Kriegstetten
50-Jahr-Jubiläum der reformierten Kirche wurde mit Festgottesdienst gefeiert

«Ihr alle erfüllt den Raum mit Leben», so Pfarrer Reto Bichsel zu den über 250 Anwesenden. Anlässlich des runden Geburtstages blickte man in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kirche.

Angelica Schorre
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Sie freuten sich: Die sozialdiakonische Mitarbeiterin Sonja Graber (links), Pfarrkreispräsident Christoph Guggisbergund Pfarrer Reto Bichsel (rechts).

Sie freuten sich: Die sozialdiakonische Mitarbeiterin Sonja Graber (links), Pfarrkreispräsident Christoph Guggisbergund Pfarrer Reto Bichsel (rechts).

«Der Gott der Freude sei mit euch», mit diesen Worten eröffnete Pfarrer Reto Bichsel den Festgottesdienst zum runden Geburtstag der reformierten Kirche in Kriegstetten. Und über 250 Menschen waren gekommen, um miteinander den 50. Geburtstag der Kirche zu feiern.

Pfarrkreispräsident Christoph Guggisberg, der zusammen mit Sonja Graber (sozialdiakonische Mitarbeiterin) und Reto Bichsel die Liturgie bestritt, zitierte Anselm Grün: «Im Fest bricht Gottes Ewigkeit in unsere Zeit.»

Der Festgottesdienst wurde in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterteilt. So blickte Christoph Guggisberg auf die Zeit des Kirchenbaus zurück – in nur sieben Jahren, 1957 bis 1964 – ging für die Kirchgemeinde ein Traum in Erfüllung. (Siehe Textbox unten.)

Auftragsbau

Die Räume wurden «schützend und einladend» gestaltet

Architekt Benedikt Huber wurde 1961 mit dem Bau der reformierten Kirche in Kriegstetten beauftragt. Der Bau sollte ein kirchliches Zentrum werden, in dem Begegnungsräume und die Wohnung für eine Pfarrfamilie integriert waren. In Form einer Muschel oder Spirale sind die verschiedenen Räume zu einem Ganzen zusammengefasst. Im niedrigsten Teil liegt die Pfarrwohnung, dann steigt der Dachfirst über die Gemeinderäume langsam an und findet den höchsten Punkt über dem Kirchenraum, dort wo die Kanzel und der Abendmahltisch stehen. Die Aussengestaltung der ganzen Anlage hat die Form einer kleinen Bastion. «Schützend und einladend», so formulierte der Architekt die Wirkung. «Es soll ein ernstes und gleichzeitig ein fröhliches Haus sein, ein Ort, an welchem jeder seine Zuflucht finden kann und wohin auch jeder seine Freude bringen darf.»
Obwohl der Kirchenraum nicht sehr gross ist, versuchte ihn der Architekt durch die ansteigende Form «festlich und erhaben» zu gestalten. Die Fenster sind so angeordnet, dass nur indirektes Licht in den Raum fällt. «Das einfallende Licht bildet den einzigen Reichtum des Raumes, es bringt die schlichten Mauern zum Leben und lässt die einfachen Materialien kostbar und edel werden.» (sch)

Bezug nehmend auf die Gegenwart hielt Sonja Graber fest, dass der schlichte, schöne Kirchenraum ihr heute zur Oase, zur Kraftquelle – gerade auch in schweren Stunden – geworden sei.

Die Zukunft wurde dann in den Fürbitten vor Gott gebracht. Und vielleicht auch durch das Geschenk der röm. kath. Kirchgemeinde Kriegstetten-Gerlafingen symbolisiert: Gemeindeleiter Dominik Meier-Ritz übergab eine wertvolle Bibel – in Einheitsübersetzung.

Mauern haben Bestand

1963 wurde der Grundstein zum Bau der Kirche gelegt – in seiner Predigt ging Pfarrer Reto Bichsel auf eine Stelle im 1. Korintherbrief ein, in der Paulus sagt, dass er als Baumeister den Grundstein gelegt habe, es sei jedem nun seine eigene Sache, wie er weiter baut. Denn durch das Feuer, den «Belastungstest», so Bichsel, sehe man, wessen Mauern Bestand haben (1. Kor. 3, 10–17). So solle man sich nicht blindlings auf Gedanken anderer verlassen.

Und er hinterfragte den üblichen Geburtstagswunsch «Gute Gesundheit, das ist das Wichtigste» sowie den oft geäusserten Wunsch bei Taufen, dass dem Kind alles im Leben gelingen möge. «Wir sollten Gott mit gutem Gewissen in die Augen schauen können, ohne uns auf Inhalte, Gedanken anderer zu stützen.»

Baudaten und Glocken

Die Grundsteinlegung des Baus fand 1963 statt. Am 13. Juni 1964 wurden die Glocken von den Schulkindern aufgezogen, und am 5. Juli 1964 konnte der Bau feierlich eingeweiht werden. Zwei der Glocken stammen aus der Kirche in Derendingen. Sie wurden 1899 gegossen. Die grösste Glocke wurde von der römisch-katholischen Kirchgemeinde Kriegstetten gespendet. Die am Kirchenbau beteiligten Handwerker finanzierten die vierte Glocke. (MGT)

Die Glocken tragen folgende Botschaft über das Land:
- Glocke e (1964): Er ist unser Friede
- Glocke g (1899): Wachet und betet
- Glocke a (1964): Seid fröhlich in der Hoffnung
- Glocke h (1899): Alles was Odem hat loben den Herrn. (sch)

Und er schloss seine Predigt mit dem Pauluszitat: «Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.» Denn: «Ihr alle erfüllt diesen Kirchenraum mit Leben, mit Gott.» Mit fröhlich-besinnlichen Klängen erfüllten auch Emmi Stuber (Orgel) und Martin Lüthy (Trompete) den Kirchenraum aufs Schönste.

Im Anschluss an den Gottesdienst sorgten die Trachtengruppe Kriegstetten, die Jodlerklubs Oekingen und Recherswil sowie die Musikgesellschaft Kriegstetten für festliche Unterhaltung. Dies unter dem fröhlichen Flattern der Wimpelgirlande, die die Gottesdienstbesucher geknotet hatten.

Neben den Grussbotschaften von Behördenseite kamen auch ehemalige Pfarrpersonen des Pfarrkreises zu Wort: So erinnerte sich Pfarrer Hans Wittwer an ein Gespräch mit dem Architekten der Kirche, Benedikt Huber, das die Muschelform des Gebäudes zum Thema hatte. Wenn man sich eine Muschel ans Ohr hält, dann «kann man das Meer, das ganz weit weg ist, ganz nah hören. Ist es so mit Gott nicht ähnlich?»