Frankenstärke
Wechselkurse zwingen regionale Firmen zum Umdenken

Der Euro fällt und fällt. Diese Woche kratzte die europäische Einheitswährung bereits an der Marke von 1.14 Franken - ein neuer Tiefststand. Derartige Kurse treffen auch die regionalen Firmen hart und zwingt diese zum Umdenken.

Daniel Meyer und Marco Sansoni
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Der Euro fällt und fällt

Der Euro fällt und fällt

Keystone

Eine betroffene Firma ist beispielsweise die Stahl Gerlafingen AG. Deren Exportanteil ist seit drei Jahren rückläufig und beinhaltet mittlerweile nur noch 30 Prozent. «Der auslösende Faktor war aber die Wirtschaftskrise verbunden mit der rückläufigen Nachfrage im Ausland», sagt Daniel Aebli, Leiter der Kommunikation der Stahl Gerlafingen AG.

«Verheerende Kombination»

Da die Baukonjunktur in der Schweiz auf hohem Niveau trotz Krise stabil blieb, konnte die Firma aber die Ausfälle des Exportmarktes in der Schweiz kompensieren. Aufgrund der Krise drängen aber seit 2009 vermehrt ausländische Firmen auf den Schweizer Markt und beginnen einen regelrechten Preiskampf. «Die aktuelle, massive Euroschwäche gegenüber dem Schweizer Franken wirkt sich in diesem Zusammenhang verheerend aus», so Aebli.

Umfrage unter Mitgliedern der Swissmem

Die Tendenz der Stahl Gerlafingen AG wird auch durch eine Umfrage der Swissmem (Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie) gestützt.

In der anonymen Umfrage (Stand Januar/Februar 2011) sind gemäss eigenen Unternehmensangaben 33 Prozent negativ und 54 Prozent stark negativ betroffen. Ein Drittel der Firmen haben sich bereits dazu entschlossen, bei Einkäufen in der Schweiz in Euro zu bezahlen, weitere 24 Prozent planen dies in der nächsten Zeit zu tun.
6 Prozent planen, die Löhne in Euro zu zahlen. Ebenfalls 6 Prozent wollen die Löhne auf die Basis des Schweizer Franken absenken. 4 Prozent haben Anpassungen der Arbeitszeit bereits beschlossen, weitere 13 Prozent beabsichtigen dies zu tun.

Auch bei längerfristigen Massnahmen gehen die Firmen in die Offensive. So wurden von 64 Prozent Prozessoptimierungen beschlossen. 48 Prozent forcieren die Innovation. Ein Viertel der befragten Firmen wollen Märkte mit anderer Währung erobern.
13 Prozent haben auch schon einen Personalabbau beschlossen und noch weitere 13 Prozent planen einen Abbau.

Es ist anzunehmen, dass sich die Prozentzahlen mittlerweile jedoch schon massiv veränderten, da die Umfrage zu einer Zeit mit einem Wechselkurs von 1.25-1.30 Franken pro Euro gemacht wurde. Eine neue Umfrage ist für Oktober in Planung.

(Quelle: Jonas Lang, Swissmem)

In Zahlen ausgedrückt bedeutet die Euroschwäche einen tieferes Unternehmensergebnis. Im Jahr 2010 waren es über 10 Millionen Franken, für das aktuelle Jahr sind noch keine aktuellen Zahlen bekannt. Daniel Aebli ist sich aber sicher, dass es sich noch verstärken wird.

Keine Kompensation durch Einkauf im Ausland

Im Falle der Stahl Gerlafingen sind die Transportkosten für den Rohstoff hoch. Somit kann sie auch keine Vorteile aus einem Einkauf im Ausland ziehen. Auch der zweite, grosse Kostenblock, die Energie, mache dem Unternehmen zu schaffen, sagt Aebli.

«Arbeitszeiterhöhung als Idee interessant»

Lösungen gibt es für die Stahl Gerlafingen praktisch keine. So arbeitet rund die Hälfte der Mitarbeitenden im durchgehenden Schichtbetrieb. «Auch wenn eine Arbeitszeiterhöhung als Idee interessant wäre, besteht praktisch kein Spielraum für Mehrarbeit mehr», so Aebli.

Er persönlich bezweifelt aber, dass diese Massnahme gegen die Euroschwäche ausreichen würde. «Es sollte aber, wo es möglich ist, geprüft werden.»

Massnahmen auf Bundesebene nötig

Der Stahlfirma sieht somit die Lösungsansätze nur im Produktionsbereich. «Die Automatisierung muss beschleunigt und die Produktivität laufend erhöht werden, damit wir die Kosten senken können», erklärt Daniel Aebli. Gleichwohl glaubt Aebli aber auch, dass es höchste Zeit ist, Massnahmen auf der Bundesebene zu treffen.

Das Stahlwerk glaubt aber weiterhin an den Werkplatz Schweiz. Erst im vergangenen Jahr wurden 120 Millionen in den Standort Gerlafingen investiert.