Drogenhandel

Warum der «Donnerschlag» für die Solothurner Polizei ein Erfolg war

Es war wie im Hollywood-Film: Die Kantonspolizei Solothurn führte gestern am Bahnhof eine grosse Kontrolle durch.

«Am I a criminal?», ruft der von Polizisten umringte Mann. Die Frage, ob er denn ein Krimineller sei, ist rhetorisch gemeint. Der junge Schwarzafrikaner protestiert gegen die Behandlung durch die Beamten, die seine Hände in Handschellen gesteckt haben. Während der Verhaftete abgeführt wird, fleht daneben ein weiterer Verdächtiger eine Polizistin an, sie solle ihn laufen lassen, er müsse dringend nach Hause.

«Aktion Donnerschlag» – so der martialische Titel der Kontrolle, welche die Kantonspolizei gestern am Solothurner Hauptbahnhof durchführte – ist in vollem Gang: Rund zwei Dutzend Beamte sind daran, an verschiedenen Standorten um den Bahnhof mutmassliche Drogendealer und -konsumenten zu kontrollieren.

Zwei Verhaftungen, zwölf Anzeigen

Der Name ist insofern gerechtfertigt, als die Aktion rasch über die Bühne geht: Nach einer halbstündigen Einsatzbesprechung an der Zentrale begeben sich die Beamten kurz nach zwei Uhr nachmittags in zivilen Polizeiautos an den Bahnhof, wo sie sich an ihren jeweiligen Standorten platzieren. Um Viertel nach zwei erfolgt das Kommando von Einsatzleiter Manfred Rhyn, knapp 20 Minuten später sind die meisten Beamten bereits wieder auf dem Weg zurück zur Zentrale.

Zehn Personen haben sie in der Zwischenzeit kontrolliert, zwei von ihnen wieder laufen lassen, acht auf den Posten zur genaueren Durchsuchung mitgenommen oder direkt ins Untersuchungsgefängnis zur Befragung gebracht. Die spätere Bilanz: Sicherstellung von zehn Gramm Heroin, eineinhalb Gramm Kokain, einem halben Gramm Marihuana sowie vierzig Franken Falschgeld. Zwei Männer bleiben in Haft, gegen ein halbes Dutzend Personen ergehen insgesamt zwölf Verzweigungen.

Ob steter Tropfen den Stein höhlt?

Der Mann, der das Heroin auf sich trägt, ist zwar Schweizer, bei den übrigen kontrollierten Personen handelt es sich indes praktisch ausschliesslich um Schwarzafrikaner. «Wir sind keine Rassisten», sagt dazu Manfred Rhyn, aber es sei schlicht Fakt, dass der Drogen-, insbesondere der Kokainhandel am Bahnhof Solothurn in erster Linie von Afrikanern betrieben werde. Oft handelt es sich um abgewiesene Asylbewerber aus Ländern, in die keine Ausschaffungen vorgenommen werden können. Da sie nichts zu verlieren haben, nehmen die meist jungen Männer auch eine Gefängnisstrafe in Kauf, um im Anschluss häufig abermals als Dealer aufzutreten.

Die Bekämpfung des Drogenhandels am Bahnhof Solothurn ist eine Sisyphusarbeit, auch wenn Manfred Rhyn hofft, den Stein mit stetem Tropfen zu höhlen. Das Kokaingeschäft, sagt Rhyn, sei zu lukrativ, die Nachfrage – die quer durch alle Bevölkerungsschichten geht – zu gross, als dass das Problem aus der Welt geschafft werden könnte. Würde man die Kontrollen, die wöchentlich im kleineren und sporadisch im grösseren Rahmen durchgeführt werden, intensivieren, könnte man den Handel allenfalls verlagern – aber nicht verhindern.

Trotz allem findet Manfred Rhyn, dass sich die Lage am Bahnhof Solothurn beruhigt hat: «Der offene Drogenhandel ist zurückgegangen.» Dazu beigetragen hat laut Rhyn die verbesserte Koordination der Kantonspolizei mit der Stadtpolizei und anderen Organen sowie die Einrichtung der Anlaufstelle für Süchtige im ehemaligen «Adler». Und auch Einsätze wie «Aktion Donnerschlag» erachtet der Kommandant als unerlässliches Element bei der Eindämmung des Drogenhandels.

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