Wunderkind

13-jähriger Pianist verblüfft die Jazzwelt

Charmant und mit Schalk in den Augen tritt Joey Alexander vors Publikum.

Charmant und mit Schalk in den Augen tritt Joey Alexander vors Publikum.

Joey Alexander trat letzte Woche bereits fünfmal am Jazzfestival Bern auf. Das Nachwuchstalent spielte dabei auch seine eigenen Nummern – die zu den Highlights des Anlasses gehörten.

Man staunt und fragt sich, spielt er wirklich so gut, wie man zu hören glaubt, oder gibt man ihm den Kinderbonus? Kein Zweifel, dieser erst dreizehn (13!) Jahre alte Joey Alexander darf wirklich bereits zu denjenigen Jazzpianisten gerechnet werden, denen der Weg zur internationalen Spitze offen ist.

Das Publikum in Marians Jazzroom in Bern, wo Joey Alexander mit dem Bassisten Alex Claffy und dem Drummer Kyle Poole vergangene Woche im Rahmen des Jazzfestivals Bern fünfmal auftrat, ist jedes Mal total begeistert.

Und die drei Musiker selber sind es auch, sie fahren ab mit stark rhythmusgeladenem Spiel, lachen, zwinkern sich zu und machen so das Zuhören zum Genuss. Gespielt werden Nummern, die Joey selber geschrieben hat, sowie solche von Thelonious Monk oder Herbie Hancock, der, wie Joey Alexander anfügt, «heute Geburtstag hat, er wird 76 Jahre alt und wir gratulieren ihm».

Frühe Erfolge

Dass dieser erst dreizehnjährige Pianist so locker von den ganz Grossen des Jazz wie von guten Kollegen spricht, kommt nicht von ungefähr. Als Achtjähriger spielte er ein Piano-Solokonzert für Hancock, der dann, so wird berichtet, «äusserst enthusiastisch» reagiert habe.

Und mit zehn Jahren setzte er sich in Odessa gegen mehr als 200 Profi-Jazzer durch und holte den Sieg des International Improvisation Contest. Es folgten Auftritte an Jazz Festivals in Rochester, Newport und Marciac. Sein erstes Album, «My Favorite Things», wurde für einen Grammy nominiert.

Geboren wurde Joey Alexander 2003 auf der Insel Bali. Mit sechs Jahren, so heisst es in seinem Lebenslauf, habe er begonnen, Melodien von Jazz Standards auf dem Klavier nachzuspielen. Sein Vater, ein Amateurmusiker habe den Jungen gefördert und ihn zu Konzerten mitgenommen.

Joey sei aber nie formell ausgebildet worden, alles habe er sich selber erarbeitet. Für die Spieltechnik kann man sich das noch vorstellen: üben, üben, üben ... Doch in Bezug auf die musikalische Ausdrucksweise, die Improvisation und insbesondere das Feingefühl in den Balladen lässt sich keine schlüssige Erklärung finden. Macht nichts. Besser ist, einfach zuzuhören und sich zu freuen.

Das Gastspiel von Joey Alexander stellt sicher einen Höhepunkt des Jazzfestivals Bern dar. Es gibt aber noch mehr davon, denn der Anlass dauert noch bis zum 21. Mai. Hauptsächlich in Marians Jazzroom sowie im Jazzzelt beim Hotel Innere Enge.

Traditioneller Jazz

Das Festival ist dem traditionellen Jazz verpflichtet, doch hat es sich ein bisschen geöffnet. So treten im Jazzelt Studenten der Hochschule der Künste Bern sowie der New School for Jazz and Contemporary Music Series New York auf.

Der Anlass geht bereits zum 41. Mal über die Bühne, allerdings erst seit 2003 in Marians Jazzroom; Namensgeberin ist Marianne Gauer, Mitinhaberin des Hotels Innere Enge und Gattin von Hans Zurbrügg, der das Festival 1976 ins Leben rief.

Er, der selber Jahrzehnte lang mit dem Cornet Leader der Berner Wolverines Jazzband war, hielt sich bei der Programmgestaltung strikte an den traditionellen Jazz.

«In der Schweiz gab es damals nur das Jazzfestival Montreux, und in Willisau war ein Festival für die Avantgarde im Aufbau», sagte Zurbrügg in einem Interview mit Swissinfo. Man habe sich abgesprochen; für Bern schien der Frühling als die richtige Zeit.

In den ersten Jahren fand das Festival im Kursaal Bern statt, wo die Grossen des traditionellen Jazz auftraten. Als die Zahl dieser zugkräftigen Namen abnahm, entschied sich Zurbrügg 2003, das Festival in einen Club, eben in Marians Jazzroom, zu verlegen.

Das Konzept bewährte sich, Musiker der obersten Liga wissen die Atmosphäre des Jazzclubs zu schätzen. Es komme vor, sagte Hans Zurbrügg, dass ein Weltstar wie Wynton Marsalis mal eben anrufe und frage, ob er wieder ein paar Mal im Club spielen dürfe.

Seit einigen Jahren ist Sohn Benny Zurbrügg Festivalchef, Vater Hans ist Berater. Offensichtlich funktioniert das Gespann, denn 2013 wurden Zurbrüggs mit dem Beacons in Jazz Award ausgezeichnet, verliehen von der New School University in New York.

 Das detaillierte Programm des Berner Jazzfestivals finden Sie unter:
www.jazzfestivalbern.ch

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