«Wenn wir gewusst hätten, was im letzten Winter mit der Aprikosenanlage passiert», hielt Obstproduzent Thomas Vögtlin-Zeugin vom Hof Hintere Säge in Ramiswil fest, «hätten wir ein anderes Hauptthema gewählt für die Obstgartenbegehung.» Die Obstproduzenten Schwarzbubenland OVS treffen sich jährlich zum gemeinsamen Flurgang bei einem ihrer Mitglieder.

Diesmal fand man sich bei Thomas Vögtlin ein, seit drei Jahren Präsident der OVS. Er bewirtschaftet mit seiner Familie 44 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche mit Getreide, Kartoffeln und Kunstwiesen. Das Milchkontingent beträgt 140000 Kilogramm und auf dem Hof steht der Zuchthengst der Pferdezuchtgenossenschaft Falkenstein.

Mehr als die Hälfte erfroren

Im 2004 baute Vögtlin Aprikosen an; drei Jahre später konnte er die ersten ernten. Es gab gute und bessere Ertragsjahre. Er erinnert sich an frostige Ostern zur Blütezeit, wo die Bäume später trotzdem Früchte trugen. «Aber letzten Winter hat es sie voll erwischt», erzählte er. «Von den rund 250 Bäumen sind mindestens 60 Prozent der andauernden Kälte zum Opfer gefallen.»

Doch er will das Projekt weiterführen. Aprikosen seien gut zu verkaufen. Philipp Gut, Fachstelle Spezialkulturen Bildungszentrum Wallierhof, pflichtet ihm bei. Aprikosen seien die ideale Frucht für den Direktverkauf. Sie könnten reif abgelesen und sofort verkauft werden. Im Gegensatz zu den Grossverteilern.

Vier Standorte im Kanton

Weltweit werden rund 2,7 Mio. Tonnen Aprikosen produziert; in der Schweiz rund 14000 Tonnen konsumiert. Gut die Hälfte davon stammt aus Frankreich. Im Wallis werden auf knapp 700 Hektaren Aprikosen angebaut. Obwohl die Nachfrage gross ist, gibt es ausserhalb des Kantons Wallis kaum namhaften Anbau.

«Im Rahmen des Mehrjahresprogramms für innovative Kulturen wurden 2005 im Kanton Solothurn an vier Standorten je 200 bis 230 Aprikosenbäume gepflanzt», sagte Philipp Gut, «und zwar bei Martin und Susy Birrer in Niederwil; Hans-Rudolf Mann in Selzach; Werner Gschwind in Hofstetten und Thomas Vögtlin in Ramiswil.» Beim Aprikosenanbau gibt es mehrere Knackpunkte: Jährlicher Ausfall bis zu 25 Prozent; viel Handarbeit; müssen an optimalem Standort gepflanzt werden; ausgeprägte Frostlagen sind zu meiden; nördliche Ausrichtung ist von Vorteil, weil dadurch spätere Blütezeit. Alle vier Produzenten bestätigten bei der Auswertung, sie würden beim Projekt wieder mitmachen; drei von ihnen fahren selbstständig weiter, der vierte hat sich noch nicht entschieden.

«Rennt jetzt nicht alle heim ...»

Nach Guts Vortrag wurde die Frage gestellt, ob sein Referat darauf abziele, Aprikosen anzubauen oder die Hände davon zu lassen. Seine Antwort: «Rennt nun nicht alle heim und pflanzt Aprikosen! Es kann zehn Jahre gut gehen, es muss aber nicht.» Bauernpräsident und Obstproduzent Andreas Vögtli gab seinen Kollegen und Kolleginnen zu bedenken: «Die Walliser hätten doch schon lange aufgehört mit dieser Frucht, wenn sie nicht rentieren würde.» Ein weiterer Produzent bemerkte, die Aprikosen seien wie eine Gratifikation: Es sei schön, sie zu erhalten, aber davon leben könne er nicht.