Wahlen 2011

Walter Wobmann, die zähe Kämpfer-Natur aus dem Entlebuch

Walter Wobmann (54) mit seiner Kawasaki am ersten Ort, den er im Kanton Solothurn kannte: Dem «Isebähnli» in Trimbach.  Bruno Kissling

Walter Wobmann (54) mit seiner Kawasaki am ersten Ort, den er im Kanton Solothurn kannte: Dem «Isebähnli» in Trimbach. Bruno Kissling

Walter Wobmann (Gretzenbach) ist ein «Überzeugungstäter» der SVP. Der höchste Töfffahrer der Schweiz über - sein Ur-Feindbild - die EU und über den Aufbau der SVP im Kanton Solothurn zur stärksten Partei im Kanton.

Zum Treffpunkt im Trimbacher «Isebähnli» erscheint Walter Wobmann mit seiner hellgrünen Kawasaki 750. Das ist sozusagen sein Tourenmotorrad, mit dem er gerne durchs Land und über die Pässe braust. Zu Hause steht noch eine Rennmaschine, eine MV Agusta F4 1000: Erinnerung an seine jungen Jahre, als er Motocross und Strassenrennen fuhr. Das ist vorbei, aber heute ist er als Präsident der Föderation der Motorradfahrer der Schweiz (FMS) «höchster Töfffahrer im Land», wie er stolz auf seiner Website schreibt.

Auf dem Töff in die weite Welt

Der Töff wars wohl auch, der Wobmann zum ersten Mal in den Kanton Solothurn trug. Ihn, den Entlebucher Bauernbub, der in einfachen Verhältnissen auf der Oberen Schwand, einem Weiler mit sechs Bauernhöfen zwischen Schüpfheim und Hasle, aufgewachsen ist. Den Hof übernahm der Bruder, Walter machte eine Automechanikerlehre. Kurz nach dem 18. Geburtstag schaffte er die Motorradprüfung, und damit rückte Trimbach in Reichweite. «Das war die Anfangszeit des ‹Isebähnli› als Töfftreffpunkt», erinnert er sich. Hier treffe man Leute aus allen Richtungen - aus dem Elsass, dem Schwarzwald, aus der ganzen Schweiz. «Freiheit und Kameradschaft, das ist das wichtigste Element beim Töfffahren», schwärmt er.

Es gibt ihn also, einen Walter Wobmann vor und ausserhalb der Politik. Wer ihn nur aus der Öffentlichkeit kennt, könnte manchmal daran zweifeln. Denn seit 20 Jahren hat er sich der Politik verschrieben, und das mit unglaublich zähem Einsatz. Der Kampf gegen den EWR-Beitritt (1992) hat ihn politisiert, die Europäische Union ist sein Ur-Feindbild geblieben. Nach dem EWR-Nein stürzte er sich in den Aufbau der zuvor im Kanton Solothurn inexistenten SVP.

Die harten Anfangsjahre der SVP

«Es war eine knallharte Zeit», erinnert er sich, und wer die eine oder andere Ortsparteigründung mit meist nur einer Handvoll Mitgliedern miterlebt hat, muss ihm recht geben. Der Erfolg ist beispiellos: Bei den Nationalratswahlen 2007 wurde die SVP im Kanton Solothurn mit 27 Prozent der Stimmen weitaus stärkste Partei. Das lag zwar im nationalen Trend, aber in Walter Wobmann hatte die SVP einen, der den Boden im Kanton Solothurn unermüdlich beackerte. «Aufbauen und etwas bewegen, das ist typisch für mich», sagt er. Die Anfangszeit, wo er und die SVP belächelt und angefeindet wurden, hat ihn wohl für immer geprägt. So sehr, dass er in der politischen Auseinandersetzung bis heute verbissen wirkt: Bei Abstimmungsvorlagen gibt es für Wobmann meist nur «absolut zwingend» oder «total falsch».

Andere Parteien und der Bundesrat wollen in seiner Darstellung ganz einfach «die Schweiz kaputt machen»; politische Gegner, die in Ausländern nicht einfach Kriminelle und Sozialschmarotzer sehen wollen, rückt er schnell in die Nähe von Landesverrätern. «Unglaublich» und «katastrophal» sind Wörter, die in keinem Wobmann-Statement fehlen dürfen. «So wie er heute ist, ist der Ständerat eine Katastrophe», sagte er bei seiner Nomination als Ständeratskandidat am 1. April.

Gegen EU, Ausländer und Islam

Dabei hätte Walter Wobmann diese Bunkermentalität längst nicht mehr nötig. 1997 wurde er in Gretzenbach in den Gemeinderat gewählt, wechselte nach vier Jahren kurz in den Kantonsrat, und schon 2003 kam er im Nationalrat an, wo er jene Themen fand, die ihn leidenschaftlich interessierten: die Verteidigung der Schweiz gegen die EU, gegen die Ausländer und zunehmend gegen den Islam.

Die Minarett-Initiative war denn auch das Gesellenstück von Walter Wobmann. Im Abstimmungskampf von 2009 nahmen nur wenige wahr, dass diese Initiative gar nicht aus der Küche der SVP-Zentrale stammte. Im Gegenteil, dort räumte man ihr anfänglich keine Chancen ein. «Auch Blocher glaubte lange nicht an einen Erfolg, er sagte uns nur einen Drittel der Stimmen voraus», verrät Wobmann heute. In Wirklichkeit war die Minarett-Initiative von Wobmann und Ulrich Schlüer in einem kleinen «Egerkinger Komitee» ausgeheckt worden. Dass es ihnen gelang, mit dem Schlagwort vom Minarett als «Machtsymbol des Islams» volle Säle und eine 57,5-Prozent-Mehrheit in der Volksabstimmung zu erreichen, macht Wobmann unheimlich stolz.

Ein Christian Schybi im Ständerat?

Das Beispiel zeigt etwas Typisches seiner Politikerlaufbahn: Er ist ein Outsider geblieben, zutiefst antielitär. Es reizt ihn, von «unten» gegen die «Obrigkeit» aufzumucken, wo immer er diese ortet. Irgendwie gleicht Walter Wobmann auch äusserlich immer mehr den Bildern von Christian Schybi, dem Führer der Entlebucher im Bauernkrieg von 1653. Der Haudegen Schybi erkämpfte manchen Sieg auf dem Schlachtfeld, am Ende wurde er von der Obrigkeit geköpft. Vielleicht wäre auch Wobmann lieber Bauernhauptmann als Gesetzesschmied im Ständerat.

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