Subingen
60 Jahre im Familienbesitz: Nun ist Schluss mit der Dorfbeiz

Die Wirtsleute Ruedi und Ruth Schreier des Restaurants Bahnhof gehen in Pension. Subingen verliert damit eine «Dorfwirtschaft».

Agnes Portmann-Leupi
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Ruedi und Ruth Schreier freuen sich auf ihre freie Zeit, die sie ab Januar geniessen können.

Ruedi und Ruth Schreier freuen sich auf ihre freie Zeit, die sie ab Januar geniessen können.

apb

Die Subinger Dorfvereine werden die freundliche Stammbeiz vermissen, in welcher sie einkehrten und ihre Generalversammlungen abhielten. «Das Restaurant Bahnhof ist eine Dorfwirtschaft», klärt die Wirtin Ruth Schreier auf. Sie schwärmt von den treuen Vereinen, die nach den Proben oder nach dem Turnen aufkreuzten. Bis 1990 fand das ganze Vereinsleben im Saal des «Bahnhofs» statt. Fasnacht, Theater, Lotto, Konzerte, Turnervorstellungen. Die Eröffnung der Mehrzweckhalle im gleichen Jahr verursachte einen ziemlichen Einbruch. Die Vereinsfeste fanden ab sofort dort statt. «Im Lauf der Jahre hat sich alles wieder ausgeglichen», äussert sich Ruth Schreier zufrieden.

Auch die Handwerker lieben das Restaurant. «Über den Mittag ist unsere Küche gefragt», sagt die Wirtin. Denn im «Bahnhof» sei gutbürgerlich Trumpf, ohne Gourmetkarte und weisse Tischtücher. «Früher, als noch keine Handys existierten, durfte der tägliche Treffpunkt der Handwerker keinesfalls verpasst werden», ergänzt Ruedi Schreier. «Alles wurde verhandelt, auch was in der Gemeinde passierte.»

«Sonne» wurde zum «Bahnhof»

Nun ist – nach 60 Jahren im Familienbesitz – endgültig Schluss. «Unsere Kinder haben kein Interesse am Wirten», sagt Ruth Schreier. Die 16-Stunden-Tage seien eben sehr anstrengend. Zudem müsste ins Gebäude viel investiert werden. Wie alt das Wirtshaus ist, weiss niemand genau. Eine Foto aus dem Jahr 1924 zeigt das Restaurant, einen wunderschönen Riegelbau, als es noch «Sonne» hiess. Umgetauft wurde es wahrscheinlich, als nebenan der Bahnhof entstand. Inzwischen ist, nach Um- und Anbauten, von Riegeln nichts mehr zu sehen.

Der Gasthof wechselte den Besitzer mehrmals, bis ihn Ruth Schreiers Eltern, Frieda und Karl Nussbaum, im Jahr 1954 kauften. Ab 1. April 1977 führte ihn das junge Ehepaar Schreier-Nussbaum weiter. Damals hatte der Gastwirt noch die Wirteprüfung abzulegen. Zusätzlich absolvierte er ein Praktikum von rund drei Monaten im Restaurant Kreuz in Kriegstetten, war er doch vorher in der Gastronomiebranche nicht heimisch.

Die Wirtsleute erinnern sich, dass bereits am zweiten Tag nach ihrer Übernahme das Theater der SP mit 200 Besuchern aufgeführt wurde. An einer Raiffeisen Generalversammlung hätten sie sogar 220 Personen bewirtet. Parallel zum Restaurant führte das Ehepaar auch ein Transportunternehmen.

Die beiden bald Pensionierten strahlen in Vorfreude und zählen auf, wie sie ihre freie Zeit geniessen werden: «Wandern, reisen, Töff fahren, Zeit haben für die Familie.»

Austrinkete im Restaurant Bahnhof: Freitag, 19. Dezember.

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