Flumenthal
6 von 7 Bahnübergängen in Flumenthal schliessen

Der Gemeinderat von Flumenthal und die Aare Seeland mobil haben ein Projekt zur Sanierung der Bahnhofanlage und der Übergänge präsentiert. Das Bahnhofgebäude wird abgerissen.

Urs Byland
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Das Bahnhofgebäude von Flumenthal wird abgerissen. Die neue Haltestelle ist bereits ausgesteckt.

Das Bahnhofgebäude von Flumenthal wird abgerissen. Die neue Haltestelle ist bereits ausgesteckt.

Urs Byland

Eine «Schleglete» gab es nicht. In dieser Beziehung hatte Gemeindepräsident Christoph Heiniger mit seinen Worten in seinem Anfangsvotum recht. Die Diskussion im Saal der Gemeindeverwaltung Flumenthal verlief grösstenteils in geregelten Bahnen. Die Gegner des Projekts Totalsanierung Bahnhof inklusive Bahnübergänge blieben aber nicht stumm.

Vehement forderte etwa einer der Anwesenden die 80 Besucherinnen und Besucher der Informationsveranstaltung – fast 10 Prozent der Bevölkerung – dazu auf, Einsprache zu führen, «damit die da vorne ein Gschtürm haben».

Vorne sassen die Vertreter der Aare Seeland mobil (asm), angeführt von Direktor Fredy Miller, sowie der Gemeindepräsident. Dieser erklärte zu Beginn die Vorgehensweise des Gemeinderates in den Verhandlungen mit der asm. «Unser Ziel war es, die Sicherheit möglichst hoch und die Kostenbeteiligung der Gemeinde möglichst tief zu halten.» Wie er später erwähnte, sei dies die Vorgabe der Bevölkerung an der letzten Gemeindeversammlung gewesen, was die Anwesenden aber an diesem Abend nicht wirklich honorierten. Es seien harte Verhandlungen gewesen, was Fredy Miller bestätigte. Damit die Gemeinde keinen Rappen an die Kosten von gut 6,4 Mio. Franken zahlen muss, hat sich der verhandelnde Gemeinderat weit aus dem Fenster gelehnt. Ein ursprüngliches Projekt sah die Schliessung von vier der sieben Bahnübergänge im Projektbereich vor. Präsentiert wurde nun eine Lösung, die nur noch einen Bahnübergang beim Knoten Schmittenweg/Baselstrasse/Kirchgasse südlich der Kantonsstrasse vorsieht. Sechs Bahnübergänge werden geschlossen, ganz nach dem Motto: Nur ein geschlossener Bahnübergang ist ein sicherer Bahnübergang.

Vortritt ändert

Die Aare Seeland mobil ist gesetzlich verpflichtet, bis Ende 2014 Bahnübergänge zu sanieren oder zumindest ein Projekt vorzulegen. In Flumenthal ändert sich beim künftig einzigen Bahnübergang die Vortrittsregelung. Neu ist nicht mehr der Verkehr auf der Baselstrasse, sondern jener auf der Kirchgasse privilegiert. Auf der Baselstrasse kommt es zudem weiter östlich zu einem Engpass. Fahrzeuge können nicht kreuzen. Dort ist Tempo 30 vorgesehen. Mit dem Engpass, sprich der Verschiebung des Trassees nach Norden, ist im Süden etwas Platz für die Erschliessung des Restaurants Lavande geschaffen worden. Das Bahnhofsgebäude wird abgerissen. Es entstehen ein kleiner Bahnhofsplatz sowie Parkplätze. (uby)

Herausgekommen ist ein Kompromiss, den Christoph Heiniger als hart an der Grenze sowohl für die Gemeinde als auch für die asm bezeichnete. Der Gemeinderat sprang über seinen Schatten und zeigte sich bereit für eine rückwärtige Erschliessung des Bahnhofareals. Was bisher als unmöglich eingestuft wurde, soll Tatsache werden. Mit der rückwärtigen Erschliessung wird der Verkehr zum Bahnhof durch das südlich vom Bahnhof gelegene Wohnquartier geschleust. Man sei sich aber sicher, dass dies verkraftbar ist.

Das gesamte Bahnhofareal wird von der asm neu gestaltet, das Bahnhofgebäude abgerissen, die Parkplatzanzahl von 8 auf 20 erhöht und die Bahnanlage erneuert. Die rückwärtige Erschliessung wird von flankierenden Massnahmen begleitet. «Wir planen ein Verkehrskonzept als Begleit- und Entlastungsmassnahme für die betroffenen Gebiete, ja gar fürs gesamte Gemeindegebiet», so Heiniger.

Über seinen Schatten sprang der Gemeinderat aber vor allem mit dem Angebot, den bisher wichtigen Bahnübergang Rüttistrasse zu schliessen. «Im Gegenzug verlangten wir, dass die wir keinen Rappen zahlen müssen», so Heiniger. Man könne nicht genau sagen, wie gross der Beitrag der Gemeinde ausgefallen wäre. «Man schätzt zwischen 350 000 und 550 000 Franken. Was das bedeuten würde, wissen wir. Jeder Einwohner müsste quasi 350 bis 550 Franken an das Projekt zahlen.» Das sei schwer verkraftbar für die Gemeindefinanzen. Mit der Aufhebung aller Bahnübergänge bis auf einen, wird für die Einwohner nördlich des Bahnhofes – es betrifft einige Wohn- und Gewerbehäuser zwischen Kantonsstrasse und Baselstrasse sowie das Gewerbequartier Scharlenmatt – ein Umweg von zirka 250 Meter fällig.

Die Vereinbarung zwischen der Gemeinde und der asm ist unterschriftsreif. Die Handlungsfreiheit der Behörde sei im Verhältnis zum Bahngesetz sehr eingeschränkt, sagt der Gemeindepräsident. Man kann davon ausgehen, dass der Gemeinderat ein gutes Resultat erreichte. Ob dies auch von den Einwohnern so gesehen wird, wird sich zeigen. Von den Vereinbarungen zwischen den Grundeigentümern und der asm seien 2 abgemacht, 9 in Aussicht gestellt, 2 offen und 1 abgelehnt erklärten die Vertreter der asm. Die Auflage des Projektes erfolgt ab 18. August bis 16. September. Wenn bis 16. September die von der asm beanspruchten Landstücke, die es wegen der geänderten Linienführung braucht, nicht freihändig erworben werden können, folgen Enteignungsverfahren nach Bahngesetz.