Sie haben renommierte Musikwettbewerbe gewonnen, so den Johannes-Brahms-Wettbewerb in Österreich oder den W.-A.-Mozart-Wettbewerb in Zürich. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen für die Karriere?

Maria Solozobova: Wenn man am Anfang steht, können Wettbewerbspreise Türen öffnen. Später zeigt sich, dass es wichtigere Komponenten für eine Karriere gibt, angefangen bei den passenden Lehrern. Ich habe unter anderem bei Zakhar Bron studiert, der Weltstars wie Vadim Repin und Maxim Vengerov unterrichtete. Dann braucht es natürlich das Glück, von einflussreichen Persönlichkeiten gefördert zu werden, um so die Chance zu bekommen, viele Konzerte mit guten Orchestern und Dirigenten spielen zu dürfen. Anne-Sophie Mutter hatte keine Wettbewerbe gewonnen, aber als junge Geigerin Karajan vorgespielt. Der Rest ist Geschichte.

Vor zwei Jahren gründeten Sie die internationale Konzertreihe «Classical Highlights: Die vier Jahreszeiten». Wie bewältigen Sie die Doppelrolle als Organisatorin und Interpretin?

Mein Hauptsponsor Gazprom Schweiz AG wollte nicht einzelne Konzerte unterstützen, sondern mit einer Reihe nachhaltig wirken. Ein gutes Konzept, denn so lassen sich internationale Verbindungen pflegen und Repertoireerweiterungen verwirklichen. Zudem erfüllte sich damit ein persönlicher Traum, obschon er mit vielen organisatorischen Aufgaben verbunden ist. Als künstlerische Leiterin verpflichte ich Gäste wie Martha Argerich oder Mischa Maisky und Orchester wie die Camerata String Lucerne. Dabei trete ich – wie beim ebenfalls von mir 2007 gegründeten Ensemble Camerata Musica Baroca – nicht nur als Solistin auf, sondern gelegentlich auch als Konzertmeisterin. Mit dem Ensemble fördere ich junge Talente und biete ihnen eine Plattform.

Ihre neuste CD heisst kurz und bündig «Paganini», Sie spielen hochvirtuos und atemberaubend. Was ist Ihnen als Interpretin wichtiger: Perfektion oder der musikalische Ausdruck?

Selbstverständlich ist Perfektion wichtig. Aber genau so wichtig ist, ein Werk intellektuell und emotional zu erfassen, aus dem Moment heraus etwas Authentisches zu schaffen. Ich will nicht nur perfekte Passagen spielen, sondern lebendig und mit Herz musizieren; Menschen mit meiner Musik etwas sagen.

Sie spielen oft und gerne Barockmusik, aber auch immer wieder Tschaikowsky. Welchem Komponisten fühlen Sie sich besonders verbunden?

Eigentlich habe ich keinen Lieblingskomponisten, auch wenn mir Beethoven und Tschaikowsky etwas näherstehen. Mein Repertoire erstreckt sich von Vivaldi bis Strawinsky. Neben den romantischen Werken habe ich mich intensiv mit den Barockkomponisten auseinandergesetzt, die ich immer wieder und gerne spiele. Mit der Wiener Klassik beschäftigte ich mich besonders, als ich in Wien studierte. Ich glaube, dies macht meine Vielseitigkeit aus. Ich spiele barocke Musik mit dem historischen Ansatz, Eckpfeiler wie Bach, Mozart, Beethoven und Brahms mit dem Zugang der europäischen Mentalität, Tschaikowsky, Prokofjew und Strawinsky mit dem Herzen und aus der russischen Tradition heraus.

Sie spielen eine Geige von Nicolo Gagliano (1728) und eine Allegretti Stradivarius (1703). Wie sind Sie zu diesen Instrumenten gekommen und welche setzen Sie für welches Repertoire ein?

Beide Instrumente sind im Familienbesitz und unterscheiden sich vor allem durch die Klangfarben. Ich liebe beide Geigen sehr und spiele die Stradivarius vermehrt in den grossen Konzerthallen. Doch ich halte nicht viel davon, dass man je nach Werk oder Epoche das Instrument wechselt. Meine Geigen und ich gehören zusammen, sind verwachsen.

Im Sommer haben Sie geheiratet und wohnen nun in Solothurn. Wie haben Sie Ihren Mann kennen gelernt?

Als Informatiker beschäftigt sich mein Mann viel am Computer. Zufällig ist er auf meine Website gestossen und hat begonnen, sich für die Musik, die Geigerin und, nun ja – auch für die Frau zu interessieren. (Lachend) In der heutigen Zeit trifft man sich überall. Einmal nach einem Konzert hat er auf mich gewartet, seit damals sind wir zusammen. Wir haben in Zürich geheiratet und mit unseren Freunden in Solothurn später ein richtiges Musik-Hochzeitsfest gefeiert.

Sie gastieren an internationalen Musikmetropolen. Was motiviert Sie, in der Marienkirche Solothurn, quasi in der Provinz, aufzutreten?

Solothurn ist eine kulturell reiche Stadt und alles andere als provinziell. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich in einer Kirche, einem Spital, Schule, im KKL oder in der Tonhalle spiele. Das Wichtigste ist doch, Menschen mit meiner Musik glücklich zu machen und beim Spielen selber glücklich und erfüllt zu sein.

Was spielen Sie an der musikalischen Andacht in der Marienkirche Solothurn?

Gemeinsam mit der aus Kasachstan stammenden Pianistin Christine Majewski werde ich etwas Besonderes spielen: Beethovens berühmtes Violinkonzert in einer Fassung für Geige und Klavier. Ich glaube, dieses populäre Werk hat man in dieser Bearbeitung in der Region noch nicht gehört. Zudem spiele ich Beethovens Violin-Sonate Nr. 3. Weihbischof Martin Gächter wird einige Texte beisteuern. Ich bin sehr
gespannt und freue mich auf diese Erfahrung.

Donnerstag, 25. September, 19.30 Uhr, musikalische Andacht, Marienkirche Solothurn, Kollekte. Mittwoch, 8. Oktober, 19.30 Uhr, «Classical Highlights» mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, Tonhalle Zürich.
www.classicalhighlights.ch