Solothurn
Was, wenn ein Schüler Amok läuft? Lehrer drücken bei der Polizei die Schulbank

160 Schulleiter gehen diese Woche bei der Polizei zur Schule: Sie erhalten von der Kantonspolizei Tipps, wie sie sich bei Amokläufen, Bombendrohungen oder Todesfällen richtig verhalten sollen.

Stefan Frech
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Solothurner Zeitung

Ein Schüler sticht auf seine Mitschüler ein. Ein Kind ertrinkt beim Schulausflug. Ein Fall von Hirnhautentzündung tritt auf. Alles Notfälle, auf die Lehrer kaum vorbereitet sind. Die Kantonspolizei Solothurn und das Bildungsdepartement haben nun für die Solothurner Schulen ein umfangreiches Notfallkonzept erarbeitet.

Wie lassen sich Amokläufe und andere Gewalttaten verhindern? Kommt es trotzdem zur Krise, wie soll sich der Lehrer verhalten? Das Notfall-konzept, ein 200 Seiten starker Ordner, gibt Anleitungen in 16 Krisensituationen: von Amok, Bombendrohung und Brand über Geiselnahme, ansteckende Krankheiten, sexuelle Übergriffe und Suizidandrohung bis zu Todesfall oder Waffengebrauch. Ergänzt ist das Konzept mit Checklisten, Musterschreiben und Ratgebern. «Ein solcher Ordner ist schweizweit einzigartig», sagt Thomas Zuber, Kommandant der Kantonspolizei Solothurn.

Polizei hilft bei der Umsetzung

Ein Ordner allein bringt aber noch nichts. Deshalb werden diese und nächste Woche 160 Schulleiterinnen und Schulleiter bei der Kantonspolizei in der «Schanzmühle» geschult.

Kursleiterin ist die deutsche Kriminalpsychologin Karoline Roshdi. Die Schulleiter lernen während des eintägigen Kurses, wie wichtig es ist, dass in jeder Schule ein Krisenteam aufgebaut wird.

Das aus drei bis sieben Personen bestehende Team hat die Aufgabe, den Notfallordner den Gegebenheiten der Schule anzupassen (Fluchtwege, Besammlungsorte, Telefonlisten), aktuell zu halten und die Verhaltenstipps den Lehrern und Schülern weiterzuvermitteln.

Das Krisenteam ist auch Ansprechperson für Polizei und Feuerwehr. «Wir werden die Schulen bei der Umsetzung des Konzepts unterstützen», verspricht Kommandant Zuber. «Jede Schule erhält einen Polizisten als Berater zur Seite gestellt.»

«Es gibt bereits Krisenteams»

«Mit dem Ordner haben die Schulleiter nun ein Werk, das ihnen im Krisenfall wirklich nützlich sein wird», sagt Albert Arnold, Präsident des Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter. «Viel wichtiger ist aber die Prävention: Wir müssen an den Schulen ein Vertrauensklima schaffen, damit es gar nicht zu Krisen kommt. Schüler sollen ihre Probleme den Lehrern mitteilen können.» Arnold hat den ersten Kurs am Montag besucht und erwartet nun von den Schulleitern, dass sie das Konzept umsetzen. Er stellt aber klar: «An vielen Schulen gibt es bereits Krisenteams.»

Zum Beispiel an der Gemeindeschule Biberist: Schulleiterin Susanne Mollica hat gestern Dienstag zusammen mit weiteren 15 Schulleitern am Kurs teilgenommen. «Wir hatten einmal einen Todesfall an der Schule», berichtet sie. «Es war sehr hilfreich, dass wir damals bereits über ein Krisenmanagement verfügten und es anwenden konnten.»