Fischreiher

Was suchen Fischreiher am Strassenrand?

Graureiher: Gerade eben gelandet und schon mit voller Konzentration aufs Wasser fixiert.  Fotos: ckw Graureiher: Gerade eben gelandet und schon mit voller Konzentration aufs Wasser fixiert.  ckw

Graureiher: Gerade eben gelandet und schon mit voller Konzentration aufs Wasser fixiert. Fotos: ckw Graureiher: Gerade eben gelandet und schon mit voller Konzentration aufs Wasser fixiert. ckw

Ist es wahr, dass Graureiher in letzter Zeit stark zunehmen? Im Mittelgäu jedenfalls kann man an verschiedensten Orten Gruppen von bis zu fünf Exemplaren entlang der stark befahrenen Hauptachsen beobachten.

Vom Verkehr lassen sich die Tiere nicht stören, denn sie wissen aus Erfahrung, dass ihnen vonseiten der Autofahrer keine Gefahr droht. Eigentlich gehörten doch die Fischreiher, wie sie im Volksmund auch genannt werden, ans Wasser. Was suchen sie aber auf den Feldern und am Strassenrand?

Im «Schweizer Brutvogelatlas», herausgegeben von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, welcher die ornithologischen Bestandeserhebungen in unserem Land in den Jahren 1993 bis 1996 dokumentiert und mit denjenigen von 1972 bis 1976 vergleicht, werden noch vier Reiherarten aufgeführt, der Graureiher, die Zwergdommel, der Nachtreiher und der Purpurreiher. Leider sind von den beiden letztgenannten Arten in den vergangenen Jahren in der Schweiz keine Bruten nachgewiesen worden. Von der Zwergdommel werden vor allem im Mittelland, entlang von Gewässern zwischen dem Bodensee und dem Genfersee, im Unterwallis und im südlichen Tessin noch jeweils zwischen 80 und 120 Brutnachweise erbracht.

Seltene Beobachtungen

Obwohl im Gäukeine Brutplätze bekannt sind, kommen sehr selten Beobachtungen des scheuen, 35 Zentimeter kleinen Vogels auch hier vor. So meldete Daniel Peier, Ornithologe und Fischer aus Oensingen, die Beobachtung einer männlichen Zwergdommel im Bereich der Wandfluh im Wolfwiler Aarerank am 27. Mai 2011.

Ganz anders sieht es jedoch bei der einzigen, nicht gefährdeten Reiherart, beim Graureiher, aus. Man nimmt an, dass jährlich schweizweit zwischen 1300 und 1400 Bruten in verschieden grossen Kolonien grossgezogen werden. Die Nester befinden sich vorzugsweise in Gewässernähe auf hohen Tannen oder Laubbäumen. Je nach Futterangebot werden drei bis fünf Eier gelegt. Nach ungefähr vier Wochen Bebrütung schlüpfen die gefrässigen Jungvögel aus. Sie werden in der Folge während rund sieben Wochen von den Altvögeln gefüttert, bevor sie das Nest verlassen.

Üblicherweise an Ufern von Gewässern

Der Graureiher, dessen Körpergewicht sich trotz einer Grösse von 90 Zentimetern nur um 1 Kilogramm herum bewegt, ist üblicherweise an Ufern von Flüssen und Seen beim Fischen anzutreffen. Nicht selten wagt er sich als Kulturfolger aber auch im Siedlungsraum in Gärten vor, wo er sich auch an Goldfischen aus dem Teich gütlich tut oder eine ungeschützte Forellenzucht richtiggehend zu dezimieren vermag. Wegen seiner Vorliebe für Fische und Frösche wurde der Graureiher zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts von Fischern gehasst und verfolgt, was zu drastischen Populationseinbrüchen führte. Seit 1926 gilt er als geschützte Art und vermochte sich so wieder zu erholen. Insgesamt sind heute mehr als 250 Kolonien bekannt. Damit gilt die Art als nicht gefährdet.

Um auf die eingangs gestellte Frage bezüglich seiner Anwesenheit an Strassenrändern und auf Feldern zurückzukommen, hier findet er seine ebenso geschätzte Nahrung: die Kleinsäuger wie Mäuse, Wiesel, Ratten oder gar, wo vorhanden, auch Wildkaninchen, die er wie alles, was er zu sich nimmt, ganz und lebendig verschluckt.

Nicht verschweigen wollen wir hier aber auch eine fünfte Reiherart, welche seit Anfang der Neunzigerjahre regelmässig im Gäu überwintert. Es handelt sich um den schneeweissen Silberreiher, welcher im Oktober aus dem Osten einwandert, um die kalte Jahreszeit in Kestenholz, Niederbuchsiten, Neuendorf, Wolfwil und Fulenbach zu verbringen. Im März zieht er dann zurück in seine Brutgebiete.

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