Reisebüro-Pleite
300 Strafanzeigen gegen das Reisebüro Biber Travel in Biberist

Schaden bewegt sich gegen Millionenhöhe – Peter Weisskopf geschäftet weiter. Bisher sind über 300 Strafanzeigen gegen das Reisebüro Biber Travel in Biberist eingegangen. Es werden noch mehr kläger erwartet.

Franz Schaible
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Biber Travel bleibt wohl für immer geschlossen. Hanspeter Bärtschi

Biber Travel bleibt wohl für immer geschlossen. Hanspeter Bärtschi

Das Debakel um das Reisebüro Biber Travel in Biberist sprengt die Grenzen eines «normalen» Schadenfalls. «Bis jetzt sind rund 300 Strafanzeigen eingegangen», erklärt Sabine Husi, stellvertretende Oberstaatsanwältin bei der Solothurner Staatsanwaltschaft, auf Anfrage.

Die Höhe der Deliktsumme sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft hat im September eine Strafuntersuchung wegen Veruntreuung eröffnet.

Die Anzahl der Kläger wird sich weiter erhöhen. «Es gehen nach wie vor einzelne Meldungen von betroffenen Reisebüro-Kunden bei der Polizei ein», sagt Mediensprecherin Thalia Schweizer.

Bislang seien über 300 Meldungen eingegangen. Beim Ombudsman der Schweizer Reisebranche haben sich rund 260 Betroffene gemeldet. Auch dort laufen weiterhin vereinzelte Meldungen ein, wie Ombudsman Beat Dannenberger erklärt.

Wahrscheinlich Millionenschaden

Anhaltspunkte, in welchen Sphären sich der Schaden letztlich bewegen wird, liefert Sonja Laborde, Geschäftsführerin der Travel Professional Association (TPA). «Wir sind am Bearbeiten von rund 100 Dossiers mit jeweils mehreren involvierten Personen. Die Schadensumme liegt für diese Fälle bei mehreren 100000 Franken.»

Bei der Kundengeldabsicherungsfirma TPA war Biber Travel für den Zeitraum vom 20. Juli bis 19. September «rückversichert». Die Kunden, die in dieser Phase eine Pauschalreise gebucht haben, könnten mit der Rückerstattung rechnen, versichert Laborde. Einiges höher dürfte der Gesamtschaden ausfallen.

Denn jene Reisefreudigen, die zwischen dem 4. Mai und dem 19. Juli gebucht haben, sind in der obigen Schadenschätzung nicht enthalten. In dieser Periode verfügte Biber Travel nämlich über keine Kundengeldabsicherung und die Kunden werden ihre Forderung wohl abschreiben müssen.

Nebst dem finanziellen Schaden dürften zudem bei den um die wohlverdienten Ferien geprellten Kunden die Enttäuschung und der Ärger riesengross gewesen sein.

Keine Strafanzeige eingereicht haben die Ombudsstelle und der Schweizerische Reisebüro-Verband. Es könne nur eine geschädigte Person Anzeige einreichen, erläutert Verbandsdirektor Walter Kunz.

Keine Hilfestellung

Hilfestellung im konkreten Fall könne der Verband nicht leisten. «Aber wir rufen regelmässig dazu auf, nur in Reisebüros mit Kundengeldabsicherung zu buchen.»

Das stützt auch Ombudsmann Dannenberger: «Leider werden bei vermeintlichen Superangeboten sämtliche Vorsichtsmassnahmen vergessen. Es zählt nur noch der Preis, und auf die Sicherheit wird nicht mehr geschaut.»

Peter Weisskopf, als «Berater» des Biberister Reisebüros der eigentliche «starke Mann» im Hintergrund, will auf Anfrage die ungewöhnlich hohe Anzahl der Strafanzeigen nicht gross kommentieren.

Er bemühe sich weiterhin, den Schaden zu minimieren. Inzwischen sei er auch von der Staatsanwaltschaft einvernommen worden. Wie es weitergehe, könne er nicht sagen.

Bei der Staatsanwaltschaft heisst es, dass «die Ermittlung und Untersuchung in komplexen Wirtschaftssachen sehr viele Monate bis wenige Jahre braucht». Über das nach wie vor geschlossene Reisebüro in Biberist ist noch kein Konkurs eröffnet worden. Offenbar hat bislang kein Gläubiger ein Konkursbegehren gestellt.

Weisskopf verkauft weiter Reisen

Indes geschäftet Peter Weisskopf weiter im Reisegeschäft. Seit November 2010 ist er Geschäftsführer und Inhaber der Regina Reisen und Vertrieb GmbH mit Sitz in Urdorf ZH.

Dass er nach dem Debakel in Biberist weiterhin in der Branche aktiv ist, ist für ihn kein Problem. Regina Reisen habe mit Biber Travel überhaupt nichts zu tun.

Ebenso kein Problem sieht Weisskopf darin, dass Regina Reisen über keine Kundengeldabsicherung verfügt. Dagegen stossen seine Aktivitäten bei Brancheninsidern auf Unverständnis. «Alle wissen, dass Peter Weisskopf hinter Biber Travel stand und trotzdem darf er immer noch Reisen verkaufen», heisst es sinngemäss.