Grenchen
Waffenschutz-Befürworter Boris Banga ist ein Waffennarr

Zuhause besitzt der Grencher Stadtpräsident eine der grössten Sammlungen von Gewehern und Pistolen. In der Öffentlichkeit mach sich der SP-Politiker für die Waffenschutzinitiative stark. Freund und Feind sind einmal mehr irritiert.

Theodor Eckert
Merken
Drucken
Teilen
Grenchens Stadtpräsident Boris Banga präsentiert im Büro einen Vorderlader aus seiner privaten Waffensammlung (Foto: Oliver Menge)

Grenchens Stadtpräsident Boris Banga präsentiert im Büro einen Vorderlader aus seiner privaten Waffensammlung (Foto: Oliver Menge)

Solothurner Zeitung

Boris «Stapi» Banga hat zwar keine disziplinarische Untersuchung wegen Mobbings am Hals, doch die Ermahnung, sich strikte an die geltenden Anstandsregeln zu halten, spricht eben auch Bände. Zumindest diese Angelegenheit ist damit geklärt, wenn auch noch nicht ganz vom Tisch (Banga will den Fall weiterziehen). Abgesehen davon, wer gedacht hat, um das langjährige Grenchner Stadtoberhaupt müsse es doch einfach mal ruhiger werden, lag (natürlich) falsch.

Banga - ein Waffennarr

Der nächste Wirbel steht tatsächlich bereits an: Politische Gegner (und davon mangelt es beileibe nicht) werfen dem Sozialdemokraten vor, er betreibe in Sachen Waffenschutzinitiative ein inakzeptables Doppelspiel. Und dieses gehe so: Auf der einen Seite unterstütze Banga diese «unsinnige» Initiative, auf der andern Seite sei er ein totaler Waffennarr und Besitzer der grössten privaten Sammlung von Gewehren und Pistolen in der Region. So etwas gehe einfach nicht.

Päng, der sitzt. Ist das nun der endgültige Stolperdraht für den schweizweit bekannten Politiker? Boris Banga lacht und meint trocken: «So ein Blödsinn.» Er habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er Waffen besitze. Schliesslich sei er lizenzierter Schütze und habe alle Schiesseisen auf ordentlichem Weg erworben.

«Ja, ich schiesse gern»

Ja, er schiesse gerne. Als Justizoffizier mit über tausend Diensttagen sei das auch nicht besonders verwunderlich. Von der «grössten Waffensammlung weit und breit» könne bei rund einem Dutzend Waffen sicher nicht die Rede sein. Dazu gehörten alte Sammlerstücke, die eher den Schützen als das Gegenüber gefährden würden, wenn sie zum Einsatz kämen.

Etwas Stolz schwingt bei der Aufzählung dann allerdings schon mit. Zwei Maschinengewehre sind nämlich auch darunter. Ein leichtes (LMG, sagen Kenner) und ein Mega-Ding, das derart heiss werden kann, dass es mit einem Schlauch zur Wasserkühlung ausgerüstet ist. Sämtliche politischen Heckenschützen sollten davon zumindest Notiz nehmen (Anmerkung der Redaktion). Selbstverständlich ist der Besitzer dafür besorgt, dass alle seine Waffen sicher gelagert werden.

Hand aufs Herz, Boris Banga, weshalb sind sie dann für die Waffenschutzinitiative? Das habe eben nichts miteinander zu tun. Er habe schon als Nationalrat (er war Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission) das Thema aufgegriffen. Er sei ganz einfach der Ansicht, dass Armeepistole und Sturmgewehr im Zeughaus sicherer und damit besser aufgehoben wären. Mit dieser Haltung macht sich Banga das Leben nicht einfacher.

Von beiden Seiten unter Beschuss

Erwartungsgemäss ist er von beiden Seiten unter Beschuss gekommen, wie er unumwunden zugibt. Da er sich ab und zu im Sandwich befinde, könne er jedoch damit umgehen. Immerhin, seinen Militärmotorfahrern, bei denen er seit zwanzig Jahren dabei sei, habe er die Problematik auseinandergesetzt und die hätten ihn durchaus verstanden.

Zum Schluss holt Banga zu einem unmissverständlichen armeepolitischen Rundumschlag aus. Bei der ganzen Diskussion um die Waffenschutzinitiative gehe es letztlich bloss um einen Stellvertreterkampf. Für ihn sei klar, dass die linken Brüder und die rechten Schwestern die Armee kaputtmachen wollten. Diese geschehe durch solche Initiativen, die Herabsetzung des Dienstalters und die Verkleinerung der Armee. Päng, der sitzt auch.