Zuchwil

33 Kinder checken am Schalter der Theater-Airline ein

Doppelt so viele Kinder wie im letzten Jahr besuchen die Kindertheaterwoche in Zuchwil. Den Kindern wird kein fertiges Theaterstück vorgegeben, so dass sie sich selber einbringen können.

In der «Wartehalle» Schulhaus Unterfeld stehen die Passagiere in einer langen Schlange. Überall sind bunte Koffer und Reisetaschen in allen Grössen. 33 Kinder checken am Schalter der Theater-Airline ein. Sobald die Koffer mit dem Namen der Passagiere beschriftet sind, kontrolliert Pilot Joseph die Flugscheine. «Für die Mamas und Papas haben wir keine Tickets», heisst es beim Boarding.

«Das macht nichts», befinden die Kinder. Schliesslich wollen sie diese Woche alleine in die Ferien fliegen. «Ab in die Ferien» ist nämlich das Motto der diesjährigen Kindertheaterwoche. Pilot Joseph geleitet die jungen Passagiere zum Flugzeug. «Willkommen in der Theater-Airline», begrüsst Theaterpädagogin Simone Wyss, sobald alle Passagiere ihren Sitzplatz gefunden haben. «Wir fliegen heute ins Theaterland.»

Ferienziel noch ungewiss

Nach den üblichen Sicherheitsanweisungen wird gestartet – gleichsam das Flugzeug und das erste Rollenspiel. Die Kinder imitieren Flugzeuggeräusche, lassen sich von Windböen durchschütteln und werden bei der Landung in den Sessel gedrückt. Im Theaterland angelangt, erklärt Simone Wyss den Ablauf der Woche. «Was wir zusammen machen werden, wissen wir noch nicht genau.» Klar sei nur, dass die Gruppe zusammen in die Ferien fährt. «In welches Land wir wohl gehen?», fragt sich ein Junge. «Ich war gerade erst in den Ferien», sagt ein Mädchen. «Ich auch – aber nicht mit dem Flugzeug wie wir jetzt, sondern mit der Fähre», erklärt ein anderes. «Da seht ihr schon, es wird vieles möglich sein diese Woche», spricht Simone Wyss zu den Kindern.

Kinder entwickeln die Szenen

Die Theaterpädagogen Simone Wyss und Joseph Nicolet erarbeiten nach dem letztjährigen Pilotprojekt bereits zum zweiten Mal ein Theaterstück mit Schülerinnen und Schülern aus Zuchwil und Umgebung. Sie geben den Kindern bewusst kein fertiges Theaterstück zum Auswendiglernen vor. «Die Szenen entwickeln wir als Gruppe im Verlauf der Woche. So können die Kinder tiefer in einen kreativen Prozess eintauchen.» Das Tolle am Theater sei dessen Ganzheitlichkeit, so Simone Wyss.

Es werde diese Woche um gezielte Bewegungsschulung gehen, und die Möglichkeiten der Stimme werden ausgelotet. «Ein Thema ist natürlich auch die Fantasie und schliesslich die kognitive Leistung und die Konzentration bei den Schlussproben und der Aufführung.» Die Kinder üben sich zudem in sozialer Interaktion. «Die Kinder entwickeln ein Gefühl dafür, wann sie sich in den Vordergrund stellen müssen oder wann Zurückhaltung gefordert ist.»

Koffer-Musik

Trotz dieser Vielfalt des Theaterspiels sei es spannend, einen weiteren thematischen Aspekt aufzugreifen. In der letztjährigen Theaterwoche gestalteten die Kinder ihre Kostüme selber. «Dieses Jahr legen wir den Schwerpunkt auf die Musik», so Wyss. Deshalb ist Musikpädagogin und Kulturmanagerin Doris Schaeren ebenfalls mit von der Partie. Sie wird mit den Kindern etwa Flugzeug- oder Busgeräusche einfangen, mit der Stimme und verschiedenen Instrumenten spielen. Sogar die Koffer der jungen Passagiere werden in ein musikalisches Element verwandelt.

Die Kinder verbringen diese Woche jeweils den ganzen Tag in der Theater-Werkstätte. Neben den musikalischen und schauspielerischen Inputs sorgen die Theater- und Musikpädagogen sowie Regieassistentinnen Rea Etter und Lia Kummer für spielerische Unterhaltung. Die Kinder können malen, den Spielplatz nutzen und verschiedenste Spiele ausprobieren. In der Mittagspause sorgen zwei Betreuerinnen für das Wohlergehen der Kinder. «Durch die so gegebene intensive Auseinandersetzung miteinander und mit dem Thema machen manche Kinder enorme Entwicklungsschritte», berichtet Simone Wyss.

Freunde und Eltern sind eingeladen zur Werkstatt-Aufführung am Freitag um 17 Uhr in der Aula des Schulhauses Unterfeld in Zuchwil.

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