«Wir brauchen noch zwei Mann für den Kiesweg und ein paar Leute, die den Abfall einsammeln.» Daniel Leuenberger, Präsident des Burgseevereins Aeschi, spricht laut und bestimmt. Es ist Samstagmorgen, 8 Uhr, und bei der Bootsvermietung haben sich Männer, Frauen und Kinder in wetterfesten Jacken und Arbeitsschuhen zur «Seeputzete» versammelt. Es ist bitterkalt, und da und dort zieht jemand den Kragen hoch. «Wer geht die Riedfläche reinigen und wer braucht noch eine Karette?», fragt Leuenberger weiter.

Sein Haus steht nur wenige Meter vom Besammlungsort entfernt, und er kennt den kleinen Moränensee, der Spaziergänger, Naturfreunde, Jogger und im Sommer Badende in Massen anlockt, in- und auswendig. Gerade diese Beliebtheit hält den Burgseeverein auf Trab und bereitet dessen Mitgliedern oft Kopfzerbrechen. Denn deren Aufgabe ist es, die Landschaft in ihrer natürlichen Beschaffenheit zu schützen und Fauna und Flora zu erhalten.

Wege wieder begehbar machen

40 Kubikmeter Holzschnitzel warten rund um den See auf die mit Schubkarren und Schaufeln ausgerüsteten Männer und Frauen. Sie sollen die nach dem langen Winter teilweise recht sumpfig gewordenen Wege wieder begehbar machen. «Früher konnte man direkt dem Seeufer entlang spazieren, doch diese Zeiten sind vorbei», sagt Philipp Frey vom Verein Pro Aeschisee, den wir am südlichen Seeufer antreffen, wo im Gegensatz zum Nord- und Westufer das Grillieren und Baden an gewissen Stellen erlaubt ist. «Das Brutverhalten der Vögel wurde durch Menschen und freilaufende Hunde immer wieder gestört, deshalb haben wir die Wege landeinwärts verlegt.» Die Botschaft ist eindeutig: Das Gleichgewicht zwischen Mensch, Tier und Pflanzen soll erhalten bleiben und der See seinem Ruf als Naturschutzgebiet weiterhin gerecht werden. Ohne darauf zu achten, haben wir bernisches Hoheitsgebiet betreten. Doch das ist Nebensache. Nachbarschaftliche Berührungsängste kennt man am Burgäschisee nicht. Bei den Putzaktionen im Frühling arbeiten die Solothurner mit der Gemeinde Seeberg, die ein Drittel des Sees besitzt, Hand in Hand.

Beim westlich gelegenen Seeufer, wo sich das Moorgebiet, das sogenannte Ried befindet, sind ein paar Männer von den insgesamt 60 im Einsatz stehenden Freiwilligen damit beschäftigt, den Bootssteg auszubessern. «Er wird nächstes Jahr durch einen grösseren ersetzt», verrät Leuenberger. Wenig Freude bereitet ihm der danebenliegende Drainagekanal, der das Wasser vom umliegenden Kulturland in den See abführt. «Gegenwärtig wird über eine Renaturalisierung der Einlaufkanäle gesprochen», erklärt er. Wie viele andere Seen leidet auch der Burgäschisee unter einem Nährstoffüberschuss, der dazu führt, dass das faulende Wasser immer wieder vom Seegrund in einen tiefer gelegenen Bach abgeleitet werden muss.

Viele Flaschen eingesammelt

Langsam füllen sich auch die Abfallsäcke der Kehrrichtsammlerinnen. Es sind vor allem Gläser, Wein- und Bierflaschen, die auf den Wegen und im Gebüsch herumliegen. «Im Grossen und Ganzen haben wir das Problem im Griff, weil wir überall Abfalleimer aufgestellt haben», hält Leuenberger fest. Gut vorangekommen sind auch die beiden Männer, die nördlich des Strandbades einen abfallenden Weg mit Kieselsteinen auffüllen, «weil es die Erde immer in den See geschwemmt hat.» Für Daniel Leuenberger ist die Zeit des Plauderns vorbei. Da und dort braucht es noch seine Anweisungen, und der Zeitplan muss eingehalten werden. Am Mittag soll die Putzaktion abgeschlossen sein.