Breitenbach
Von Roll spielt den Chemieunfall herunter

Von Roll schweigt weiter darüber, welche Chemikalien in welchen Mengen in Breitenbach lagern. Es ist deshalb nicht abzuschätzen, was passiert wäre, wenn die Feuerwehr die Lage nach dem Chemieunfall nicht so schnell in den Griff bekommen hätte.

Gini Minonzio
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Mauer des Schweigens

Mauer des Schweigens

Auch nach dem Unfall von Gründonnerstag schweigt sich die Firma lieber aus und informiert die Bevölkerung nicht. Auf Nachfrage hin versucht sie zu beschönigen. Sie schildert den Unfall so: Am 21. April kam es in der Von Roll zu einem Unfall, bei dem 250 Liter des Lösungsmittels Ethylacetat ausliefen. Dies passierte, weil ein Kocher überhitzte.

Dämpfe im ganzen Gebäude

Den Grund kenne man noch nicht, sagt Susanne Berger, Pressesprecherin der Von Roll. Weil das Lösungsmittel sehr flüchtig ist, verteilten sich die Dämpfe im ganzen Gebäude. Die Chemiewehr versprühte Wasser, um die Dämpfe zu binden und um die Gefahr einer Explosion zu verhindern. Das Wasser wurde zusammen mit dem ausgelaufenen Ethylacetat im werkseigenen Havariebecken aufgefangen. Die Chemiewehr testete es, befand es für unbedenklich und so wurde es in die Kanalisation gepumpt. Sie setzte auch Lüfter mit Filter ein.

Zwar habe die Von Roll in Breitenbach keine eigene Feuerwehr mehr, doch die Sicherheitsmassnahmen seien sehr hoch. Zudem seien die Angestellten geschult, erklärt Berger. Deshalb sei es ihnen mithilfe der eingerückten Feuerwehren gelungen, dass kein Lösungsmittel aus dem Gebäude ausgetreten sei.

Andere Version offizieller Stellen

Polizei und Feuerwehr haben den Unfall anders erlebt. Gemäss Polizeimeldung konnte man das Lösungsmittel im Dorf riechen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass es aus dem Gebäude ausgetreten ist, auch wenn es laut Polizei «in dieser Konsistenz nicht schädlich» war.

Zudem suggeriert Von Roll, dass die 250 Liter ausgelaufene Lösungsmittel so harmlos sind, dass sie zusammen mit dem Einsatzwasser wie Regenwasser in die Kanalisation gepumpt werden konnten. René Fröhlicher, Kantonsexperte Chemie und Biologie bei der Solothurner Gebäudeversicherung, betont hingegen, dass ein grosser Teil des Lösungsmittels mit Chemikalienbinder aufgesaugt wurde. Es musste anschliessend fachgerecht entsorgt werden. «Dies hat die Feuerwehr in ihrem Rapport festgehalten», so Fröhlicher. Von Roll stellt also den Unfall harmloser dar, als es Polizei und Feuerwehr tun.

Auch wenn alles glimpflich abgelaufen ist, so stellt sich die Frage, was alles hätte passieren können, wenn das Lösungsmittel explodiert wäre. Denn im Von-Roll-Betrieb in Breitenbach sind ganz offiziell erhebliche chemische Gefahrenpotenziale vorhanden. Deshalb unterliegt der Betrieb auch der Störfallverordnung. Er muss dem Kanton in einem Kurzbericht über sein Gefahrenpotenzial Rechenschaft ablegen. Eine weitergehende Risikoermittlung muss er nicht machen. Denn der Kanton nimmt an, dass bei einem Störfall keine schwere Schädigung der Umwelt und der Bevölkerung zu erwarten ist.

Bevölkerung weiss nichts

Im Schwarzbubenland gibt es sechs Betriebe, welche erhebliche chemische Gefahrenpotenziale haben. In Breitenbach, Dornach, Witterswil und Zullwil steht je einer; in Büsserach sind es zwei. Für sie alle gilt, dass die Öffentlichkeit nicht über die Art der Gefahr informiert wird.