Günsberg
«Absoluter Quereinsteiger» will das Günsberger Gemeindepräsidium erobern

Der Parteilose Thomas Jenni kandidiert für das Gemeindepräsidium in Günsberg. Dabei kann er insbesondere auf die Unterstützung seiner Familie zählen. So half ihm bereits seine Tochter beim Erstellen des Wahlflyers.

Urs Byland
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Thomas Jenni in seinem Garten. Im Hintergrund das Balmfluechöpfli.

Thomas Jenni in seinem Garten. Im Hintergrund das Balmfluechöpfli.

Urs Byland

«Ich bin ein absoluter Quereinsteiger», sagt Thomas Jenni. Das sei genau das, was Günsberg, so wie es sich heute präsentiere, brauche. Der 51-jährige Geschäftsführer des Autogewerbeverbandes Sektion Solothurn lebt seit 20 Jahren in Günsberg und will Gemeindepräsident werden. «Ich habe natürlich einen Riesenvorteil. Ich muss niemanden herausfordern und muss niemandem etwas beweisen. Ich kandidiere aus eigenen Überlegungen.» Im lichtdurchfluteten Wohnzimmer schlägt die Wanduhr die Viertelstunde. Draussen im
Garten geht der Blick zum nahen Balmfluechöpfli.

«Zu denen gehöre ich»

Im Autogewerbe arbeitet er seit 35 Jahren. Bis letzten November in einer Grossgarage, seither ist er Geschäftsführer beim Verband und betreut zirka 155 Autogaragen mit insgesamt 1200 Angestellten. Im Verband hatte er sich zuvor vor allem in der beruflichen Grundbildung engagiert. «Ich komme ohne Partei in die Ausmarchung. Die Kandidatur habe ich hier zu Hause mit der Familie diskutiert und entschieden.» Von der Gesinnung her komme er aus dem Gewerbe.

«Zu denen gehöre ich.» Also eher SVP? «Ich bin nicht SVP. Nein, das muss nicht sein, und ich bin auch nicht FDP. Aber in jeder dieser beiden im Gemeinderat vertretenen Parteien gibt es gute Sachen.» Zudem mache sich die dritte Partei, die der Parteilosen, immer stärker bemerkbar. «Die FDP hat einen Parteilosen nachnominiert, und ein zweiter kommt hinzu, weil beide Kandidaten, ich oder Peter Allemann, parteilos sind.»

Er habe beide Parteien vorgängig über seine Kandidatur in Kenntnis gesetzt. Und sowieso: wer im Autogewerbe arbeite, müsse nicht zum Vornherein SVP-lastig sein. «Da haben ebenso grüne Gedanken Platz.» Die habe er auch. «Da bin ich offen. Bei jedem Bauprojekt für eine Autogarage war die Umwelt immer ein zentrales Thema.»

Tochter gestaltete Wahlflyer

Seine Frau Katrin tischt Kaffee auf und setzt sich gleich neben ihren Mann, mit dem sie über 20 Jahre verheiratet und 30 Jahre ein Paar ist und zwei Mädchen aufzog. «Das ist selbstverständlich. Solch ein Amt kann man nicht ausüben, wenn die Familie nicht dahintersteht. Eine meiner Töchter hat mich gross angeschaut, als ich sie um Unterstützung bat, und geantwortet: ‹Jo, wenns fägt, mach i mit.›» Sie habe sich dann eines Sonntags in den Keller verzogen, wo sie den Wahlflyer für ihren Vater gestaltete.

«Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass wir hier in Günsberg wieder mit guten Vorzeichen Auseinandersetzungen führen können», erklärt Jenni seine Motivation für die Kandidatur. Im Vordergrund stehe die Dorfgemeinschaft und nicht das Wohl von einzelnen Personen. «In der Dorfgemeinschaft gilt es, gemeinsam etwas zu erreichen. Der Umgang miteinander soll fair, offen und ehrlich sein.» Das sei in der Vergangenheit nicht immer so gewesen. «Es fehlt eine Gesprächskultur», ergänzt Katrin Jenni.

«Funktionierende Gemeinschaft»

«Ziel ist es, hier oben eine funktionierende Gemeinschaft zu haben, die sich gemeinsam den Problemen stellt», sagt Thomas Jenni. Zudem setze er sich für eine transparente Finanzplanung ein. Der viel diskutierte und letztlich verworfene Anbau bei der Turnhalle hatte auch Jenni – «für die Schule und die Vereine» – auf seiner Wunschliste. «Aber die Finanzlage ist angespannt. Wir können nur das ausgeben, was wir haben. Die Steuern müssten weiter angehoben werden, und das ist nicht attraktiv.» Abstützen will sich Jenni auf die Einwohner. «Wir können nicht auf Reiche hoffen, die uns Steuern bringen.»

Das Dorf könne auf eine überdurchschnittlich aktive Bevölkerung zählen, sagt Jenni mit Stolz. «Es ist einfach Günsberg, wo es halt auch einige sture Köpfe hat. Auch ich kann einen sturen Kopf haben, das heisst meine Linie verfolgen.» «Er ist nicht eigentlich stur, aber hartnäckig», sagt Katrin Jenni, die wieder in ihrem Beruf als Schneiderin tätig ist.

«Günsberg soll Günsberg bleiben»

Seine Jugend verbrachte Jenni in Feldbrunnen. Richtung St. Niklaus zieht es ihn heute noch ab und zu. Er erledigt die Verwaltung der Pfadiheime oberhalb der Verenaschlucht. In der Freizeit ist er sportlich unterwegs, auf Ski oder auf zwei Rädern. Ansonsten geniesst er die tolle Aussicht in seinem Garten. «Günsberg soll Günsberg bleiben, das ist mein Ziel. Offen für etwas Neues sein, ist gut, aber wenn etwas sich bewährt hat, soll man dies beibehalten dürfen. Das ist auch ein Fortschritt.»