Der 43-jährige Pädagoge, der 20 Buben sexuell missbraucht haben soll, ist in der Region Solothurn kein Unbekannter. Zwischen Mai 2008 und Oktober 2010 war T.* am Schulzentrum Derendingen-Luterbach sowie an der Primarschule Derendingen als Schulsozialarbeiter tätig. Er wohnte in Zuchwil. Zudem hat er von Mitte 2010 bis Ende 2011, also bis kurz vor seiner Verhaftung wegen sexuellen Missbrauchs an 20 Schülern, an der Freien Volksschule in Biberist gearbeitet. In Derendingen war er als erster Sozialarbeiter überhaupt angestellt worden und baute das Projekt mit einer Kollegin auf. Schüler suchten ihn dort für Gespräche in seinem Büro auf, er begleitete sie auf Schulreisen und nahm an Lagern teil.

Eltern sind beunruhigt

Schulleiter Adrian van der Floe findet nur positive Worte für das Schaffen des preisgekrönten Pädagogen. «Wir erhielten ausschliesslich gute Reaktionen, sei es von Eltern, Schülern oder Lehrern.» Auch an einem Augenschein in Köniz-Liebefeld, wo man die Arbeit von T. unter die Lupe nahm, habe die Derendinger Delegation positive Eindrücke gewonnen. «Wir waren begeistert von seiner Arbeit und gingen davon aus, dass wir eine gute Fachperson anstellen», sagt van der Floe.

Eine Mutter, deren Sohn von T. unter anderem in ihrer Wohnung im Wasseramt betreut wurde, zeigt sich nach den schweren Anschuldigungen besorgt. «Ich denke nicht, dass etwas vorgefallen ist. Aber ich bin natürlich verunsichert.»

«Der Fall macht uns betroffen»

Lobende Worte findet man auch bei der Solothurner Fachstelle «Perspektive», wo der Mann angestellt war. «Er wurde von Behörden, Eltern und Lehrern sehr geschätzt», sagt Geschäftsleiterin Karin Stoop. «Ich habe in all den Jahren auch nach regelmässigen Befragungen keine Kritik gehört.»

Allerdings hatte man bei der «Perspektive» von einer Privatperson erfahren, dass der Sozialarbeiter an seiner früheren Wirkungsstätte in Oberwil BL wegen sexueller Übergriffe in Verdacht geraten war. «Wir haben ihn damit konfrontiert, doch er hat es abgestritten», sagt Stoop. Das reichte der «Perspektive» nicht. «Wir haben den Fall ernsthaft geprüft, verlangten, dass er die Vorwürfe juristisch abklären lässt, und setzten ihm eine Frist.» Kurz darauf kündigte T. seine Stelle; der Vorwurf der sexuellen Übergriffe blieb im Raum hängen. Für die «Perspektive» war der Fall damit abgehakt. «Der Fall macht uns betroffen», sagt Karin Stoop. Sie hält indes fest, nie von einer Strafverfolgungsbehörde kontaktiert worden zu sein.

Übergriffe im Privaten

Bis zu seiner Festnahme arbeitete T. schliesslich während eineinhalb Jahren für die Freie Volksschule Solothurn in Biberist. Dort hatte er während ein bis zwei Wochenlektionen Kontakt mit 14- bis 16-jährigen Jugendlichen. Zweimal habe er auch Kinder ausserschulisch in einer Alphütte in Lauenen betreut. Er habe aber stets darauf bestanden, dass eine erwachsene Zweitperson anwesend ist, sagt ein damaliges Schulleitungsmitglied der mittlerweile geschlossenen Alternativschule, das anonym bleiben will. «Er hat gewusst, dass Anschuldigungen gegen ihn vorliegen.» Man habe dies nicht hinterfragt, da er durch die Arbeit in Derendingen ja legitimiert gewesen sei. Ausserdem habe Köniz «nicht sauber weiterinformiert».

An seinen Opfern verging sich T. im privaten Rahmen – die Kontakte knüpfte er aber als Schulsozialarbeiter. Das ehemalige Schulleitungsmitglied ist indes überzeugt, dass im Rahmen der Anstellung in Biberist keine Übergriffe passierten. «Wir haben bei einzelnen Schülern nachgefragt, sie hätten uns informiert.» Ausserdem sei man nie von der Staatsanwaltschaft kontaktiert worden.

*Name der Redaktion bekannt