Kantonaler Führungsstab
Was tun, wenn das AKW Gösgen explodiert?

Das AKW Gösgen wird als sicher bescheinigt. Dennoch gibt es im Kanton Solothurn einen Notfallplan, der im Falle einer Nuklearkatastrophe zum Einsatz käme.

Adriana Gubler
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Kühlturm des AKW Gösgen (Archiv)

Kühlturm des AKW Gösgen (Archiv)

Keystone

Im letzten Aufsichtsbericht zur nuklearen Sicherheit in den schweizerischen Atomanlagen «bescheinigt das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) dem Atomkraftwerk Gösgen eine ausreichende Betriebssicherheit». Zudem befindet sich das KKG laut Ensi in einer geologisch ruhigen Zone. Trotzdem interessiert mit Blick auf Japan: Was wäre, wenn? Wer sind die Entscheidungsträger, wenn es im AKW Gösgen zum schlimmsten anzunehmenden Fall käme?

«Die Oberhoheit liegt beim Bund; er entscheidet, analysiert und kommuniziert», sagt Diego Ochsner, Chef des Kantonalen Führungsstabes und gleichzeitig Chef des kantonalen Amts für Militär und Bevölkerungsschutz, auf Anfrage. «Wir haben aber eine Notfallplanung für die verschiedenen Szenarien – entscheidend sind dabei die Zeitverhältnisse.» Würden sich die radioaktiven Stoffe plötzlich und schnell ausbreiten, gäbe es nur eines: Fenster zu, Nase bedecken und ab in den Keller. Hätte man jedoch mehrere Tage Zeit, würde man eine Evakuation vornehmen, sagt Ochsner.

Raus aus der Zone – aber wohin?

Je nach Ausbreitung der radioaktiven Stoffe, müssten über 30000 (Zone1, siehe Karte) oder weit über 91000 Personen (Zone2) aus dem Kanton ausgesiedelt werden. «In diesem Fall kämen die Fahrzeuge der Armee oder des Zivilschutzes zum Einsatz, aber auch Omnibusse oder Private.» Wo die betroffenen Personen untergebracht werden würden, ist nirgends festgehalten. Laut dem Chef des Führungsstabes käme es auch darauf an, in welche Richtung der Wind bläst. Jedoch gibt es ein Verkehrskonzept, das mit den umliegenden Kantonen laufend angepasst wird. «Wir haben zudem Kapazitätszahlen von den umliegenden Zivilschutzanlagen. Auch Notunterkünfte in Form von Turnhallen ausserhalb des betroffenen Gebietes, so wie das derzeit in Japan der Fall ist, sind möglich.»

Solothurner Gemeinden in der AKW Zone

Solothurner Gemeinden in der AKW Zone

Solothurner Zeitung

Aber wie könnte eine solche Evakuierung ablaufen? «Das ist eine gute Frage. Das kann man nicht genau sagen, weil das stark von den Zeitverhältnissen abhängig ist», und, fügt Ochsner bei: «Es ist sicher nicht einfach.» Er würde sich im Fall des Falles mit seinem Team – dazugehören unter anderen Kräfte von Polizei, Sanität, Feuerwehr, Zivilschutz, aber auch Bereiche wie Strassenunterhalt und Lebensmittelkontrolle – im Verwaltungsschutzbau, einer Anlage in Solothurn, einquartieren, wo die Fäden zusammenlaufen würden.

Wer kümmert sich um Jodtabletten?

Die Kantonale Katastrophenvorsorge ist für die Lieferung der Jodtabletten an die Gemeinden verantwortlich. In den Gemeinden der Zone 1 und 2 sind die Einwohner schon im Besitz von Tabletten. Laut Ochsner ist es Sache der Gemeinden, sich darum zu kümmern, dass Neuzuzüger über Jodtabletten verfügen. In der Zone 3, die restliche Schweiz, werden die Tabletten dezentral an fünf Standorten gelagert und erst im Bedarfsfall an die Bevölkerung verteilt.

Wer in Zone 1 oder 2 ansässig ist und kein Kaliumiodid zu Hause hat, soll sich bei der Gemeindeverwaltung melden, oder sich die Tabletten in der Apotheke auch selber besorgen. Wann die Tabletten eingenommen werden müssen, entscheidet der Bund. Kommuniziert wird dies über die Medien. Wie in jedem Ausnahmefall ist die Bevölkerung angewiesen, sich mittels Radio, TV und Internet über Anordnungen zu informieren.

www.kaliumiodid.ch

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