Gerlafingen
13 Jahre Schulverwalterin: «Licht- und Schattenseiten kennen gelernt»

Schulverwalterin Jeannette Hansen ist nach 13 Jahren im Amt nun in den Ruhestand getreten. Sie blickt zurück auf eine intensive Zeit, in der sich auch für die Gerlafinger Schule vieles verändert hat.

Gundi Klemm
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Jeannette Hansen hat noch viel vor: Unter anderem will sie den Jungfrau-Marathon erneut laufen.

Jeannette Hansen hat noch viel vor: Unter anderem will sie den Jungfrau-Marathon erneut laufen.

Gundi Klemm

So ganz glauben, dass sie demnächst mehr Zeit für ihre eheliche Zweisamkeit, für Töchterfamilien und Enkel, für eine interessante Weiterbildung und für den Sport hat, kann es Jeannette Hansen eigentlich noch nicht. Aber spätestens in der Vorbereitung zum diesjährigen Jungfrau-Marathon im September, den sie zum dritten Mal bestreitet, wird sie merken, wie viel mehr Kraft sie diesem Teil ihrer Freizeit widmen kann. Denn bisher fanden Trainingsläufe vor oder nach der Arbeit statt oder mussten oft genug Sitzungsterminen weichen.

Wie viel Zusammenkünfte sie mit Bildungs- und Kreisschulkommission, Arbeitsgruppen, Schulleiterkonferenzen und dem Gemeinderat bewältigte, kann sie kaum quantifizieren. Dazu kamen Gespräche mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie mit Eltern. «Ich habe alle Licht- und Schattenseiten, die das heutige Schulwesen auffangen und ausgleichen muss, kennen gelernt», blickt sie auf eine auch für sie selbst intensive Lebensschule zurück. Es seien anspruchsvolle, aber in vielen Begegnungen glücklich stimmende Jahre gewesen, hält Hansen fest. «Auch wenn ich oft das Gefühl hatte, gegen Windmühlenflügel zu kämpfen.»

Viel nützliches Vorwissen

Als der Gerlafinger Gemeinderat Jeannette Hansen im Jahr 2000 wählte, und sie im Oktober ihre neu geschaffene Stelle als Schulverwalterin antrat, wussten die Ratsmitglieder, dass die neue Kaderfrau über viel Vorwissen verfügte. Jahrelang war sie vorher als Präsidentin der Schulkommission der Stadt Solothurn tätig gewesen.

Als Gemeinderätin und als Präsidentin der Bezirksschulpflege brachte sie genügend Erfahrung mit für ein weit gespanntes Aufgabengebiet, das man in seinen vielen Facetten nicht einfach fixfertig studieren kann. Der Gemeinderat hatte sie beauftragt, als Erstes die unterschiedlichen, in der Bildung angesiedelten Kommissionen für die Primarschule und den Kindergarten in der 2002 gegründeten Bildungskommission zusammenzuführen.

Eine neue Basis für funktionierende Zusammenarbeit konnte auch in der Kreisschulkommission, zu der das Musikschulwesen zählt, gelegt werden. Sie habe über die Jahre sicher dazu beitragen können, Strukturen zu optimieren und Reglemente für eine stimmige Zusammenarbeit in der Kreisschule sowie bei Schul- und Schulzahnärzten zu schaffen.

Zeit des Umbruchs

Das Zusammenwirken mit den beiden Partnergemeinden Recherswil und Obergerlafingen bezeichnet Hansen als gut. «Es war aber eine Zeit des ständigen Umbruchs», erinnert sie sich an die Weisungsfülle aus dem Bildungsdepartement in Solothurn, die sie im Schulalltag umzusetzen hatte.

Nötig waren zahllose Schriftsätze für unterschiedlichste Adressaten, Anträge, Bewilligungen, Klasseneinteilungen, die Einsatzkoordination von Lehrkräften und vor allem die Fähigkeit, mit Problemen und Konflikten umgehen zu können.

In den Jahren 2005 bis 2010 fand die Einführung der Geleiteten Schulen statt, wobei sie die Leitungspersonen während ihrer Ausbildung intensiv begleitete. Ab 2007 gab es vielfältige Schulsport-Angebote in der Kreisoberstufe. «Ich habe gelernt, politische Entscheide ohne Wenn und Aber anzunehmen», bekennt sie. Dass aber das dringend erforderliche Schulhaus im Gländ nicht gebaut werden konnte, sei eben doch auch für sie persönlich eine schmerzliche Angelegenheit.

Allerlei aufgegleist

Die Aufnahme von Informatik ins schulische Lernprogramm und vor allem die dazu nötige ICT-Ausstattung 2003 war ein wichtiger Schritt für die Gerlafinger Schulen. Dann folgte die Einführung der Blockzeiten in der Schule, um Familien die Verbindung von Arbeit und Alltagsleben zu erleichtern. Als eine der ersten Gemeinden im Kanton plante Gerlafingen 2006 die Schulsozialarbeit, um verschiedensten Schwierigkeiten besser begegnen zu können.

Als Pilotgemeinde sammelte man auch vielfältige Erkenntnisse durch die Integration von Kindern, die früher der Kleinklasse zugewiesen wurden. «Wir konnten zeigen, dass sie in Regelklassen durch individuellen Förderunterricht gut mithalten können», fühlt sich Hansen bestätigt, obwohl diese Unterstützung «einen Riesenanspruch an die Lehrkräfte» bedeutet. «Bei uns im Schulwesen wird viel geleistet», würdigte sie die Arbeit der Gerlafinger Lehrerinnen und Lehrer und freut sich, dass die Oberstufentests etwa im Fach Deutsch zeigen, dass die Kenntnisse hier über dem Kantonsschnitt liegen.

Vielleicht noch ein Fotobuch

Ihr Nachfolger Martin Müller, der am 1. August als Hauptschulleiter seine Arbeit aufnimmt, kann sich in einem durch Hansen zusammengestellten Ordner über alle laufenden Geschäfte und einen bereits fertigen Budgetvorschlag informieren. Auch er wird es mit weiteren Sparrunden zu tun bekommen.

Jeannette Hansen will Gerlafingen nicht ganz den Rücken kehren, denn sie möchte noch ihre Fotosammlung komplettieren über die schönsten Seiten des Dorfes, «... das ich wirklich lieb gewonnen habe.» Vielleicht gibt es davon sogar eine Publikation. Als amtliche Pflicht bleibt sie weiterhin Präsidentin der Einbürgerungskommission der Bürgergemeinde Solothurn.