Mümliswil
16 barfüssige Mädchen erobern die Herzen der Besucher

Alle zwei Jahre findet der Jodlerabend des Jodlerklubs Passwang Mümliswil statt. Die Jodler und Jodlerinnen boten viel fürs Gemüt. Die barfüssigen Trachtenmädchen vom Chinderchörli vermochten das Publikum besonders zu begeistern.

Benildis Bentolila
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Die Mädchen des Chinderchörlis vom Passwang waren an diesem Abend die Stars.

Die Mädchen des Chinderchörlis vom Passwang waren an diesem Abend die Stars.

bbt

Samstagabend gegen halb acht Uhr vor dem Eingang zur Aula im Schulhaus Brühl in Mümliswil: Enttäuschten Fans des Jodlerklubs Passwang Mümliswil (JKPM) mussten unverrichteter Dinge wieder heimkehren. Ausverkauft. Das erstaunt nicht, denn der zweijährlich stattfindende «Jodlerobe mit Theater» ist bekannt.

Jedes Mal denkt man, besser kann es nicht mehr werden. Und doch übertreffen die Mümliswiler sich immer wieder neu. Nach einer guten halben Stunde erbebte der Saal von Jodelgesang, Jauchzen, Ländlermusik, Lachen, Volksweisen und urwüchsigen Liedern. Die Zuschauer klatschen den Jodlern und Örgelifägern, diese applaudieren zurück.

«Es chunnt wies mues» von Fernand Hostettler sangen die Jodlerinnen und Jodler unter der Leitung von Mischa Fluri zum Einstieg. Es folgte die Uraufführung von «I ha-n-es Schmützeli übercho», ein Jodellied mit Augenzwinkern aus Mümliswil. Den Text schrieb Josef Scacchi, die Melodie Anton Krapf. «Das Lied liegt wohl bald zehn Jahre in der Schublade», plaudert der 1. Tenor und Vizedirigent Patrick Bloch aus dem Nähkästchen, «endlich haben wir es einstudiert».

Es folgte die Überraschung des Abends: 16 barfüssige Mädchen, alle in der Tracht, betraten die Bühne und setzten gleich an zum ersten Lumpeliedli: «Mi Mueter chocht Röschti und speuzt e chli dra, so wird sie schön saftig und hocked nid a.» Die Zuhörer konnten nicht genug bekommen und klatschten die jungen Stars – das waren sie an diesem Abend – mehrmals wieder auf die Bühne. Im Herbst gründete Silvia Meister das Chinderchörli vom Passwang, das sie, assistiert von Marlies Stelletti, leitet. «So wie es aussieht», erklärte die Leiterin, «machen wir nach diesem erfolgreichen Abend weiter.» Es hätten sich weitere Mädchen gemeldet zum Mitmachen.

«Es cha nur Liebi si»

Ein weiteres Highlight bahnte sich an, als die Örgelifäger auf die Bühne traten, mitten unter die Jodler und die Kinder. «Fäger» ist das richtige Wort für diese vier jungen Männer. Mit populären Melodien zum Mitsingen und Mitklatschen brachten sie mehr Jubel, Trubel, Heiterkeit in die Aula und es schien, die ganze Welt sei froh gestimmt. Die Heiterkeit setzte sich fort, als der erste Bass Ernst Künzli aus dem Stegreif wahre und fantastische Geschichten erzählte über sein Alter, das Alter des JKPM, das Jodelhuttragen und das Vergessen.

Die Kleinformation des JKPM kommt daher wie mancher vollständige Jodlerklub. Zudem fällt auf, dass es in Mümliswil nicht an jungen Männern fehlt, die mit einer schönen Stimme gesegnet sind und diese zu ihrer eigenen und zur Freude ihrer Fans einsetzen. Weil ihre Frauen an vielen Abenden allein daheim wären, schenkten die Jodler ihnen zum Schluss das wunderbare Lied von Ueli Zahnd «Das cha nur Liebi si».

Bauer sucht Bäuerin

Ebenso wichtig wie das Singen und Jodeln ist das Theater, dieses Jahr mit dem Titel «Köbelis Sunneschyn». Der Geissenbauer Köbeli Läderach (Manfred Probst) lebt mit seinem Knecht Chrigel (Patrik Hess) auf einem kleinen, abgelegenen Hof. Sie ernähren sich von Kartoffeln, was Köbeli ändern möchte. Er hat sich bei «Bauer sucht Bäuerin» gemeldet und schon tritt die schrille Manuela von Wil (Caroline Fluri) vom Sender «Sunneschyn» in die Stube und filmt, was das Zeug hält.

Besonders nimmt sie den Auftritt von Köbelis doppelzüngiger, erbschleichender Schwester Marie Wildise (Andrea Meier, auch zuständig für Maske und wilde Frisuren) und ihrem stotternden Pantoffelhelden Xaver (Hugo Nussbaumer) auf. Die erste Heiratskandidatin Vreneli Räbsome (Verena Bloch) entführt den Xaver für eine Nacht, weil ihr Chrigel und sein Kumpan zu fest stinken. Die zweite Anwärterin folgt, die scheue Luzia Häfeli (Regula Allemann), die das mit Batterie angetriebene Herz von Köbeli gewinnt.