Tradition

Warum die Chläuse durch das Dorf gejagt werden

Ein gut 100 Jahre alter Brauch erfreut sich grosser Beliebtheit

Er komme eben gerade vom Himmel her geflogen - so hatte sich jener Samichlaus gerechtfertigt, nachdem über die Türschwelle gestolpert und der Länge nach in die Stube hineingeschlittert war. Erzählt wird diese Anekdote vom Turnverein Balsthal, dessen Mitglieder zusammen mit jenen vom FC Klus die Samichlaus-Tradition in der Thaler Metropole seit mehr als 100 Jahren aufrechterhalten. Wie andernorts sind auch dort jeweils mehre Chläuse unterwegs. Doch im Gegensatz zu andern Orten beenden diese die Hausbesuchsrunde nicht sang- und klanglos. Im Gegenteil.

Etwa ab 21.15 Uhr, wenn die Besuche beendet sind, rennen die Chläuse in einer breiten Phalanx durchs Dorf. Dabei werden sie gejagt von mit Glocken bewehrten Kindern und «Geisslechlöpfern». Schliesslich stellen sich alle Chläuse auf die «Kreuz»-Treppe und wiederholen gemeinsam den Spruch, den sie zur Begrüssung sagen. Grossaufmarsch herrscht jeweils bei diesem Anlass, so auch gestern Abend wieder. 20 Chläuse und 20 Schmutzli waren im Einsatz. «Ausser einem, der zum ersten Mal mitmacht, sind alles Altgediente dabei», erklärt Philipp Baumgartner, zuständig für die Organisation.

Als es Streit gab bei den Chläusen

Früher galt die Regel: Der TV besucht die Leute in Balsthal, der FC jene in der Klus. Doch wuchs das Dorf immer mehr, es kamen Aussenquartiere hinzu. Im Gegensatz dazu wohnten in der Klus immer weniger Leute. So kam es in den späten 1980er-Jahren immer wieder zu Missstimmungen. Es kam vereinzelt zu Revierkämpfen. Von unschönen Szenen wird berichtet. Es kam vor, dass die einen Familien keinen Besuch erhielten, andere hingegen wurden sogar von zwei Chläusen besucht. «Die Lösung war, dass die beiden Vereine den Brauch gemeinsam organisieren und ausüben, so wie heute», sagt Bruno Hafner, der in jenen Konfliktjahren beim Turnverein für die Samichläuse zuständig war.

Von richtigen Tätlichkeiten der «heiligen Männer», von denen heute noch im Dorf berichtet wird, wisse er jedoch nichts. Diese gehören dann wohl ins Reich der Legenden.

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