Dies bestätigt Marcel Strub. Der neue Leiter der Fachstelle Bienen für die Kantone Solothurn und Basel-Landschaft, der sein Amt im Wallierhof im letzten August angetreten hat, stellt fest, dass seit der Kino-Lancierung des Films «More than Honey» von Markus Imhoof im letzten Herbst das Interesse an der Imkerei spürbar zugenommen hat. «Es gab sogar überbuchte Kurse», gibt Strub zu Protokoll.

Einen weiteren Schub brachten die Solothurner Filmtage mit den Auszeichnungen für gleich zwei Bienenfilme – «More than Honey» und «Der Imker», der die Geschichte eines armenischen Flüchtlings erzählt, der in der Schweiz wie in seiner Heimat als Imker arbeiten möchte und feststellen muss, dass das hierzulande «nur» eine Freizeitbeschäftigung ist.

Viele ältere Züchter haben aufgegeben

Die prominente Plattform für die Imkerei freut Marcel Strub. Denn die Dezimierung des Bienenbestandes im Winter 2011/2012, als manche Imker die Hälfte ihrer Bienen verloren hatten, veranlasste viele ältere Bienenzüchter aufzugeben. Umso mehr sei es wichtig, dass sich jetzt wieder jüngere Menschen für das faszinierende Hobby interessieren und sich das dazu nötige Fachwissen aneignen. Die Imker-Grundausbildung dauert zwei Jahre mit jeweils neun bis zehn Kursen pro Jahr. Ideal sei es, wenn Jungimker dabei zusätzlich einem Routinier über die Schultern blicken können, erklärt Strub.

Ein Dauerthema bleibt der Bienenschädling Varroa. Der Milbenbefall war hauptverantwortlich für den grossen Ausfall vor einem Jahr. Diesen Winter haben die Bienen offenbar besser überstanden. «Der Ausfall beim Bienenzüchterverein Mittlerer Leberbeg betrug zwischen 10 und 20 Prozent», rapportiert Max Tschumi, Präsident des Kantonalen Bienenzüchter-Verbandes. «Wobei ein Verlust von 10 Prozent eigentlich der Normalfall ist.»

Gute Überlegenschancen für Bienevölker

Genauere Zahlen über die gesamtkantonale Entwicklung seien zurzeit noch nicht erhoben. «Für eine definitive Einschätzung ist es noch zu früh», meint auch Rudolf Ritter von der bernischen Fachstelle Bienen am Inforama in Zolli-kofen. Genaueres sagen könne man Ende April. Sicher sei aber, dass Imker, welche die Milbe im vergangenen Herbst konsequent bekämpft haben, mit guten Überlebenschancen für ihre Völker rechnen können; insbesondere wenn alle Imker eines Perimeters konzertiert handeln, sodass sich die Bienen der verschiedenen Imker nicht anstecken.

«Ganz ausrotten kann man die Milbe jeweils nicht», bestätigt Marcel Strub. Es gebe zahlreiche Faktoren, die mitbestimmten, ob ein Bienenvolk den Winter gut überstehe oder nicht. «Die Kälte ist dabei von untergeordneter Bedeutung», betont Strub.

Es gehe vor allem darum, die Varroa-Ausbreitung durch gezielte und vor allem rechtzeitige Behandlung zu minimieren. Und dafür seien die Bedingungen im August und September des letzten Jahres gut gewesen. Aufgrund des kühlen Sommers haben die Bienen weniger Brut gemacht. «Weniger Brut bedeutet auch weniger Milben.»

Das heisst aber auch, dass sich der Bienenbestand weniger rasch erholt. «Das ist so», bestätigt Strub. Etwas besorgt ist der Experte über die lang anhaltende Kälte diesen Frühling. «Dass die Blüte so stark im Rückstand ist, habe ich seit Jahrzehnten nicht erlebt.»

Wenig Bienennachwuchs

Es bedeutet, dass die Bienen im Frühjahr ebenfalls wenig Nachwuchs ziehen. «Sollte es auf einen Schlag warm werden, wird die Natur förmlich explodieren und die noch wenigen Bienen kämen gar nicht nach mit Bestäuben», befürchtet Strub. Genau danach sieht es meteorologisch zurzeit aus. Ideal wäre, wenn es langsam wärmer würde und damit beispielsweise die Obstbäume nacheinander in Blüte ständen.

Könnte der Mangel an Bienen wieder zu illegalen Importen führen wie letztes Jahr? – «Ich hoffe, die Imker haben aus diesen Vorfällen gelernt. Zudem ist heuer die Ausgangslage eine andere», meint der Experte. Im vergangenen Juni hatte der Zoll mehrere Fälle von illegalen Importen von Bienenvölkern aufgedeckt. Laut Strub konnten inzwischen alle betroffenen Bienenvölker identifiziert und vernichtet werden.

Unterbinden könne man den internationalen Bienenhandel allerdings nicht, da er nicht verboten sei. Letztes Jahr seien 3000 Bienenvölker importiert worden. Die Gefahr, dass trotz dem vorgeschriebenen tierärztlichen Attest Krankheiten eingeschleppt werden, sei real. Leider gebe es immer wieder Imker, denen die Honigausbeute über alles gehe.