Werk-Schliessung
ABB Turbo Systems in Deitingen schliesst 2014 - 103 Stellen gehen verloren

Das Werk der ABB Turbo Systems AG im Solothurnischen Deitingen wird im Juni 2014 geschlossen. Der Betrieb wird auf die Werke im Aargau konzentriert. ABB baut insgesamt 145 Stellen ab, davon alleine 103 in Deitingen.

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ABB Turbo Systems AG in Deitingen wird geschlossen.

ABB Turbo Systems AG in Deitingen wird geschlossen.

Hanspeter Bärtschi

ABB Turbo Systems AG, die Tochter von ABB Schweiz, baut wegen der anhaltenden Krise im Marinebereich in der Schweiz 145 Stellen ab. Das Unternehmen will ihre Aktivitäten auf ihre Werke im Aargau (Baden, Klingnau) konzentrieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. In Deitingen kommt es zum Kahlschlag. Das Werk wird im Juni 2014 geschlossen, 103 Angestellte in der Produktion von Turboladern verlieren ihre Stelle.

Was ist die ABB Turbo System AG?

Die ABB Turbo Systems AG ist laut eigenen Angaben Weltmarktführer für die Aufladung von Diesel- und Gasmotoren mittels Abgasturboladern im Leistungsbereich oberhalb von 500 Kilowatt. Rund 200'000 ABB-Turbolader sind weltweit auf Schiffen, in Kraftwerken, auf Lokomotiven sowie grossen Baustellen- und Minenfahrzeugen im Einsatz. (sda)

Mehr als der Hälfte aller Mitarbeitenden aus Deitingen bietet ABB in Baden oder Klingnau einen Arbeitsplatz an, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Konkret werden 59 Stellen aus dem Kanton Solothurn in den Aargau verlagert.

Deitingen ist nich alleine vom Abbau betroffen. In den beiden Werken im Aargau werden ebenfalls Kündigungen ausgesprochen: Im Werk Baden gehen 79 Stellen verloren, in Klingnau 20 Stellen.

Massnahmen reichen nicht aus

Die Krise im Marinebereich hatte letztes einen massiven Bestellungsrückgang zur Folge. ABB Turbo Systems AG habe auf diese Entwicklung vorerst mit dem Abbau von Überstunden und Ferienguthaben, dem Transfer von Mitarbeitenden innerhalb von ABB Schweiz sowie der Rückverlagerung von auswärts gefertigten Komponenten reagiert.

Kommentar

Werkplatz Schweiz ade?

von Franz Schaible

Der weltweit agierende ABB-Konzern gilt als Industrie-Perle der Schweiz. Zwar beschäftigt der Ende der 1980er-Jahre aus dem Zusammenschluss von Brown Boveri und Asea entstandene Multi die grosse Mehrheit der 145 000 Angestellten im Ausland; aber in der Schweiz sind es immer noch rund 6800. Wenn nun dieser Riese ein Werk hierzulande schliesst, lässt das aufhorchen.

Zumindest ist das Wasser auf die Mühle jener Mahner, die der Schweiz eine Deindustrialisierung prophezeien. Doch so weit ist es noch nicht. Trotz der grossen Unsicherheiten in der Weltwirtschaft, trotz des scheinbar unaufhaltsamen Vormarsches der Wirtschaftsmacht China und trotz des starken Frankens: Die Schweizer Industriebotschafter, ob klein, mittel oder gross, behaupten sich grossmehrheitlich erfreulich.

Im Fall ABB Turbo Systems handelt es sich zudem nicht um eine grundsätzliche Bankrotterklärung an den Industriestandort Schweiz. Mit Turboladern stellt die ABB-Tochter eine ausgesprochene Spezialität für einen eng begrenzten Markt her. Wenn nun eine dominierende Abnehmergruppe wie der Schiffbau unter hohen Überkapazitäten leidet, sinken die Aufträge - offenbar massiv und auf lange Sicht. ABB muss reagieren, beteuert aber, die Produktion nicht aufzugeben.

Daraus nun das Ende des Werkplatzes Schweiz abzuleiten, wäre voreilig - und falsch.

Eine Analyse der Geschäftsaussichten habe jedoch gezeigt, dass die bisher getroffenen Massnahmen nicht ausreichen, um die Kapazitäten dem mittelfristig zu erwartenden Auftragsvolumen anzupassen. Mit der frühzeitigen Information der Mitarbeitenden soll diesen ermöglicht werden, genügend Zeit für die Stellensuche zu bekommen.

Für die vom Abbau betroffenen Mitarbeitenden besteht ein Sozialplan. Die Massnahmen sollen bis Mitte 2014 schrittweise umgesetzt werden.

Unia entsetzt

Für die Gewerkschaft Unia ist das Vorgehen von ABB «unannehmbar», wie sie mitteilt. Dies «vor dem Hintergrund, dass die ABB finanziell insgesamt sehr gut dasteht und in der Vergangenheit auch im Werk Deitigen grosse Gewinne erwirtschaften und abschöpfen konnte.»

Sie fordert, dass die Weiterführung des Betriebes in Detingen «seriös und gründlich» geprüft und die Belegschaft innert 30 Tagen kontaktiert wird, um bessere Lösungen auszuarbeiten. Ausserdem sei die momentane Beschäftigungssituation mit Kurzarbeit zu überbrücken. Weiter fordert die Unia: «Die ABB muss ihr Versprechen halten, dass bis Ende März keine Kündigungen ausgesprochen werden und dass der Mehrheit der Beschäftigten in Deitigen in Baden oder Klingnau ein Arbeitsplatz angeboten wird.»

Am 24. Januar will die Gewerkschaft mit den betroffenen Mitarbeitern über das weitere Vorgehen beraten. (ldu/sda)