorauftritte meines Vaters begleitete», erinnert sie sich.

Die Violine habe sie erst in der 4. Klasse im Unterricht an der Musikschule Luterbach kennen gelernt. «... weil es neben Klavier kein anderes Instrument gab», berichtet sie. Danach setzte sie ihre Ausbildung bei namhaften Lehrkräften fort. In ihrer Kantizeit, wo sie den Abschluss als Primarlehrerin machte, war sie bereits als Konzertmeisterin im dortigen Schülerorchester engagiert.

Ihr Violin-Studium fand am Konservatorium in Biel die richtige Förderung. «Und dort fühlte ich erstmals richtig meine Begeisterung für dieses Instrument.» Mit ihrem Ehemann Manfred übersiedelte sie 1975 nach Immensee und wurde 1981 zur Mitbegründerin im bekannten Luzerner Bach-Ensemble, dessen Konzertmeisterin sie 25 Jahre «emotional sehr involviert» bis 2007 blieb.

«Damals hätte sie ihre Solisten-Karriere ausbauen sollen, zu der ihr zahlreiche Fachleute rieten», erinnert sich ihr Ehemann. Doch Liliane, inzwischen zweifache Mutter, kehrte mit ihm nach Luterbach zurück und übernahm von ihrem Vater die Leitung des Kirchenchors St. Josef. Von 1994 bis 2002 gab sie zusätzlich als Chorleiterin dem Singkreis «Les Marmottes» Impulse für seine themenreichen Konzerte.

Gleichzeitig war sie als Geigenlehrerin zuerst kurz in Bettlach, dann in Luterbach mit Pensionierung 2014 und bis kürzlich in Deitingen tätig. Aus ehemaligen Schülerinnen bildete sie ab 1992 das Violin-Ensemble «Pizzicato», das mit Soft-Rock-Balladen, Melodien aus Unterhaltung und Klassik stets viel Beifall erntete.

Ihr vielfältiges Schaffen wurde im Jahr 2000 mit dem kantonalen Kulturpreis anerkannt. Denn neun Jahre amtete sie nebenher auch als Verbandsdirigentin des Cäcilienverbandes Solothurn-Lebern-Wasseramt und sorgte für Orgelbegleitung in der Kirche, «... was ich auch gern noch eine Weile tun werde». Ausserdem bereitete sie ihren Chor auf jährlich rund 15 Auftritte im Gottesdienst vor. Ihre Nachfolgerin am Dirigentenpult wird Agata Mazurkiewicz (Bern) sein.

Konzert mit Buxtehude, Bach und Haydn. Sa, 9. November, 20 Uhr, und So, 10.,17 Uhr. Katholische Pfarrkirche Luterbach.