Biermuseum
330 Bierflaschen in Halten versetzen Besucher ins Staunen

Über 300 Bierflaschen und Biergläser sind im Museum Wasseramt in Halten ausgestellt. Sie ermöglichen einen Blick zurück in die Flaschengeschichte der Schweizer Brauereien.

Agnes Portmann-Leupi
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Ruth Sollberger und Peter Probst sammeln Bierflaschen und Biergläser.apb

Ruth Sollberger und Peter Probst sammeln Bierflaschen und Biergläser.apb

Das Corpus Delicti hat einen Ehrenplatz im Museumsspeicher. «Die Literflasche kam beim Abriss eines Schuppens zum Vorschein», erzählt Peter Probst aus Biberist an der Eröffnung der Wechselausstellung «Bierflaschen und Biergläser im Wandel». Der damals elfjährige Bub liess nicht locker, bis er das grausige Zeug – so sein Vater – mit nach Hause nehmen durfte.

Liebhaberstücke

Diese Flasche, ungefähr aus dem Jahr 1880, legte den Grundstein für die rund 2500 Bierflaschen beinhaltende Sammlung, und zwar ausnahmslos von Schweizer Brauereien. Angesteckt vom Sammelfieber wurde auch Partnerin Ruth Sollberger. Ihre Raritäten umfassen mittlerweile rund 2750 Biergläser und 350 Bierkrüge, nebst unzähligen Email- und Blechschildern. Noch heute durchstöbern die beiden Flohmärkte und Antikmessen nach Liebhaberstücken.

Einstige und jetzige Brauereien

Staunen löst die Ausstellung nicht nur bei den Bierliebhabern aus. 330 Bierflaschen lassen in die bunte und vielfältige Flaschengeschichte der Brauereien blicken. So etwa Falkenbier, Gütsch, Schloss Reichenbach, Grono, Schweizerhaus, Haldengut, Stocken. Auf den Flaschen und den unzähligen Gläsern und Humpen beeindrucken die Brauereinamen in sandgestrahlter Beschriftung, in Reliefschrift oder mit Einbrandetiketten. Gekennzeichnet wurden die Flaschen auch mit Glassiegel. Speziell ist die Flasche von 1893 der Brauerei Hürlimann mit dem Relief-Fehldruck «Zuricg». Aufschlussreich haben Ruth Sollberger und Peter Probst ihre Ausstellung gestaltet und packend mit Zubehör ergänzt wie etwa einem Tragbehälter aus gelochtem Eisen zum Waschen der Flaschen, einem Flaschentrockner sowie Reklametafeln und Bilder. So werben eine Frau in Tracht fürs Feldschlösschen Bier, für die Brauerei Haldengut ein kleines Mädchen mit Weidenkorb, ein weisser Engel fürs Weissbier der Brauerei Schützengarten.

Haltener Turmbräu

Je älter die Flaschen sind, umso individueller zeigen sich auch die Formen und Grössen. Etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts stellten die Glasbläser mit viel Geschick Gläser und Flaschen her. Später folgte die halbindustrielle und vollautomatische Fertigung. Der wundersame Bügelverschluss, dessen Porzellanteil mit dem Brauereinamen versehen war, kam nach 1890. «Wenn jemand vor gut 100 Jahren mutwillig eine Flasche zerstörte, konnte man ihn anzeigen», weiss Peter Probst. Bereits 1907 musste pro Flasche ein Depot von 10 Rappen bezahlt werden, 1918 sogar 30 Rappen. Dies wegen missbräuchlicher Nutzung der Flaschen.

Das ganz Besondere an der Vernissage war zudem der Ausschank des Haltener «Turmbräu». Claudius Lüthi braut seit vier Jahren sein eigenes Bier und bringt es an Vereinsanlässen und Geburtstagen unter die Leute.

Info: Ausstellung im Museum Wasseramt, Turm in Halten: bis 16. Juni, jeweils an den Sonntagen von 13 bis 17 Uhr.

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