Autobahnraststätte

«Was macht der wohl mit dieser Tube?»

René Kneubühler bei den Souvenirs – sie kommen gut an, und werden sie nicht gekauft, dann bisweilen fotografiert. René Kneubühler bei den Souvenirs – sie kommen gut an, und werden sie nicht gekauft, dann bisweilen fotografiert.

René Kneubühler bei den Souvenirs – sie kommen gut an, und werden sie nicht gekauft, dann bisweilen fotografiert. René Kneubühler bei den Souvenirs – sie kommen gut an, und werden sie nicht gekauft, dann bisweilen fotografiert.

Sie halten, kaufen ein, fahren weiter. An der Autobahnraststätte ist der Kontakt mit Einheimischen und Touristen nicht von langer Dauer – doch es reicht für amüsante Episoden, Diebstähle und das Stillen von Gelüsten.

Die Frau kommt rein, ein Eis in der Hand. Dem Aussehen nach stammt sie aus Asien. Plötzlich greift sie in die Tasche, packt ihre Stäbchen aus und beginnt damit geduldig ihre «Glace» zu essen. Mit Essstäbchen – eine Kunst.

Schmunzelnd erzählt René Kneubühler aus Safenwil die Episode. Seit Dezember 2010 ist der 48-jährige Geschäftsleiter des Coop Pronto an der Autobahnraststätte Gunzgen Süd. Täglich hat er Kontakt mit durchreisenden Touristen – besonders in der Ferienzeit. Seine Arbeit sei interessant, so Kneubühler. «Wir haben Kundschaft aus China, Japan, Amerika, den Niederlanden, Belgien, Frankreich», zählt er auf. Und das sei längst nicht alles. Die Verständigung? Kein Problem: «Es geht gut, auch wenn man kein Wort versteht», lacht er.

Sieben Tage ist der Coop Pronto geöffnet, von 6 bis 23 Uhr. In dieser Zeit sieht man einiges an Menschen: Da parkieren Autos, Camper, Lastwagen. Mal sieht man einen mit einem Schiff beladenen Anhänger, selbst ein Leichenwagen kommt vor. «Am Wochenende wirst du überrannt», erzählt Kneubühler. Unter der Woche sei es eher ruhig – besonders im Moment. «Der tiefe Euro», vermutet er.

Ein «Touristenladen»

Es ist zwar ein Coop Pronto Laden, in dem Einheimische wie Touristen tagtäglich ein und ausgehen. Dennoch bezeichnet René Kneubühler sein Geschäft im Gespräch auch mal als «Touristenladen»: «Wenn jetzt ein Chinese reinkommt, ein Tomatenpüree kauft und dann mit seinem Camper weiterfährt frag ich mich schon: Was macht der wohl mit dieser Tube?»

Die vielfältigen Kontakte sorgen für Abwechslung, und das scheint Kneubühler an seiner Arbeit zu mögen; Trotz Problemen, die zwischendurch mit Kundschaft entstehen. Wie alle Läden sieht sich auch dieser Coop Pronto gelegentlich mit Diebstählen konfrontiert. «Normalerweise sind es aber kleine Delikte», so Kneubühler. Nur letztes Jahr, da hielt ein Fan-Car vor dem Laden, und eine ganze Schar stürmte den kleinen Shop. Und dann auf und davon mit dem Diebesgut. Von der Polizei angehalten wurden die Fans in Stans – und der Chauffeur musste für die Kontrolle bis nach Oensingen zurückfahren.

Das Souvenir-Gestell fällt auf

Neben dem gängigenCoop-Sortiment fällt beim Eintreten sofort das Souvenir-Gestell auf: T-Shirt, Tassen, Schlüsselanhänger mit Schweizer Kreuz, – die Farben Rot-Weiss dominieren. «Manchmal hab ich das Gefühl, das Produkt braucht einfach ein Schweizer Kreuz darauf, und es ist verkauft», versucht Kneubühler den andauernden Ansturm auf die klischeehaften Souvenirs zu erklären. Es erstaunt ihn immer wieder, was die Durchreisenden alles kaufen. Einmal stellte er einen grossen Plüschhund aus – erstaunlich schnell war dieser weg. «Den Hund gibt es heute beinahe in allen Coop Pronto Shops, welche mit Touristen zu tun haben.» Ist dieser Coop der Zeit voraus? Nachzuhinken scheint er zumindest nicht, ist René Kneubühler doch gerade dabei, die Osterhasenbestellungen hinter sich zu bringen.

Schokolade. «Davon verkaufen wir abartig viel, hauptsächlich an Touristen.» Kneubühlers Erfahrungen zufolge ist Schokolade der grösste Renner bei Italienern und Asiaten. Da nimmt schon man einer die Kamera hervor und fotografiert das ausladende Angebot – für welchen Zweck wird Kneubühler wohl nie erfahren. Es sei denn, es handle sich dabei für einmal nicht um einen Asiaten, sondern um den Fotografen dieser Zeitung.

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