Den Jazz nach Langenthal holen.» So lautete das Ziel vor 25 Jahren von einigen Gleichgesinnten. Zuerst standen Dixieland und New Orleans auf dem Programm. «Als das gut ankam, dachten wir, so zwanzig Mal könnten wir das machen», berichtet Bruno Frangi, Programmleiter im Organisationskomitee. «Jetzt können wir bereits zum 25. Mal einladen, und wir haben fest im Sinn, weiterzumachen.»


Am nächsten Dienstag gehts los mit dem Konzert «Tribute to Sidney Bechet», und die Jazz-Tage schliessen mit einer Überraschung, von der die Organisatoren selbst überrascht sind, dass sie erstens zustande kam und zweitens so grossen Anklang gefunden hat, dass der Anlass innert Kürze ausverkauft war: Das Konzert «Jazz meets Brazil» mit Marc Sway und Band.

«Für uns ist das nicht nur ein schöner momentaner Erfolg», erklärt Frangi, «sondern auch ein Hinweis darauf, was gut ist fürs Programm der Zukunft.»
Aber nicht nur das Konzert mit Marc Sway ist erfolgreich, sondern auch die weiteren Anlässe der Auflage 2015 sind es. Wie schaffen es die Langenthaler, dass ihre Jazz-Tage im Umfeld der vielen weiteren kleinen und grossen Festivals so gut bestehen können?

«Wir decken Bereiche des Jazz ab, von dem viele Menschen begeistert sind, und ganz besonders natürlich wir vom OK», antwortet Frangi und meint damit Old Time Jazz und Swing, aber auch Gospel und Blues. Hinzugekommen sind Gipsy und Latin Jazz. Offenbar ist die Mischung auch Sponsoren genehm, sind sie doch recht zahlreich und treu. Ins Programm aufgenommen worden sind ergänzende Veranstaltungen im Chrämerhuus und Kino Scala.


«Die Musiker spüren die Begeisterung vom Publikum und von uns und kommen deshalb auch gerne wieder.» Dazu gehöre die persönliche Betreuung der Musiker. «Wir holen die Leute am Flughafen ab, und wenn sie hier sind, versuchen wir, ihnen den Aufenthalt angenehm zu gestalten. Oder vielleicht auch einen Extrawunsch zu erfüllen.» So wie etwa ein Fondue-Essen mit Chris Barber um 11 Uhr vormittags – und dies nach einer langen, bewegten Nacht.


Namen wie Chris Barber oder Dutch Swing College Band als sichere Werte für ein erfolgreiches Konzert werden immer rarer. Wie suchen die Langenthaler jene Bands, die ins Programm passen? «Mittlerweile müssen wir nicht mehr suchen. Wir dürfen auswählen», antwortet Frangi.

«Wir werden geradezu überhäuft mit Anfragen. Unsere Jazz-Tage sind in der Szene eine Marke geworden.» Das trifft zu: «Jazztime», das Schweizer Magazin für Jazz und Blues, hat die Titelgeschichte seiner aktuellen Ausgabe dem Anlass gewidmet. «Bei der Auswahl verlassen wir uns weder auf CDs noch auf Youtube-Einspielungen. Wir engagieren grundsätzlich nur noch Bands bzw. Sängerinnen und Sänger, die wir persönlich bei einem Liveauftritt erlebt haben.»


So geschah es denn auch bei Marc Sway. «Er interpretierte bei der Hommage an Claude Nobs am Jazzfestival Montreux die Ballade ‹Georgia on My Mind› – und alle waren hingerissen. Ich eben auch», berichtet Frangi. Er setzte alle Hebel in Bewegung, um mit Sway in Kontakt zu kommen.

«Wir wissen nicht genau, was er bringt, sind aber sicher, dass es hammermässig wird.» Dieser Auftritt habe Einfluss auf die künftige Programmgestaltung, hat Frangi angetönt. Wie meint er das? «Der Hauptteil unseres Publikums ist im mittleren und fortgeschrittenen Alter.

Wir glauben, dass Sway mit seiner Musik uns hilft, den Bogen weiter zu spannen und jüngeres Publikum anzulocken. Denn würden wir heute immer noch nur Dixieland und vielleicht noch klassischen Swing bringen, dann gäbe es die Jazztage nicht mehr.» Ebenfalls zukunftsgerichtet sollen Doppelkonzerte über die Bühne gehen, bei denen sich junge und bestandene Jazzer bei einer Jamsession zusammenfinden können.