Amtsgericht

27-Jähriger Mann erwürgt im Streit beinahe seine Freundin

Das Amtsgericht verurteilte den Mann zu zwei Jahren auf Bewährung und ordnete eine Therapie an.

Das Amtsgericht verurteilte den Mann zu zwei Jahren auf Bewährung und ordnete eine Therapie an.

Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verurteilt einen 27-jährigen Schweizer wegen Gefährdung des Lebens zu zwei Jahren auf Bewährung und ordnet eine Therapie mit dem Namen «Lernprogramm gegen häusliche Gewalt» an.

«Eine Therapie steht in diesem Fall im Vordergrund, nicht die Bestrafung.» Mit diesen Worten führte Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt am Dienstag eine Viertelstunde vor der eigentlichen Verhandlung eine Sekundarschulklasse aus Bettlach in einen Prozess wegen häuslicher Gewalt ein. Es war also schon vor dem Prozessbeginn klar, dass das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt eine bedingte Strafe aussprechen und eine Therapie anordnen will. So konnte bei den unbeteiligten Zuhörern der Eindruck entstehen, es sei alleine aufgrund der Aktenlage ein Urteil verkündet worden.

Mehrmals geschlagen

Die Anklage umfasste 6 Punkte, wobei die Gefährdung des Lebens am gravierendsten war. Schon oft hatte Klaus T.* seine langjährige Lebenspartnerin Morena P.* brutal geschlagen, sodass sie zum Beispiel ein blaues Auge überschminken musste, bevor sie zur Arbeit ging. Am 12. Februar 2012 eskalierte ein Streit total: Die Schläge, an die sich das Opfer mit den Jahren wohl schon gewöhnt hatte, genügten diesmal nicht, um die Wut des jungen Mannes abzukühlen. Er packte seine Freundin am Hals, drückte sie mit dem Kopf gegen die Wand und würgte sie so stark, dass ihr spontan der Urin abging. Erst als der Nachbar läutete, liess er von ihr ab.

«Es bestand reelle Lebensgefahr»

Staatsanwalt Martin Schneider wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass der untersuchende Arzt beim Opfer eine konkrete Lebensgefahr festgestellt hatte: «Ein solcher Angriff gegen den Hals kann einen reflektorischen Herzstillstand herbeiführen. Eine Strangulation ist potenziell immer lebensgefährlich.» Der spontane Urinabgang, die Blutergüsse am Hals und zwei geplatze Äderchen im Auge seien ganz klare Hinweise. Schneider zitierte drei Bundesgerichtsurteile, die in vergleichbaren Fällen die Gefährdung des Lebens bestätigten. «Eine Strangulation ist wie eine Gratwanderung. Der Würger kann nicht genau beeinflussen kann, was passiert. Entweder stirbt das Opfer, oder es überlebt und trägt wie in diesem Fall auch, keine bleibenden Schäden davon.»

«Ganzen Abend hässig»

Der Angeklagte gab alles zu. Er erklärte seine Wut so: «Ich rief sie an, ob sie mich holen könnte, weil ich getrunken hatte. Sie sagte nein, ich solle selber schauen. Ich war den ganze Abend hässig, am liebsten hätte ich schon im Ausgang jemanden verprügelt.» Das nichtige Motiv sprach also nicht gerade für eine milde Strafe.
Klaus T. erklärte seine Gewaltausbrüche mit der schwierigen Kindheit. Er wurde als Sechsjähriger vom Stiefvater mit dem Teppichklopfer geschlagen. «Er hatte mich und meinen Bruder nicht gern, und wir hatten ihn nicht gern», sagte der Angeklagte, der als 16-Jähriger zudem in ein Erziehungsheim gesteckt wurde.

Therapie und milde Strafe

Trotz der erlebten Misshandlungen lebt das Opfer weiterhin mit dem Freund zusammen. «Ich würde ihm gerne eine letzte Chance geben mit einer Therapie», sagte die 22-Jährige. Ihre Strafanträge zog sie zwar nicht zurück, aber sie stimmte einer provisorischen Einstellung der Anklagepunkte Körperverletzung und Drohung zu. Damit legte Morena P. die Basis dafür, dass ihr Lebenspartner nicht ins Gefängnis muss. Die Bedingung formulierte sie klar und deutlich: «Wenn er die Therapie nicht ernst nimmt, dann werde ich das widerrufen, und dann soll er dafür bestraft werden.»

Alle Parteien waren sich einig

«Ich habe mir überlegt, ob ich eine teilbedingte Strafe beantragen soll, damit er wirklich spürt, wie ernst die Situation ist», sagte Staatsanwalt Schneider, forderte dann aber nur eine bedingte Freiheitsstrafe von 2 Jahren mit einer Bewährungsfrist von 2 Jahren. Als Auflage sei der Besuch der Therapie im Urteil festzuschreiben. Verteidiger Victor Müller war mit dem Staatsanwalt weitgehend einig und beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von maximal 15 Monaten mit einer Bewährungsfrist von 3 Jahren. Das Gericht nahm von beiden Seiten die längere Frist und verurteilte Klaus T. zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 2 Jahren mit einer Bewährungsfrist von 3 Jahren.

«Am meisten Gedanken machte uns das Verhalten nach der Tat. Wir vermissen die Einsicht in ihr persönliches Problem und wir spürten keine Reue», sagte der Gerichtspräsident bei der Urteilsbegründung. «Das ist die absolut letzte Chance. Wenn es wieder zu einem Übergriff auf ihre Lebenspartnerin oder eine andere Person kommen sollte, dann gibt es keine bedingte Strafe mehr.»

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