Auf dem Feld flüstern sich grosse rote Figuren Gerüchte zu. Direkt oder über Umwege fliessen sie von einem Ohr ins nächste. Durch eine Menschenfigur verläuft ein roter Faden, der in Form der Hauptschlagader den Lebensfluss symbolisiert. In einem anderen Kunstobjekt werden Badezimmer-Abfälle zu neuem Leben erweckt. Je nach Blickwinkel auf das Objekt schaut man dem berühmten spanischen Künstler Salvador Dalí mitten ins Gesicht.

Auf dem neu eröffneten Kunstweg des Vereins Museum Attiswil sind 57 Objekte zum Thema «Kunstfluss» ausgestellt. Die Kunstschaffenden haben sich auf vielfältige Weise mit dem Thema auseinandergesetzt. Der Fluss bezieht sich auf das Leben, die Zeit und die Kunst. Alles bewegt und verändert sich. Nichts bleibt, wie es ist. Alles entwickelt sich weiter.

Passend zum Motto «Kunstfluss» führt der Kunstweg dann auch dem «Fluss» entlang. «Also eigentlich ist es nur der Dorfbach», sagt Nicole Rebholz, Präsidentin des Vereins Museum Attiswil. Aber während eines Unwetters könne der Bach auch fast flussähnliche Züge annehmen, begründet sie schmunzelnd die kleine Übertreibung.
Der Kunstweg beginnt mit sieben Objekten im Garten von Max Danz im oberen Dorfteil. Viele Kunstwerke sind direkt am, über oder sogar im Wasser platziert. Der Weg führt dann dem Dorfbach entlang bis zur Solothurnstrasse und weiter über die Bachstrasse hinunter ins Feld. Danach zweigt der Weg gegen Osten ab. Weiter geht es durch die Felder bis zur Hohbühlstrasse. Anschliessend führt der Weg an der Kirche und dem Atelier von Schang Hutter vorbei zurück zum Museum. Der Kunstführer zur Ausstellung ist in allen Restaurants und Läden von Attiswil erhältlich.

Der Verein Museum Attiswil hat mit «Kunstfluss» bereits den dritten Kunstweg auf die Beine gestellt. 2011 entstand der erste Rundgang anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Vereins. «Wir haben festgestellt, dass die Leute immer weniger ins Museum kommen, um Kunst zu sehen. Darum kamen wir auf die Idee, die Kunst raus zu den Leuten zu bringen», erklärt Rebholz die Entstehung des Kunstwegs. Mit dieser Idee hatte der Verein vollen Erfolg.

Den ersten Kunstweg «Kulturundum» besuchten geschätzte 10 000 Leute. Zwei Jahre später zählten die Verantwortlichen auf dem Rundgang «Tierisch gut» etwa vier- bis fünftausend Besucher. Die Prognose der Besucherzahl für dieses Jahr sieht ebenfalls gut aus. Rebholz sagt, sie habe bereits einige Tage vor der Eröffnung ganze Gruppen gesehen, die dem Kunstweg entlang gelaufen seien.

«Kunstfluss» dauert bis zum 25. Oktober 2015. Der Weg ist täglich frei begehbar. Das Museum ist jeden Sonntag von 14–17 Uhr geöffnet. Führungen auf Anfrage.