Derendingen
Vorübergehende «Landhaus»-Eröffnung frustriert die Beizer

Das seit drei Jahren geschlossene «Landhaus» wurde zum Auftakt der Fasnacht durch die Herregäägger für zwei Tage wieder geöffnet, und dies mit grossem Erfolg. Bei den Restaurantbetreibern herrscht jedoch Frust.

Simon Scheidegger
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Die Herregäägger haben manchen Beizern die Gäste ausgetrieben. RM

Die Herregäägger haben manchen Beizern die Gäste ausgetrieben. RM

Solothurner Zeitung

In den letzten Jahren, in denen sich das Restaurant Widder in Derendingen an der Beizenfasnacht beteiligt hatte, war alles wunderbar. Das Haus war voll, und die Leute feierten bis in die frühen Morgenstunden. Ganz anders dieses Jahr. Der Aufmarsch der Fasnächtler war wesentlich geringer als in den Vorjahren, wie Wirt Patrick Spörer erzählt. Eine Begründung für diesen Rückgang an Gästen sieht er – wenn auch nicht ausschliesslich – darin, dass dieses Jahr das «Landhaus», eine langjährige und beliebte Fasnachtsbeiz, vorübergehend wieder geöffnet wurde.

Absprache wäre nötig gewesen

Vor dem schmutzigen Donnerstag schmückten die Derendinger Herregäägger das Haus, verköstigten die Gäste mit Mehlsuppe, und am Freitagabend wurde an der «Gruftiparty» schliesslich ausgiebig gefeiert. So erwachte das «Landhaus», wenn auch nur für kurze Zeit, wieder zum Leben. Spörer findet dies eine «super Aktion» der Zunft. Es lässt sich allerdings nicht verbergen, dass ihm mehr Absprache vonseiten der Organisatoren mit den Gastwirten lieber gewesen wäre. Und er betont, dass «sicherlich alles anders verlaufen wäre», wenn das «Landhaus» seine Türen nicht geöffnet hätte.

Aber andere Faktoren hätten sicherlich auch ihren Teil zum nicht so zahlreichen Erscheinen von Gästen und dem ungewohnt und ungewollt frühen Feierabend beigetragen. So habe das schöne Wetter sicherlich viele animiert, den Tag lieber draussen als in einem Restaurant zu verbringen. Die Distanz zwischen dem «Landhaus» und dem «Widder», sei halt auch ziemlich gross, sodass die meisten Gäste lieber im «Landhaus» sitzen blieben, anstatt später noch den «Widder», oder auch die zwischen den beiden Gasthöfen gelegene «Krone» aufzusuchen.

Viele Leute, für welche das «Landhaus» ihre langjährige Stammkneipe gewesen sei, hätten die Gelegenheit wohl genutzt, dort wieder einmal die Fasnacht zu feiern. In den drei Jahren, seit Spörer mit seiner Frau Rebecca die Leitung übernommen hat, sei es ihnen jedoch durchaus gelungen, die früheren Stammkunden zu übernehmen und auch neue dazuzugewinnen. «Wir haben eine gute Beziehung zu Vereinen und Parteien. Folglich sind die auch ab und zu bei uns anzutreffen.» Und dadurch, dass das Fasnachtskomitee erst vor kurzem gewechselt habe, sei alles noch im Aufbau. «Die Sachen müssen wachsen», stellt der Wirt klar. Er hoffe jedoch, dass in den nächsten Jahren eine kooperative Lösung zwischen den Wirtshäusern und allfälligen Zünften, welche spontan etwas organisieren möchten, gefunden werden könne und die Planungen frühzeitig begonnen werden, sodass nicht kurz vor Fasnachtsbeginn den Wirten «dazwischen gegrätscht» werde. Dennoch: «Die Wiedereröffnung des ‹Landhauses› ist wohl eine einmalige Sache», meint Spörer gelassen.

«Das ist nicht fair»

Jonas El Younsi, Wirt des Gasthofs Krone, sieht die Sache deutlich weniger locker als sein Berufskollege. Wie er erzählt, hätte er sehr gerne etwas gemacht an dieser Fasnacht. Er habe sich ja bereit erklärt, etwas zu organisieren und die Gäste in seinem Restaurant zu empfangen. Doch der grosse Ansturm blieb aus, und zurück bleibt ein frustrierter Wirt. «Ich sehe die Absicht, die die Zunft mit dieser Aktion gehabt hat, nicht. Die stehen nicht unter finanziellem Druck und müssen schauen, überleben zu können.» Er sei der Gemeinde entgegengekommen, indem er einwilligte, als Fasnachtsbeiz zur Verfügung zu stehen. Es sei «nicht fair», dass «hinter meinem Rücken» etwas organisiert werde. Die Leute hätten gewusst, dass dieses Jahr in der «Krone» Fasnacht gefeiert werden könne, und trotz der zentralen Lage des Restaurants haben sich fast keine Gäste eingefunden. Auf die Frage, ob er sich eine Zusammenarbeit mit organisationswilligen Zünften vorstellen könne, weicht Jonas El Younsi aus und sagt dazu nur: «Die haben ja nichts davon.»

Roland Kärle, Mitglied der Herregäägger, freut sich seinerseits ob des grossen Erfolgs, den sie mit ihrer Aktion im «Landhaus» hatten. «Wenn Sie die Leute in Derendingen fragen, sind alle immer noch hell begeistert von der Fasnacht im ‹Landhaus›.» Die Zunft hätte sich spontan entschlossen, etwas zu organisieren. «Wenn die anderen nichts machen, sind sie selber schuld», meint Kärle. Die Zünftler arbeiteten natürlich ohne einen finanziellen Hintergedanken. «Es geht uns nicht um Kommerz. Wir können froh sein, wenn uns die Rechnung gerade aufgeht.» Aber das ist nicht das primäre Ziel, denn das haben sie durch die positive Reaktion der Bevölkerung erreicht. Zudem ist er überzeugt, dass wenn das Landhaus nicht offen gewesen wäre, es keine Fasnachtsaktivitäten gegeben hätte, denn «ausser ein paar wenigen wäre sicherlich niemand in den ‹Widder› geschweige denn die ‹Krone› gegangen.»

Fasnachtskonzept überdenken

Die Fasnacht in Derendingen ist seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast. Dies liegt gemäss Kärle am mangelnden Angebot an Unterhaltung. Es gebe nur noch eine Gugge und eine Schnitzelbank, was natürlich den Leuten nicht reiche. Deshalb müsse das Fasnachtskonzept grundlegend überdacht werden. Das hindert die Herregäägger jedoch nicht daran, die Fasnacht weiter zu zelebrieren, wie sie das schon seit vielen Jahren tun. «Wir machen einfach Fasnacht, und da lassen wir es jeweils krachen.»